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Asylbewerberheim im Bau

Für bis zu 90 Flüchtlinge wird ein ehemaliges Lehrlingshaus modernisiert. Die Gemeinde vermisst ein Sicherheitskonzept.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

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Reges Begängnis vor dem ehemaligen Lehrlingswohnheim an der Oststraße in Neukirch, das jahrelang leer und verlassen stand. Müll, Gerümpel, Bauschutt und ausrangierte Toilettenbecken liegen davor. Gerade manövriert ein großer Lkw in die Einfahrt. Gleich wird er Baustoffe abladen. Bauleute gehen ein und aus. Drinnen wird angestrengt gebaut für Flüchtlinge, die im April kommen sollen; zunächst 50, später soll die Zahl nach einer Übergangsphase auf 90 aufgestockt werden. Die Bauarbeiten jetzt laufen in Regie des Eigentümers. Der Landkreis übernimmt danach eine nutzbare Einrichtung, wie Landkreissprecherin Sabine Rötschke auf Anfrage der SZ sagte. Getan werden muss eine Menge, damit Asylbewerber im Gebäude würdige Bedingungen vorfinden für Komfort und Sicherheit. „Aktuell wird das Haus brandsicher gemacht, Treppen und Brandschutztüren werden eingebaut“, so Sabine Rötschke. Für die Sicherheit der künftigen Bewohner müssen vorhandene Fenster gegen moderne ausgetauscht sowie Schließsystem und Videoüberwachung installiert werden. Sanitäranlagen und Küchen bringen Bauleute auf den neuesten Stand und streichen sämtliche Wände.

Auch die Außenfassade hat eine neuen Anstrich nötig – mehrere schwarze Flecken zeugen davon, dass hier jemand Farbbeutel dagegen geworfen hat. Ein neuer, stabiler Metallzaun könnte derartige Anschläge verhindern, der rund ums Heim bereits aufgestellt wurde. Wie Kreissprecherin Sabine Rötschke sagte, verlaufen die Arbeiten bislang ruhig und ohne Störungen. Darüber sei man froh. Die Bauarbeiten gehen voran – ungeachtet dessen, dass die Gemeinde mit einem sogenannten Eilrechtschutzverfahren Einspruch gegeben, die Baugenehmigung bei der Landesdirektion Dresden eingereicht hat. Nach wie vor vertreten Neukirchs Bürgermeister Gottfried Krause (CDU) und sein Gemeinderat den Standpunkt, dass die Baugenehmigung gravierende Mängel aufweist. „Wir fordern ein Sicherheitskonzept“, so Krause. Verzögerungs- oder Verhinderungstaktik sei der Weg übers Gericht nicht, so Gottfried Krause. „Doch es geht uns auch um Angemessenheit. Wir halten 50 Bewohner für angemessen.“ – Eine aufschiebende Wirkung hat der Einspruch bei der Landesdirektion nicht. Erst wenn darüber im Interesse der Gemeinde entschieden werden würde, könnte es zu einem vorläufigen Baustopp kommen. Derzeit wird der Antrag geprüft, ein Ergebnis liege noch nicht vor.

Unterdessen hält der Zustrom von Flüchtlingen im Landkreis Bautzen an. Die Landkreisverwaltung rechnet in diesem Jahr mit mindestens 1 000 neuen Asylbewerbern. Dafür, so heißt es in einer Mitteilung, werden gut 600 neue Plätze zur Unterbringung benötigt. Ende vergangener Woche wurden zwei neue Unterkünfte bekannt: 35 Flüchtlinge werden ab 1. März in der alten Schule in Bischheim-Häslich kurz vor Kamenz eine Bleibe finden. Ab dem zweiten Quartal ziehen bis zu 46 Flüchtlinge in ein Privathaus in Wehrsdorf. Einer Wiederbelebung des ehemaligen Flüchtlingsheims in der Massenei bei Seeligstadt erteilte der Kreis hingegen eine Absage. Aktuell leben im Landkreis 1 115 Asylbewerber – davon 878 in zentralen Heimen und 237 dezentral in Wohnungen.

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