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Auch das Publikum wirbelt mit den Händen in der Luft

Zwei Pantomimen bekamen für ihren Auftritt im Dixiebahnhof ganz besonderen Beifall.

Von Bernd Goldammer

Weixdorfs Dixiebahnhof war Sonnabend Schauplatz einer einzigartigen Weihnachtsfeier. Etwa 90 Hörgeschädigte oder gänzlich Gehörlose feierten zusammen mit ihren Familien. Der Dresdner Treff des Stadtverbandes der Gehörlosen beging hier sein 20. Bestehensjahr. Pantomime vom Feinsten stand im Mittelpunkt.

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Schon seit geraumer Zeit bezieht das ehrenamtlich geführte Kulturzentrum im Dresdner Norden auch Gehörlose ein. Die Brücke baut Claudia Franz. Beruflich ist sie als Gebärdendolmetscherin unterwegs, als Vereinsmitglied des Dixiebahnhofes bringt sie sich auch ehrenamtlich für diese Zielgruppe ein. Das lockte Heiko Schneider vom Stadtverband der Gehörlosen an. Neben Dia-Vorträgen erlebte er im Frühjahr auch eine Pantomime-Aufführung von Elisa und Rainer König. Das sind besonders große Künstler dieses Genres. Rainer König gehört zu den Mitbegründern der legendären Clownstruppe „Salto Vitale“. Ungezählte Auftritte und Engagements führte das Ensemble an Schauspielhäuser und Kleinkunstbühnen. Im Zirkusmilieu waren die Mimen ebenso zu Hause wie in Varietés, Musicals, Operetten, Opern.

Und Heiko Schneider war von dieser Aufführung begeistert. So entstand eine neue Idee. Claudia Franz wandte sich an ihren Verein, Heiko Schneider stellte die Weichen im Gehörlosenverband der Stadt. Das einzigartige Projekt nahm rasch Gestalt an. Für Rainer König war diese Aufführung am Sonnabend eine besondere Herausforderung. Wie mag der Brückenschlag zwischen den unterschiedlichen Wahrnehmungswelten gelingen?

Und wieder erlebte man: Große Kunst kommt oft besonders leicht daher. Schon nach wenigen Minuten hatten die Künstler ihr Publikum überzeugt. Das Programm lebte durch die Faszination einer ausdrucksstarken Spielweise. Lichtstimmung, Kostüme, Mimik und Gestik eroberten die Herzen der zahlreichen Gehörlosen. Gelegentlich fühlt man sich an die Schauspieler der Stummfilmzeit erinnert. Auch sie hatten nur ihre Mimik und Gestik, um sich in die Herzen ihrer damaligen Kinobesucher zu spielen. Allerdings wurden Szenen solange gedreht, bis sie gut waren.

Elisa und Rainer König hingegen bestanden in der Live-Atmosphäre der Weixdorfer Kleinkunstbühne. Ständig wechselten sie die Rollen. Immer wieder waren sie eindrucksvoll zu erleben. Die Zuschauer waren begeistert. Als das Stück nach etwa neunzig Minuten zu Ende war, erhoben sich viele Hände und wirbelten in der Luft. So drücken Gehörlose ihren Wunsch nach einer Zugabe aus. Und die bekamen sie natürlich auch durch einen Auszug aus „Faust ohne Worte“.

„Es war ein wunderbarer Nachmittag, mit großartigen Künstlern in einem wunderbaren Haus“, brachte Heiko Schröder seine Begeisterung auf den Punkt. Dem ist nichts hinzuzufügen!