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Asylhilfe braucht feste Struktur

In Bautzen gibt es einen neuen Verein für die Flüchtlingshilfe. Vorsitzender Sven Scheidemantel erklärt, warum das notwendig ist

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© Uwe Soeder

„Willkommen in Bautzen“ heißt der Verein, der sich jetzt neu formiert hat. Gegründet wurde er von Mitgliedern des Bürgerbündnisses „Bautzen bleibt bunt“. Über Ziele und Aufgaben spricht Vereinsvorsitzender Sven Scheidemantel.

Herr Scheidemantel, in Bautzen kümmert sich das Bürgerbündnis um die Flüchtlingshilfe. Warum ist es sinnvoll, jetzt einen Verein zu gründen?

Wir müssen uns einfach vor Augen halten, dass immer mehr Flüchtlinge nach Bautzen gekommen sind, die Hilfe brauchen. Das Bündnis „Bautzen bleibt bunt“ hat sich bewährt. Helfer konnten hier einfach und unbürokratisch mitmachen. Ganz ohne Verbindlichkeiten. Mittlerweile funktioniert dieser lose Zusammenschluss nicht mehr. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir ein wenig professioneller an die Sache herangehen müssen. Wir brauchen vor allem eine feste Struktur.

Welche Vorteile bringt so ein Verein denn mit sich?

Ein Verein hat mehrere Vorteile. Er ist beispielsweise juristisch greifbar. Das heißt, wir haben eine feste Satzung, die man nachlesen kann, wir können Fördergelder beantragen und Spendenquittungen ausgeben. Das wird immer wichtiger. Bislang haben unsere Bündnismitglieder ihr eigenes Geld in Projekte gesteckt. Aber das reicht nicht mehr aus. Wenn wir zum Beispiel einen zweijährigen Deutschkurs organisieren wollen, dann kostet das auch. Und ein Verein mit festen Mitgliedern bringt uns einfach auch mehr Planungssicherheit.

Löst der Verein das Hilfsbündnis ab?

Nein. „Bautzen bleibt bunt“ soll weiterhin bestehen. Doch wir werden eng zusammenarbeiten. Möchte das Bündnis beispielsweise ein Projekt auf die Beine stellen, dann wird der Verein dafür Spendengelder akquirieren.

Sie haben den Vorstandsvorsitz übernommen. Wo sehen Sie ihre Aufgaben?

Wir brauchen einen Ansprechpartner, einen, der die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, der über Projekte informiert, die Arbeit der Helfer bekannter macht. Das Bündnis konnte das bisher nicht leisten. Der Verein kann es. Ich will die Kontaktperson sein. Klar, dass da viel Arbeit auf mich zukommt. Aber ich will es versuchen.

Gibt es schon ein erstes Ziel?

Ja, das gibt es. Die Flüchtlinge im Spreehotel nutzen das Fahrrad, um in die Stadt zu kommen. Doch die Räder gehen auch mal kaputt. Der Verein will nun organisieren, dass die Fahrräder gemeinsam mit den Flüchtlingen repariert werden.

Und wenn Sie in die Zukunft blicken...

Momentan gibt es sieben Vereinsmitglieder. Wenn es am Ende des Jahres 100 oder 200 sind, wäre ich sehr stolz. Nicht der Mitgliedsbeitrag ist bei uns entscheidend, sondern die Bereitschaft, helfen zu wollen.

Gespräch: Marleen Hollenbach