SZ +
Merken

Auf dem alten Exerzierplatz tummeln sich die Skater

Eine Serie widmet sich den Sportstätten in der Stadt Görlitz einst und jetzt. Heute: Fußball in Klingewalde

Teilen
Folgen
© Picasa

Von Rainer Menzel

Der erste vereinseigene Fußballplatz in Görlitz war der Platz von „Preußen 06“. Der Klub wurde im Juni 1906 gegründet. Sechs Wochen später fand bereits das erste offizielle Fußballspiel in der Stadt Görlitz statt, damals noch auf dem alten Exerzierplatz in Klingewalde. Für die Görlitzer war das deprimierend, denn sie verloren gegen den Sportclub Alemannia 1896 Cottbus mit einem Ergebnis von 0:12. Nachdem die weiteren Spiele dann auf dem Friedrichsplatz ausgetragen wurden, errichteten die Sportler einen vereinseigenen Sportplatz auf der Seidenberger Straße 24 (heutiges Zgorzelec/links von der Trotzendorfstraße). Vermutlich war dies der erste Fußballplatz mit stabilen Toren und entsprechender Größe (etwa 100 x 50 m) in Görlitz. Tennisplätze des Vereins entstanden an der Ruhmeshalle. Im Vereinslokal „Kaiser Friedrich“ auf der Victoriastraße 2 (heute Wolnoscistraße) wurden Mannschaftsaufstellungen und Regeln besprochen. Der bürgerliche Verein grenzte sich vor 100 Jahren strikt von den Arbeitervereinen ab, man zog in das Restaurant und Café in der Ruhmeshalle um, dennoch spielten die Preußen gegen die Görlitzer Vereine Mercur, Germania und Union um Oberlausitzer Meisterehren.

Es bleibt aber der Exerzierplatz Klingewalde, der als Platz des ersten Fußballspiels Görlitzer Sportgeschichte schrieb. Heinz Schubert, Sohn der Wirtsleute der Schubertschen Gaststätte in der Mitte von Klingewalde und heute ein erfahrener Ortschronist, kann den Exerzierplatz noch genau lokalisieren. Er befand sich auf jenem Gelände zwischen Klingewalde und Birkenallee, auf dem sich zu DDR-Zeiten eine Schweinemästerei ansiedelte. Heute dämmert hier ein erschlossenes Gewerbegebiet vor sich hin und wartet auf Ansiedlungen. Bis dahin tummeln sich auf dem asphaltierten Ring Anfänger und Wettkämpfer, die Inlineskates betreiben und damit ein ideales Gelände besitzen.

Die Sporthalle befand sich

auf der Großen Wallstraße

Zur vorigen Stadtplan-Folge „Wo Tuchmacher Sport betrieben“ (Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 8./9. März) ergänzt SZ-Leser Wolfgang Stiller:

Bei dem beschriebenen Objekt Rothenburger Straße/Nikolaigraben handelt es sich um die Wollspinnerei der Firma Krause und Söhne, auch Teichmühle genannt (Firmengründung 1831). Dieses Objekt betrieb nach 1945 die Oberlausitzer Volltuchfabrik mit ihrer Spinnerei weiter bis 1956. Dann gab es einen Firmentausch. Die Volltuchfabrik erwarb die Grundstücke auf der Uferstraße (ehemals Massa) als Werk IV. Der dortige Holzverarbeitungsbetrieb zog in die Teichmühle. Bis zur Wende bestand dort eine Möbelfabrik. Die beschriebene Sporthalle befand sich in einer ehemaligen Werkhalle der Oberlausitzer Volltuchfabrik, Werk II, auf der Großen Wallstraße (vor 1945 Müller & Schöner). Das gesamte Fabrikgelände wurde nach 1990 abgebrochen, und auf diesem Areal befindet sich jetzt eine schmucke Wohnanlage.