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Kamenz

Glückliches Ende des Kamenzer Orgel-Krimis

Die vierte Orgel in der Lessingstadt ist jetzt restauriert. Das Instrument in St. Just hat eine besondere Geschichte.

Der Kamenzer Kirchenmusikdirektor Michael Pöche freut sich über die restaurierte Orgel in der Begräbniskirche St. Just.
Der Kamenzer Kirchenmusikdirektor Michael Pöche freut sich über die restaurierte Orgel in der Begräbniskirche St. Just. © Matthias Schumann

Kamenz. Kirchenmusikdirektor Michael Pöche darf sich freuen: Nun klingt auch die letzte Orgel der Stadt nach monatelanger Restaurierung wunderbar. Das lästige Krächzen ist verschwunden. „Zuletzt war es manchmal etwas peinlich, auf Beerdigungen zu spielen“, sagt der 60-Jährige.

Die kleinere Ausgabe einer Jehmlich-Orgel von 1882 steht in St. Just, der Begräbniskirche Kamenz. Erst im letzten Jahr sorgte das besondere Gotteshaus nach der Restaurierung wertvoller Fresken für Furore. Die über 600 Jahre alten Wandmalereien blieben lange Zeit unbeachtet. Dabei sind sie von weitreichender Bedeutung.

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Die Fresken sind seit der umfassenden Überarbeitung vieler Fachleute gut anzusehen, die Wahrnehmung der Bilder hat sich verbessert. Auch der Chorraum erhielt eine spezielle Beleuchtung, und im Kirchenschiff wurden Putz- und Malerarbeiten ausgeführt . Sogar die seltenen Totenkronenkästen hatte man restauriert. Fehlte am Ende noch die Orgel auf der Empore. „Wir haben während der Restaurierungsarbeiten der Fresken bereits begonnen, darüber nachzudenken, wie wir sie wieder in Schuss bekommen“, so KMD Michael Pöche. Meistens ist dies ein längerer Prozess, der aber ein erfreuliches Ende fand. 

60.000 Euro für die Restaurierung

Immerhin kostet auch die Restaurierung der Jehmlich-Orgel reichlich 60.000 Euro. Die Finanzierung konnte dank großzügiger Unterstützung durch die Denkmalbehörde des Landratsamtes, die Evangelisch-lutherische Landeskirche, den Kamenzer Kirchbauverein sowie zahlreicher Spenden abgesichert werden. In den letzten 15 Jahren wurden bereits drei andere Orgeln der Lessingstadt erneuert - darunter die Mende-Orgel in St. Annen, das kleine Kayser-Orgel-Positiv in St. Marien sowie die große Walcker-Orgel in der Hauptkirche mit immerhin 42 Registern.

Relativ bescheiden kommt da die kleine Orgel in St. Just mit ihren sechs Registern daher. „Für einen vollen Klang im eher kleinen Kirchenraum ist das aber völlig ausreichend“, sagt Michael Pöche. Und spielt das Instrument an. Klare Töne sind zu vernehmen. Ein bisschen liegt das wohl am neuen, rekonstruierten Register „Spitzflöte 2 Fuß“, welches eine neue zarte Klangfarbe spendiert. Pöche jedenfalls ist begeistert und freut sich auf kommende Konzerte. Und darauf, auf Beerdigungen zu spielen.

Jehmlich-Orgel galt jahrelang als verschollen

Die Orgel wurde erbaut als Opus 72 im Jahre 1882 von Carl Eduard Jehmlich aus Dresden – ursprünglich für ein Übungszimmer im Katholischen Lehrerseminar Bautzen. „Dunkel sah die Originalversion aus, ohne barocken Schnörkel“, weiß Michael Pöche. Auf einem Foto von 1935 aus dem Archiv der Orgelbaufirma Eule ist dies zu erkennen.

Lange Zeit wurde diese Orgel durch mündliche Überlieferung irrtümlicherweise übrigens für ein Instrument des Bautzner Orgelbauers Leopold Kohl gehalten. Erst durch die intensive Recherche im Vorfeld erkannte man, dass dieses Instrument aus der Werkstatt Jehmlich stammte, bei der es lange Zeit als verschollen galt. Einen „richtigen Kamenzer Orgel-Krimi“ nennt der Kirchenmusikdirektor diese Geschichte. In der Szene jedenfalls erhielt sie viel Beachtung.

Ein ganz neues Schild wurde angefertigt, auf dem auch die Orgelbaufirma Groß aus Waditz verewigt ist - vom alten fehlte jede Spur.
Ein ganz neues Schild wurde angefertigt, auf dem auch die Orgelbaufirma Groß aus Waditz verewigt ist - vom alten fehlte jede Spur. © Matthias Schumann

Einiges musste das Instrument jedenfalls miterleben: 1917 wurden die originalen Prospektpfeifen aus Zinn für die Kriegswirtschaft eingeschmolzen. 1930 kaufte die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen das Instrument auf, gestaltete und disponierte es um. Es bekam zum Beispiel neue Pfeifen aus Zink, einen hellen Anstrich und neobarockes Schnitzwerk, wie man es heute noch bewundern kann.

Seit 1936 wurde die Orgel dann in St. Just in Kamenz bespielt. „Wahrscheinlich nutzte man ab diesem Zeitpunkt die kleine ehemalige Pilgerkirche intensiv für Begräbnisse, denn in dieser Zeit entstanden auch die Empore und alle anderen Anbauten“, weiß Michael Pöche. Die aktuellen Restaurierungarbeiten übernahm die Orgelbaufirma Ekkehart Groß aus Waditz bei Bautzen.

Das Instrument wurde gereinigt und generalüberholt. Dafür wurde es letztes Jahr komplett ausgebaut. Schon im Juli 2019 wollte man die Orgel einweihen, doch die Arbeiten verzögerten sich. Die Rekonstruktion der Farbfassung führte das Restauratoren-Ehepaar Jörg und Siegrun Freund aus Doberschau durch.

Relativ bescheiden kommt die Jehmlich-Orgel in St. Just mit nur sechs Registern daher. "Für einen vollen Klang im eher kleinen Kirchenraum ist das aber völlig ausreichend", sagt Michael Pöche. 
Relativ bescheiden kommt die Jehmlich-Orgel in St. Just mit nur sechs Registern daher. "Für einen vollen Klang im eher kleinen Kirchenraum ist das aber völlig ausreichend", sagt Michael Pöche.  © Matthias Schumann

Nun müssen die Menschen kommen. Eine offene Kirche wie bei St. Marien wäre die Krönung. Die Fresken von St. Just haben das Zeug für große Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit der restaurierten Orgel potenziert sich die Bedeutung. An einer Marketingstrategie arbeiten Stadt und Kirchgemeinde gemeinsam.

Übrigens: Etwa 1.000 Euro müssen noch durch Spenden zur Kostendeckung aufgebracht werden. Wer dazu einen Teil beitragen möchte, kann eine oder mehrere der nicht mehr benötigten Orgelpfeifen erwerben. Gelegenheit dafür gibt es am Sonntag, dem 15. März. Dann wird die Orgel um 15 Uhr im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes zu Beginn der Bibelwoche wieder in den Dienst genommen. Gäste sind willkommen.

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