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Auch Frankenthal will das Fällverbot für Bäume lockern

In Großharthau schützt das Ortsrecht bereits nur noch die Laubbäume. In Bischofswerda sieht man Gefahren durch unkontrolliertes Handeln.

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Von Ingolf Reinsch

Großharthauer, die in ihrem Garten einen Nadelbaum fällen wollen, brauchen seit einigen Tagen dafür keine Genehmigung der Gemeinde mehr. Mit ihrer Veröffentlichung ist die vom Gemeinderat geänderte Gehölzschutzsatzung jetzt in Kraft getreten. Wer einen Nadelbaum fällt, ist auch nicht mehr verpflichtet, einen neuen Baum zu pflanzen. Denn die Gemeinde schützt nur noch Laubbäume mit Ausnahme von Obstbäumen. Bürgermeister Jens Krauße begründet die Änderung mit dem Ziel, „Bürokratie abzubauen“. Zwei Drittel der rund 30 Fällanträge des vergangenen Jahres betrafen Blautannen und Koniferen.

Kommunen entscheiden allein

Die Gemeinde Frankenthal plant, ihre Gehölzschutzsatzung in gleichem Sinne zu ändern. Schirgiswalde will noch einen Schritt weiter gehen und alle Fällungen in Wohngrundstücken, darunter auch Laubbäume, genehmigungsfrei machen. Nur unter Naturschutz stehende Bäume sollen davon ausgenommen sein, sagt Bürgermeister Patric Jung, der eine Änderung für das erste Halbjahr in Aussicht stellt. Angst, dass dann unverhältnismäßig viele Bäume abgeholzt werden könnten, habe er nicht. Patric Jung: „Der Trend geht in die andere Richtung: Das Stadtbild ist in den vergangenen Jahren wesentlich grüner geworden.“

Sachsens Kommunen können selbst entscheiden, wie sie Bäume und Sträucher auf ihrem Gebiet schützen. Die meisten der 30 Städte und Gemeinden im Landkreis Bautzen haben dafür eine Satzung, wobei es zum Teil erhebliche Unterschiede bei Gebühren und Auflagen für Ersatzpflanzungen gibt. Nur Crostau und Kubschütz haben keine Gehölzschutzsatzung. „Man muss nicht alles reglementieren. Die Bürger tragen das Anliegen, Bäume zu schützen, auch freiwillig mit, zumal ja auch die allgemeinen Umweltgesetze gelten“, sagt der Kubschützer Bürgermeister Joachim Hantusch. Unter anderem unter Naturschutz stehende Bäume und Streuobstwiesen sind gesetzlich geschützt.

Trotzdem rät Rainer Drogla von der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Städten und Gemeinden, den Baumschutz per Satzung zu regeln, denn „sie setzen Grenzen“. Beim Vorstoß, das Fällen von Nadelbäumen auf Wohngrundstücken freizugeben, wägt er ab: „Ökologisch ist der Verlust nicht allzu groß. Allerdings sinkt auch die Hemmschwelle, Bäume zu fällen, ohne dass groß darüber nachgedacht wird.“

Satzung regelt Pflanzungen

Diese Meinung wird in mehreren Rathäusern geteilt. Günther Neidel, Sachgebietsleiter im Bischofswerdaer Ordnungsamt, hält es für „problematisch, wenn Bäume unkontrolliert gefällt“ werden, noch dazu in Zeiten, da Brennholz stark gefragt ist. Auch Bautzen misst in ihrer 2006 beschlossenen Satzung dem Grün hohen Wert bei. Bau-Bürgermeister Peter Hesse: „Wir haben in unserem Leitbild Bautzen 2020 festgeschrieben, dass dem Stadtgrün unsere besondere Fürsorge gilt. Ein wichtiges Instrument dafür ist die Gehölzschutzsatzung. Sie ermöglicht unbedingt notwendige Fällungen etwa für Baumaßnahmen, verpflichtet aber auch zur Neupflanzung von Bäumen.“

Vor allem Bürgermeister ländlicher Gemeinden weisen darauf hin, dass Nadelbäume und Koniferen in Gärtern nicht typisch für die Dörfer in der Lausitz sind. „Fragt einer nach einer Fällgenehmigung, sagen wir ihm, er soll als Ersatz einen Obstbaum pflanzen“, sagt der Malschwitzer Bürgermeister Günter Sodan. Auf ein Wort