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Auf dem Schwedenstein geht’s hoch her

Eva und Siegfried Wehner aus Gersdorf feiern heute ihre Diamantene Hochzeit.

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Von Lothar Schöppe

Etwa 1 000 Kilometer liegen zwischen den Geburtsorten von Eva und Siegfried Wehner aus Gersdorf. Niemals hätten die beiden zusammengefunden, doch der unselige 2. Weltkrieg beeinflusste auch ihr Schicksal, wenn auch für sie im positiven Sinne. Daran war natürlich im Jahre 1948 noch nicht zu denken, als Eva mit ihren Eltern ihre Königsberger Heimat verlassen musste, um in Gersdorf ansässig zu werden. Kennengelernt hatten sich beide nicht wie sonst üblich auf dem Tanzsaal, sondern der Siegfried lief der jungen Frau, die damals bei einem Bauern beschäftigt war, einmal mit seinem Vater über den Weg. „Den oder keinen,“ dachte sie so bei sich und es müssen wohl telepathische Kräfte gewirkt haben, denn schon am nächsten Tag tauchte der Siegfried wieder in ihrer Nähe auf. Jeder kann sich ausrechnen, wie die Geschichte weiter ging. Sie endete schließlich vor dem Traualtar und wenn man bedenkt, dass beide heute 60 Jahre glücklich verheiratet sind, dann sind sie froh, dass sich alles so gefügt hat, wenngleich die Familie auch einen Schicksalsschlag hinnehmen musste.

Siegfried wohnt mit seiner Ehefrau noch in seinem Elternhaus, dass jedoch infolge einer Naturkatastrophe neu aufgebaut werden musste. Dabei kamen ihm seine Kenntnisse als Tischler zugute. Doch den Holzberuf führte er nicht immer aus, sondern er arbeitete viele Jahre als Heizer in der Kamenzer Brauerei (aber nicht wegen dem Freibier) und bis 1992 als Zivilangestellter bei der Nationalen Volksarmee in Kamenz. Früher war er auch im Steinbruch in Steina tätig, wo er sich einen Gehörschaden zugezogen hatte.

Mit seinen 81 Jahren lässt er es heute ruhiger angehen, hält ein paar Kaninchen, liest jeden Tag die Sächsische Zeitung oder irgendeinen Krimi, den er auch beim Fernsehabend bevorzugt.

Da seine Eva die gleiche Art der Freizeitgestaltung bevorzugt, gibt es abends Einigkeit bei der Programmgestaltung, die aber meistens gegen 22 Uhr beendet ist.

Die Mutter von vier Kindern musste zum Unterhalt der Familie beitragen, dass tat sie viele Jahre im Kindergarten in Gersdorf, wo sie bis zur Rente bei der Betreuung der Kleinen half. Mit den Jahren vergrößerte sich auch ihre Familie. Zu den eigenen Kindern gesellten sich im Lauf der Jahre acht Enkel und 11 Urenkel. Da zwei weitere Babys unterwegs sind erhöht sich die Schar der Urenkel bald auf 13, was sicher noch nicht die letzte und endgültige Zahl sein muss. Da sind Oma und Opa stark gefragt. Manchmal schaffen sie es gar nicht, allen Einladungen nachzukommen. Auch für Uroma Eva gehört die tägliche Zeitungsschau zu den unverzichtbaren Ritualen. Frühmorgens wird die Zeitung geteilt, damit jeder was zu lesen hat und sie bedauert es, dass sonntags keine SZ erscheint.

Doch heute wird nicht allzu viel Zeit zum Lesen bleiben, denn zu ihrem diamantenen Hochzeitstag sind alle Gratulanten in die Gastwirtschaft auf dem Schwedenstein eingeladen.

Dass dazu auch die Lokalredaktion der SZ Kamenz herzlich gratuliert, ist eine Herzensangelegenheit.