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Auf dem Berg Oybin sind Trauungen weiterhin tabu

Oybin. Eigentlich wollten sich Frank und Joanna Schreiter in der Klosterkirchruine das kirchliche Ja-Wort geben. Doch die Kirche stellte sich quer.

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Von Jan Lange

Der Berg Oybin ist der ideale Ort, um den Bund fürs Leben zu schließen – zumindest für Frank und Joanna Schreiter. Vor über einem halben Jahr verliebten sich die beiden Erzgebirgler, die sich bei einem Theaterprojekt in Norddeutschland kennen lernten, in die markante Erhebung des Zittauer Gebirges.

„Sie riefen danach bei mir an, und sagten, dass sie gern auf dem Oybin heiraten würden“, berichtet Elke Manke. „Ich musste dies anfänglich abblocken, da eine standesamtliche Trauung auf dem Berg bisher nicht möglich ist“, ergänzt die Mitarbeiterin des Oybiner Haus des Gastes. Als ihr die beiden aber erklärten, dass sie gern kirchlich getraut werden wollen, und im Nebensatz noch das Wort ökumenische Trauung fiel, fand Elke Manke die Idee faszinierend.

Beim Zittauer Pfarrer Michael Dittrich informierten sich die Brautleute, wer für sie zuständig wäre. Doch während der laufenden Hochzeitplanungen machte die Kirchenleitung den jungen Leuten plötzlich einen Strich durch die Rechnung, da eine Trauung nach ihrer Auffassung nur in einem geweihten Gotteshaus möglich sei. „Wir wussten nicht mehr, was wir machten sollten, schließlich stand der Hochzeitstermin bereits fest“, erzählt Frank Schreiter weiter. Was folgte, war eine Woche bangen Wartens.

Mit Hilfe von Elke Manke fanden Frank und Joanna Schreiter, die Anfang April bereits standesamtlich geheiratet haben, letztlich eine einvernehmliche Regelung: Die offizielle Trauung wird in der Bergkirche vollzogen. „Damit die beiden aber trotzdem den Berg Oybin in ihre Hochzeitserinnerungen einfügen können, gehen sie vor der eigentlichen Zeremonie in die Wenzelskapelle, wo das Brautpaar und die Hochzeitsgäste eine halbe Stunde der ganz persönlichen Besinnung haben“, beschreibt Elke Manke den Ablauf.

Trotz der Absage will sie aber weiter für Trauungen auf dem Berg Oybin kämpfen. Vor zwei Wochen schrieb Elke Manke deshalb an den Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt. „Ich möchte von ihm gern wissen, ob es laut katholischem Kirchenrecht möglich ist, Hochzeiten in der Klosterkirche als Ausnahmen zu beantragen.“ Auch wenn es diesbezüglich derzeit keine weiteren Anfragen gibt, ist Elke Manke sicher, dass allein die Möglichkeit, auf dem Berg zu heiraten, für Oybin wie auch die Region gut wäre. „Die Hochzeitspaare kommen dann vielleicht auch zu späteren Jubiläen wieder“, ist sie überzeugt.

Elke Manke wünscht sich aber nicht nur eine eindeutige Klärung bei der kirchlichen Trauung, sondern auch bei der standesamtlichen. „Es wäre genauso gut, wenn sich hier rechtlich wie personell eine Lösung findet“, sagt sie. Ein Beispiel, dass auch außerhalb von Standesämtern geheiratet werden kann, sieht Elke Manke bei der Stadt Zittau, wo Trauungen im Bürgersaal des Rathauses möglich sind.

Doch auch wenn sich Oybins Bürgermeister für standesamtliche Trauungen auf dem Berg Oybin ausspricht, müsste eine solche Ausnahme erst vom Regierungspräsidium genehmigt werden. „Dafür braucht es aber zuerst den Willen, das Problem anzupacken und zu lösen“, steht für Elke Manke fest.