SZ +
Merken

„Auf dem Dorf ist es total cool“

Junge Leute zieht es in die Stadt? Von wegen! Zwei Jugendliche aus Oppach erzählen, warum sie gern auf dem Land leben.

Teilen
Folgen
© Bernd Gärtner

Von Greta Jacob

Auch, wenn Jugendliche meistens so tun, als wäre ihnen alles egal, ist ihnen eine Heimat dennoch total wichtig. Damit ist nicht nur ein bestimmter Ort gemeint, sondern es sind auch Menschen. Als Jugendlicher ist man ständig auf der Suche nach neuen Freunden, die sind auf dem Dorf schwerer zu finden und wenn man Mitglied einer Clique ist, kann es schnell langweilig werden. Was soll man auch auf dem Dorf machen? Busbahnhof, Park oder Sportplatz – mehr ist als Treff nicht drin. Und wer keine Lust auf Sport hat, der wird es auch schwer haben, einen Verein zu finden. Aber es gibt viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib, man muss sie nur kennen. Benito und Jenny, beide 15 Jahre alt und aus Oppach, erzählen im Interview, was das Leben auf dem Land ausmacht und wie auch eine Clique eine Heimat bieten kann.

Was bedeutet Heimat für Euch?

Jenny: Heimat ist echt wichtig für mich, eben ein Ort, wo ich hin gehöre, wo meine Freunde und Familie sind. Dort fühle ich mich wohl und geborgen.

Wie wichtig ist Euch eEure Clique in Bezug auf Heimat?

Benito: Würden meine Freunde hier nicht wohnen, dann wäre das auch nicht meine Heimat – denke ich, weil dann keine Erinnerungen daran hängen.

Seid Ihr froh, auf dem Dorf aufgewachsen zu sein und warum?

Jenny: Ja, man hat immer das Gefühl, dass seine Freunde direkt um die Ecke wohnen. Und die Verbindungen zu den Städten sind super, falls man sich dann doch mal nach dem Großstadt-Feeling sehnt. Es gibt nur einen Nachteil im Gegensatz zum Stadtleben: auch wenn ich jetzt noch unter 16 bin, weiß ich überhaupt nicht vorstellen, wo ich später mal Clubs und Partys besuchen könnte. Denn sowas gibt’s auf dem Dorf einfach nicht.

Benito: Es ist total cool auf dem Dorf, weil es halt ruhig ist, schöner und ohne die ganzen Menschenmassen. In einer Stadt würde ich mich heimatlos fühlen, weil dort alles so anonym ist. Du begegnest am Tag vielleicht hundert Menschen in der Stadt, die du nicht kennst. Auf dem Dorf kennst du fast jeden, der dir über den Weg läuft. Das ist einfach schön und gibt mir das Gefühl von einem großem Zuhause. (lacht)

Aber kann es hier nicht schnell langweilig werden? Welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung nutzt Ihr denn hier im Ort?

Benito: Meistens gehen wir Fußball oder Basketball spielen, treffen uns im Park oder im Garten. Ich gehe öfters ins Gym und Sportvereine gibt’s hier auch reichlich.

Jenny: Wir treffen uns oft im Park und ansonsten fahren wir eigentlich immer woanders hin.

Ist es schwer, sich eine Clique

aufzubauen?

Jenny: Nein, jeder ist hier über Ecken und Kanten mit jedem ein wenig befreundet.

Benito: Das Problem ist halt immer: Wo trifft man sich? Im Park ist es einfach zu langweilig und wenn man am Busbahnhof rumhängt, wird man sofort als Assi abgestempelt. Es ist schon schwer, eine Clique zu organisieren.

Was würdet Ihr Euch in Bezug auf Jugendeinrichtungen oder Vereine von der Gemeinde wünschen?

Jenny: Viele wünschen sich einen einfachen Treffpunkt, aber nicht draußen, sondern drinnen. Sowas wie ein Jugendclub wäre schön. Von dem Jugendclub in Oppach hat man schon länger nichts gehört und viele wissen nicht mal, dass es einen gegeben hat.

Benito: Meiner Meinung nach stellt die Gemeinde genug Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung zur Verfügung. Es gibt ein Freibad, richtig viele Sportvereine und eine Jugendfeuerwehr. Das Einzige, was mir fehlt, wäre eben auch der Bezug zum Jugendclub, wie Jenny schon gesagt hat.