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Auch bei Dynamo trifft der Neue sofort

Was die großen Klubs können, klappt in Dresden genauso. Viel wichtiger als das Koné-Tor ist aber der Sieg gegen Bochum.

© Robert Michael

Von Tino Meyer und Daniel Klein

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Als Trainer von Dynamo Dresden hat Uwe Neuhaus in dieser zähen Saison mehr als genug zu tun, daran ändert auch der 2:0-Sieg am Sonntagnachmittag gegen den VfL Bochum erst mal nichts. Fußballfan ist Neuhaus aber eben auch durch und durch. Die Bundesliga gehört deshalb zum Pflichtprogramm – und seine Anekdote, die er nach dem schwer erkämpften Erfolg im Abstiegskampf erzählt, zu den kleinen Schmeckerchen eines sonst weitestgehend unansehnlichen Spiels.

Schon Freitagabend, so Neuhaus, habe er sich beim Betrachten der Torschützen von Borussia Dortmund gedacht: „Könnte mir auch ganz gut gefallen.“ Denn mit zwei Toren hat Michy Batshuayi, den der BVB erst Mittwoch verpflichtete, entscheidenden Anteil am 3:2-Sieg seiner Mannschaft in Köln. Das ist, wie sich herausstellt, erst der Anfang eines unglaublichen Wochenendes für Spieler, die in den vergangenen Tagen den Verein gewechselt haben. Am Samstag treffen schließlich die Neuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang bei Arsenal London sowie Ademola Lookman für RB Leipzig. Und nun zum guten Schluss auch noch Moussa Koné, den Dynamo am Dienstag präsentiert hat. Der 21-Jährige besiegelt eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung mit seinem Treffer den 2:0-Endstand.

Batshuayi, Aubameyang, Lookman und Koné – was für Namen. Dortmund, Arsenal, RB und dazu also auch Dynamo – was für Vereine. Neuhaus jedenfalls ist rundum zufrieden. „Da sind wir in ganz guter Gesellschaft“, sagt er, und dem Satz des Sonntags schließt er sich sowieso an: „Ein Einstand nach Maß.“

Das Dynamo-Zeugnis

Markus Schubert: 3

Ist am meisten gefordert, als Mitspieler Franke eine Eingabe gefährlich abfälscht. Viel mehr gibt es nicht zu tun. Auch mit dem Fuß abgeklärt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Philip Heise: 3

Hat die meisten Ballkontakte aller Dynamos, trotzdem fällt er kaum auf –bis zum 2:0. Bei der Vorarbeit lässt er seine Stärke aufblitzen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marcel Franke: 2

Erst wird sein Kopfballtor nicht anerkannt, dann verhindert Bochums Torwart einen Treffer. Defensiv immer Herr der Lage.

Jannik Müller: 3

Bei den Zweikämpfen souverän, bei der Spieleröffnung mit Reserven. Der Ballas-Stellvertreter kassiert seine fünfte Gelbe Karte.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Kreuzer: 2

Darf anstelle von Paul Seguin ran. Seine Standards und seine Schnelligkeit tun dem Dynamo-Spiel gut. Sieht auch die fünfte Gelbe.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Manuel Konrad: 2

Wirkt immer souveräner, verteilt die Bälle mit viel Übersicht. Könnte defensiv aber noch mehr Anspiele verhindern und Löcher stopfen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Hauptmann: 4

Er schlägt Haken, statt sich für die einfache Lösung zu entscheiden. Verliert so zu oft den Ball. Kämpft sich aber in die Partie.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Aias Aosman: 4

Hat vorm Elfmeter Glück, dass er nicht Gelb für seine Schwalbe sieht. Danach sehr aktiv, baut aber nach der Pause ab.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Erich Berko: 4

Arbeitet viel und hat auch gute Ideen, doch es mangelt zu oft an der Präzision. Läuft beim Elfmeter viel zu früh in den Strafraum.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Sascha Horvath: 4

Läuft und läuft und läuft – ist aber nicht immer effektiv. Kann sich in 1:1-Situationen noch mehr zutrauen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Lucas Röser: 3

Schirmt die Bälle gut ab und verteilt sie, bei den Kontern – wie andere auch – zu unpräzise. Verwandelt den Elfermeter sicher.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Paul Seguin: 3

Soll die Defensive stärken und helfen, den Vorsprung zu verteidigen. Beides gelingt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Moussa Koné: 2

Erstes Tor nach nur einer Trainingseinheit. Besser kann ein Einstand nicht glücken.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten: Rico Benatelli. (SZ/dk)

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Koné empfindet das nicht anders. Nach der scharfen Hereingabe von Philipp Heise ist es zwar schwieriger, die Chance zu vergeben. Doch an der richtigen Stelle muss man auch erst einmal stehen, betont Niklas Kreuzer – und lobt seinen neuen Mitspieler. Mit der rechten Innenseite schiebt Koné den Ball ins Tor und verdeutlicht danach, wieso neben der Sache mit dem Näschen für Tore die Schnelligkeit als Konés größte Stärke gilt. Wie wild rennt er los, tippt immer wieder auf das Vereinslogo auf dem neuen Trikot und lässt sich feiern. Nur darüber reden will der Senegalese eigentlich nicht. Dabei beschreiben die Kollegen ihn als aufgeschlossenen, fröhlichen, umgänglichen Typen, der Deutsch sehr gut versteht und sogar – so formuliert es Kreuzer – „ein bisschen zerbröckelt“ spricht.

Es braucht die Überredungskünste des Pressesprechers und eine dolmetschende Journalistin, um zu hören, was auch das strahlende Gesicht des Neuzugangs verrät. „Ich bin sehr glücklich, dass ich gleich in meinem ersten Spiel für Dynamo getroffen habe“, sagt Koné. Sein Trainer hat genau darauf gehofft, als er den 1,2-Millionen-Euro-Mann in der 74. Minute einwechselt. In dieser Phase wogt das Spiel besonders hin und her. Bochum ist am Drücker, was Dynamo reichlich Platz zum Kontern bietet.

Damit aber können die Dresdner wenig bis gar nichts anfangen. Mal fehlt es am genauen Zuspiel, mal an der Übersicht, mal überhaupt an einem Pass. Ob Lucas Röser, der in der Anfangself erwartungsgemäß den Vorzug vor Peniel Mlapa erhält, oder die ebenso neu in der Startformation stehenden Aias Aosman und Sascha Horvath, selbst der eigentlich als feiner Techniker bekannte Niklas Hauptmann – je mehr Konter sich im Laufe der Partie bieten, umso erschreckender ist die Umsetzung.

Frühe Führung, wenig Sicherheit

Dabei hat das Spiel überaus verheißungsvoll begonnen. Bereits nach 62 Sekunden entscheidet der Schiedsrichter nach einem Zweikampf von Aosman und Anthony Losilla im Strafraum auf Elfmeter. Klare Berührung, meint der Gefoulte. Nie und nimmer ein Strafstoß, entgegnet der Ex-Dynamo, in Bochum inzwischen zum Kapitän aufgestiegen. Röser kümmert das nicht, er verwandelt sicher zum frühen 1:0.

Spätestens Mitte der ersten Hälfte ist der anfängliche Schwung jedoch dahin, Bochum übernimmt die Kontrolle. Am Ende haben die Gäste mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen und weniger Fehlpässe gespielt. Zu klaren Chancen kommen sie allerdings auch nicht, was ihr Trainer Jens Rasiejewski präzise zusammenfasst: „Keine Tore gibt auch keine Punkte.“

Bei Dynamo dagegen gibt es jetzt Koné. „Durch sein Tempo, seine Art und Weise, die Ballsicherheit und seinen Torriecher, den er gleich unter Beweis gestellt hat, war er für mich zu dem Zeitpunkt eine gute Option“, sagt Neuhaus. Das späte 2:0 bezeichnet der Trainer zudem als Befreiung, natürlich auch für den Neuen, viel mehr aber für Dynamo. Mit dem erst dritten Heimsieg dieser Saison vergrößert sich der Abstand zum Relegationsplatz auf vier Punkte, bis zum direkten Abstiegsrang mit dem nächsten Gegner Fürth sind es sechs Zähler.

Dass Koné am Tag vor seinem Debüt lediglich das Abschlusstraining absolviert hat, ist indes kein Problem. „Um Tore zu schießen, muss man manchmal nicht wochenlang mit der Mannschaft trainieren“, sagt Neuhaus abschließend. Das Wochenende bestätigt ihn.