merken
PLUS

Auch im Nachbarland ist Autoklau an der Tagesordnung

Die Polizei in Wroclaw schätzte die Kriminalität an der Grenze ein. Das Bild ähnelt an vielen Stellen der Straftaten-Statistik der Görlitzer Polizeidirektion.

Von Ralph Schermann

Zunächst war es ein Mann, den Zgorzelecer Polizisten festnahmen. Er saß in einem Auto, nach dem gefahndet wurde. Die Ermittlungsgruppe „Neiße“ kam zum Einsatz, und bald waren es vier Männer, die hinter Gittern saßen. Ihnen wurde Hehlerei mit Autos im Wert von 160 000 Euro nachgewiesen – und in ihrer Garage fanden die Beamten 3 000 Gramm Metamphetamin – Schwarzmarktwert: 225 000 Euro.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Solche Erfolge sind spektakulär, und doch gibt es sie immer öfter. Gerade erst hat die polnische Polizei ein Lager von illegalen Autoschraubern ausgehoben, in dem sich Teile von 17 in Italien gestohlenen Mercedes-Wagen fanden. „Seit 2010 wird die deutsch-polnische Ermittlungsgruppe immer erfolgreicher“, bestätigt Polizeioberrat Adam Jedryszczak vom Stab der Kommandantur Wroclaw (Breslau). Die Gruppe „Neiße“ versucht, Wege und Verstecke von Straftätern aufzuspüren, geht aber auch gemeinsam auf Streife. Waren es am Anfang noch 162 Gemeinschaftsdienste, kamen 2013 bereits 214 Einsatztage zusammen. „Der Erfolge wegen haben wir diese Gruppe aufgestockt und ihren Operationsraum neben Zgorzelec auch auf die Nachbarkreise Luban (Lauban) und Boleslawiec (Bunzlau) erweitert“, sagt Jedryszczak.

Das sind drei von insgesamt 22 Kreisen der Wojewodschaft Niederschlesien, in denen die polnische Polizei über Kreiskommandanturen verfügt, dazu kommen noch die Stadtkommandanturen in Wroclaw, Walbrzych (Waldenburg), Jelenia Gora (Hirschberg) und Legnica (Liegnitz). Gemeinsam sind im polnischen Niederschlesien 7 400 Polizeibeamte und 2 000 Zivilangestellte im Einsatz und bekämpfen jährlich rund 113 000 Straftaten, also rund 4 000 Fälle je 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Polizeidirektion Görlitz, zuständig bis kurz vor Dresden, meldete für 2013 rund 6 500 Straftaten je 100 000 Einwohner. Dabei ist aber zu beachten, dass in Polen der Diebstahl von Sachen unter einem Wert von 100 Euro nicht als Straftat gilt, sondern als Ordnungswidrigkeit.

Dieses Problem herausgerechnet, dürften sich die Kriminalitätszahlen dies- und jenseits der Neiße wenig nehmen. „Die generelle Entwicklung bei uns ist mit der Statistik der Polizeidirektion Görlitz vergleichbar“, sagt Adam Jedryszczak. Hüben wie drüben geht die Kriminalität insgesamt zurück, auch in den Grenzlagen – mit Ausnahme von Autoklau und Drogenstraftaten. Während Fahrzeugdiebstähle in der Wojewodschaft Niederschlesien kontinuierlich von 5 061 (1999) auf 1 407 (2013) sanken, stiegen sie im Kreis Zgorzelec immer wieder an, zuletzt von 36 (2012) auf 40 (2013). Drogendelikte kletterten in Zgorzelec von 402 auf 410, eine ähnlich leichte Steigerung hatte Görlitz gemeldet. Insgesamt dagegen gab es in Zgorzelec einen Rückgang der allgemeinen Diebstähle von 915 (2012) auf 677 (2013). Unter den voriges Jahr ermittelten 2 504 Tatverdächtigen befanden sich auch einige deutsche Staatsbürger. Insgesamt werden in Zgorzelec 67 Prozent aller Straftaten aufgeklärt.