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Auch kleine Kultkinos werden mal groß

Großhennersdorf. Das Kunstbauerkino muss bald auf seinen Titel „kleinstes Kino Ostdeutschlands“ verzichten, denn jetzt wird angebaut.

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Von Daniela Pfeiffer

Vorbei ist es mit der kuscheligen Enge in Großhennersdorfs Wohnzimmerkino. Vorbei mit dem Kult, im kleinsten Kino Ostdeutschlands zu sein. Mit einer Leinwand aus weißen Tüchern, mit Kachelofen in der Ecke, mit Matratzen, Decken und Teppich auf dem Boden.

Vorbei ist es nun aber auch mit der nervigen Platzsuche. War man bisher nicht früh genug da, blieb oft nur der Fußboden. 16 Kinosessel – mit anderen Sitz- und Liegemöglichkeiten waren es 25 Plätze – reichen eben nicht weit.

Deshalb hat sich der Verein „Kunstbauerkino“ entschlossen anzubauen. Ein nagelneuer Kinosaal entsteht zurzeit aus der alten Scheune am Ende des Gebäudes. Gefördert wird der Bau mit 75 000 Euro von Interreg, den Rest will der Verein mit Hilfe eines Kredits der Filmförderung und in Eigenleistung schaffen.

„Unser altes Kino ist zwar nostalgisch, aber nicht bequem“, sagt Andreas Friedrich. „Durch unsere Filmauswahl haben wir ein Publikum im Alter zwischen 16 und 60 Jahren. Da kann man schon verstehen, wenn es den Älteren zu eng wird. Es wäre schade, wenn Leute deshalb nicht mehr kommen.“

Im neuen Saal, der vom alten räumlich vollkommen getrennt ist, wird es überschaubare 54 Plätze geben. Auch das ist von den Dimensionen der Großkinos weit entfernt. Und das soll so bleiben. Seinem Konzept, anspruchsvolles Kino für ein bestimmtes Publikum zu machen, will der Verein treu bleiben. Deshalb wird der neue Saal in der Gestaltung dem alten ähneln. Man überlegt, mit zusätzlichen Matratzen und Sofa die urige Atmosphäre des Vorgängers nachzuahmen.

Neue Bequemlichkeit

Bequemer wird der neue Saal aber allemal. Die neuen Kinostühle sind zwar auch gebrauchte, aber weicher als die bisher gewohnten. Durch erhöhte Sitzplätze wird auch die Sicht auf eine dann echte Leinwand besser. Andreas Friedrich bekommt einen neuen Vorführraum und sogar ein separates Büro. „Das alte war alles eins: Vorführraum, Lager, Büro“, schmunzelt er.

Nur eins lehnt Friedrich kategorisch ab: neue Technik. Zwar soll die Akustik besser werden, digitale Filmtechnik kommt für die Großhennersdorfer aber nicht infrage. „Kino, das ist für uns die große Filmrolle“, erklärt Friedrich. „Ich habe auch keine Bedenken, dass die in den nächsten 30 Jahren verschwinden wird.“

Die Trauer um das alte Kultkino, das sechs Jahre lang seine treue Fangemeinde hatte, ist dennoch da. „Es kommen schon viele Leute, die sagen, wie schade sie es finden“, sagt Andreas Friedrich. Und auch selbst kann er einen Hauch von Wehmut nicht verbergen: „Der Titel, kleinstes Kino, mit dem wir so schön werben konnten, ist natürlich futsch.“

Stiefmütterlich behandelt wird das „Kleine“ trotzdem nicht. Bei Festivals oder für Nostalgieveranstaltungen nach dem Motto „Alter Film – alter Saal“ soll er von Zeit zu Zeit reaktiviert werden. Und bis der neue Saal fertig ist – provisorisch soll er schon zum Neißefilmfestival im Juni in Betrieb gehen, offiziell nach der Sommerpause im September – wird das kleine Kinozimmer mit Ofen und Matratzen noch seine Dienste tun.