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Riesa

Ein bombensicherer Job

Olaf Bartholomäus ist einer der Männer, die den Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Zeithain viel Vorarbeit abnehmen.

Olaf Bartholomäus sucht mit einer sogenannten Einkanalsonde den Boden im Alten Lager Zeithain ab.
Olaf Bartholomäus sucht mit einer sogenannten Einkanalsonde den Boden im Alten Lager Zeithain ab. © Sebastian Schultz

Riesa/Zeithain. Wenn irgendwo in Sachsen Bomben gefunden und entschärft werden müssen, dann fahren die Männer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Zeithain dahin und erledigen ihren gefährlichen Job. Die Polizeibeamten haben so manche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Baggerarbeiten gefunden wurde, entschärft. Wenn es ihnen gelingt - und das hat es bisher zum Glück immer - sind sie die großen Helden. Doch es gibt Leute, die für sie die Vorarbeit machen und die Munition im Boden suchen, weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst nur ein begrenztes Personal hat und  nicht überall gleichzeitig sein kann.

Dann baut die Polizei auf die Hilfe von Männern wie Olaf Bartholomäus. Der Riesaer betreibt auf der Goethestraße eine eigene Kampfmittelbergungsfirma. Doch dort ist er selten zu finden. Meistens arbeitet er auf Baustellen, die sich in einem munitionsverseuchten Gebiet befinden. 

Momentan ist er im Alten Lager in Zeithain zu Gange. Seit Jahren wird dort eine riesige Solaranlage gebaut. Dass dabei nie etwas Schlimmes passiert ist, ist auch sein Verdienst. Denn was auf den ersten Blick wie unberührte Heidelandschaft aussieht, war mal die Kaserne der sowjetischen Armee. 

Auf russische Art entsorgt

"Die Russen haben hier überall Munition liegen lassen", sagt Bartholomäus. "Sie waren nicht so korrekt wie bei der NVA. Dort musste man jede einzelne Patrone abrechnen." Die sowjetischen Streitkräfte nahmen es nicht so genau. Überall auf dem riesigen Gelände kann man im Boden Munitionsreste wie Patronenhülsen und Panzergranaten finden. 

Es ist nicht mehr nachzuvollziehen, wo die Russen ihre Übungsschießstände hatten, auf die sich die Munitionsbergungsdienste, die hier arbeiten, konzentrieren könnten. Bekannt ist auch, dass die Sowjetarmee vor ihrem Abzug aus dem wiedervereinten Deutschland Anfang der 1990er Jahre ihre scharfe Munition in ausgehobenen Panzerstellungen auf russische Art entsorgten. Granaten rein und die Panzer schoben die Gruben wieder zu. Damit wollten sie Transportkosten in die Heimat sparen. "Das hätte sie alles Geld gekostet", sagt Bartholomäus.

Wenn der Zeiger nach links oder rechts ausschlägt, dann befindet sich Metall im Boden. Es muss aber nicht gleich Munition sein.
Wenn der Zeiger nach links oder rechts ausschlägt, dann befindet sich Metall im Boden. Es muss aber nicht gleich Munition sein. © Sebastian Schultz

Er steht hier mit einem Angestellten bei Fuß, wenn die einzelnen Fundamente für die Solarmodule ausgehoben werden. Dann suchen sie mit einem Detektor, einer sogenannten Einkanalsonde, die Stelle ab. Größere Flächen können mit einer Mehrkanalsonde, einem Gerät aus mehreren Sondenstäben, das man an einem Fahrzeug anhängt, nach Munition absuchen. Das würde bei einem kompletten Bodenaustausch Sinn machen. "Aber das wäre zu teuer", sagt der erfahrene Truppführer, der seit 1995 in diesem Geschäft ist. 

Damals fing der gelernte Verkäufer als Quereinsteiger an. Mehrere Jahre war die Berliner Firma Röhll, die in Zeithain nach Munitionsresten suchte, sein Arbeitgeber. 2008 machte sich Olaf Bartholomäus selbstständig und gründete seinen eigenen Kampfmittelbergungsdienst. Mittlerweile hat er fünf Angestellte. Eine Sekretärin und vier weitere Truppführer, die als fachtechnisches Aufsichtspersonal in der Kampfmittelbeseitigung zum Einsatz kommen. Neben Zeithain betreuen sie auch Baustellen in München, Wiesbaden und Leipzig.

Sein größter Fund war eine 500-Kilo-Bombe, die er während der Bauarbeiten für das 2002 eröffnete Legoland Resorts Deutschland in Günzburg entdeckte. Auf dem Gelände des heutigen Freizeitparks befand sich von 1934 bis 1945 eine Munitionsanstalt (Muna) der Wehrmacht. - Was Olaf Bartholomäus bisher in Zeithain gefunden hat, darüber schweigt er aber.

Sorgen um die berufliche Zukunft brauchen er und seine Kollegen sich nicht zu machen. Experten hätten errechnet, dass in Deutschland noch in den nächsten hundert Jahren Munition im Boden liegt, sagt er. Es ist eben ein bombensicherer Job.  

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