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Auf dem Sprung in die alte Heimat

Tuan Duong Quoc und seine Frau wollen nach Vietnam zurückkehren. Das hat auch für die Olbersdorfer Einkaufspassage Folgen.

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© Matthias Weber

Von Jan Lange

Olbersdorf. Vor dem Laden stehen mehrere Aufsteller und Tische mit diversen Textilprodukten. Innen ist der Asia-Markt von Tuan Duong Quoc dafür ungewohnt leer. Dort, wo sonst ein voller Verkaufstisch am anderen stand, ist jetzt viel freie Fläche. Nur einige Regale sind noch gefüllt. Dass das Warenangebot reduziert ist, hat seinen Grund. Der 58-jährige, gebürtige Vietnamese will seinen Asia-Markt im Olbersdorfer Einkaufszentrum am Oberen Viebig aufgeben. Nicht etwa, weil die Geschäfte schlecht laufen. Die Lage gleich neben dem Wohngebiet Grundbachsiedlung ist nicht schlecht. Vielmehr will er mit seiner Frau Nga Le Thi nach Vietnam zurückkehren.

Vor gut 30 Jahren verließ Tuan Duong Quoc seine Heimat, ging damals als Gastarbeiter in die DDR. Bei Robur fand er wie viele seiner Landsleute eine Beschäftigung. Bis zu 70 Gastarbeiter aus Vietnam arbeiteten früher bei Robur. Ende 1987 kamen die ersten 40 Vietnamesen zum Zittauer Fahrzeugbauer. Einige Monate später trafen weitere Gastarbeiter aus Hai Hung und Hanoi in Zittau ein. Zu dieser Gruppe gehörte auch Tuan Duong Quoc. Drei Jahre, bis 1991, war er bei Robur beschäftigt, dann wurde der Betrieb – wie die meisten ostdeutschen Fabriken – abgewickelt. Und Tuan Duong Quoc stand ohne Arbeit da.

Während viele seiner Landsleute zurück nach Vietnam gingen und andere nach Westdeutschland umzogen, blieb Tuan Duong Quoc in Zittau. Er holte damals auch seine vier Jahre jüngere Frau nach Deutschland. Und machte sich selbstständig. Der heute 58-Jährige versuchte sein Glück als fliegender Händler. Ende der 90er Jahre eröffnete er dann sein erstes Geschäft, neben dem Netto-Markt an der Löbauer Straße in Zittau. Wenig später folgte der Asia-Markt in Olbersdorf.

Den Mietvertrag für das Olbersdorfer Geschäft kündigte er bereits im August, sagt Tuan Duong Quoc. Seitdem verlängert er ihn Monat für Monat. Spätestens im März soll aber endgültig Schluss sein, kündigt er an. Bis dahin will er noch so viele Waren wie möglich verkaufen – und das auch zu reduzierten Preisen. Wenn den Rest niemand übernehmen sollte, will er die übrigen Artikel spenden. Mit dem Ende des Asia-Marktes steht bald ein weiterer Laden in der Passage leer. Das Drogeriegeschäft gegenüber ist beispielsweise seit Längerem geschlossen.

In den Räumlichkeiten neben dem Zittauer Netto-Markt ist er noch bis Juli gebunden, erst dann könne der Vertrag gekündigt werden. So lange will Tuan Duong Quoc aber nicht warten. Das Geschäft soll ebenfalls im Frühjahr geschlossen werden, die verbleibenden Monate will er nur noch die Miete bezahlen.

Schon länger haben Tuan Duong Quoc und seine Frau über eine Rückkehr in die alte Heimat nachgedacht. Sie gehören zu den ersten Vietnamesen im Landkreis, die nach der großen Rückreisewelle kurz nach der Wende nun ihre Zelte in Deutschland abbrechen wollen. Dass nicht schon mehr seiner Landsleute nach Vietnam zurückgegangen sind, erklärt sich der 58-Jährige damit, dass viele von ihnen hier Häuser gekauft und einen guten Beruf haben. Er selbst wohne mit seiner Familie zur Miete, habe also keine Verpflichtungen, erzählt der 58-Jährige. Mit seiner Tätigkeit in Olbersdorf sei er zwar immer zufrieden gewesen, mehr Kunden hätten es aber sein können, sagt Tuan Duong Quoc. Gerade in jüngerer Zeit.

Der eigentliche Grund für die Rückkehr ist aber nicht das Geschäft, sondern seine Schwiegermutter, erklärt der Vietnamese. Sie ist inzwischen über 80 und lebt allein mit einem Enkel. Um die alte Dame wollen sich Tuan Duong Quoc und seine Frau künftig kümmern.

Dass sie nicht schon früher zurückgekehrt sind, liegt auch an den beiden Kindern. Die sollten erst mal die Schule beenden. Sein Sohn, inzwischen 30 Jahre, arbeitet mittlerweile in Stuttgart. Die 18-jährige Tochter hat voriges Jahr ihr Abitur gemacht und ein Studium begonnen. Beide Kinder bleiben in Deutschland. Sie werden ihre Eltern ab und zu in Vietnam besuchen, davon geht Tuan Duong Quoc aus.

Neben der Auflösung der beiden Läden beschäftigt den 58-Jährigen auch der Vietnamesische Kulturverein. Den leitet Tuan Duong Quoc seit vielen Jahren, nun muss ein Nachfolger gefunden werden. Keine einfache Aufgabe. Von ehemals über 50 Mitgliedern sind nur noch 21 übrig geblieben. „Da muss sich jemand finden“, meint der scheidende Vorsitzende.