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Ausgetrocknet: Hunderte geschützte Muscheln verenden

In einem Großharthauer Teich ist kein Wasser mehr. Doch der angeblich Schuldige wehrt sich gegen einen Verdacht.

Mitten im Großen Röderteich zeigt Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße die Schalen von Teichmuscheln. Deren Inhalt hatten sich zuvor Vögel und Waschbären geholt, sagt er.
Mitten im Großen Röderteich zeigt Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße die Schalen von Teichmuscheln. Deren Inhalt hatten sich zuvor Vögel und Waschbären geholt, sagt er. © Steffen Unger

Der Große Röderteich in Großharthau ist die Idylle pur. Selbst jetzt, wo er kein Wasser mehr hat. Wer will, kommt trockenen Fußes durch den mehrere Hundert Meter langen Teich. Das Grün sprießt üppig auf dem ausgetrockneten Schlamm. Doch es kann nicht verdecken, worüber sich viele in der nahegelegenen Siedlung empören: Auf dem Grund des Teiches verendeten mehrere Hundert Teichmuscheln, die unter Naturschutz stehen. „Der Teich wurde abgelassen. Der Schlamm blieb zurück. Er trocknete aus und sackte ins sich zusammen. Dadurch kamen die Muscheln zum Vorschein. Ihren Inhalt holten sich die Vögel und Waschbären“, beschreibt Bürgermeister Jens Krauße (SPD) die Kette der Ereignisse. Zurück blieben etliche Schalen der Teichmuscheln. Wie viele andere Bürger stellt sich auch Jens Krauße die Frage: Wäre das zu verhindern gewesen, wenn man die Lage nach dem Ablassen des Teiches kontrolliert hätte?

Im Hitzesommer 2018 ausgetrocknet

Eigentümer des Teiches ist der Landesverband Sachsen des Naturschutzbundes (Nabu). Der hat Sanierungspläne. Doch Genaues weiß die Gemeinde nicht. „Wir erhalten keine Informationen“, sagt Jens Krauße. Nach seinem Kenntnisstand gab es bisher mindestens zwei Vor-Ort-Termine. Die Gemeinde bot dem Nabu Unterstützung an. Doch hinzu gebeten wurde sie nicht. Das sei ungewöhnlich, findet der Bürgermeister. Zumal dem Nabu ein Dutzend weitere Teiche im Ort gehören. Die meisten davon waren trocken gefallen. Der Nabu stellte sie kürzlich wieder her und leistete dort eine sehr gute Arbeit, sagt Jens Krauße.

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„Es ist richtig, dass die Röderteiche momentan kein schönes Bild abgeben“, sagt Susanne Kleiber, die Landesgeschäftsführerin des Nabu. Auch die Sorgen von Nachbarn, die die beiden Röderteiche als Naherholungsgebiet ansehen, könne man beim Nabu nachvollziehen. Aufgrund des schlechten Zustands, in dem sich die Regulierungsbauwerke an beiden Teichen momentan befinden, muss der Fortbestand der Teiche als gefährdet angesehen werden, erläutert Susanne Kleiber. Zudem sind die Erddämme zwischen der Schwarzen Röder und dem Großen Röderteich infolge von Erosionsvorgängen stark geschädigt. Der Nabu Sachsen entschloss sich daher, die Sanierung der Teiche in Angriff zu nehmen. Im Rahmen der geplanten Wiederherstellung der Röderteiche sind verschiedene Maßnahmen geplant. Notwendig sind Ersatzneubauten der Ein- und Auslaufbauwerke am Kleinen und Großen Röderteich. Zudem soll der Kleine Röderteich zum Teil entschlammt werden. Auch das sogenannte Röderwehr, welches bisher über einen Gewässeranstau der Schwarzen Röder die Wasserentnahme zur Beschickung sowie Regulierung der Teichwasserspiegel ermöglichte, ist in einem so schlechten Zustand, dass seine Funktion nicht mehr sichergestellt werden kann. Im Rahmen der geplanten Sanierungsmaßnahmen soll die ökologische Durchgängigkeit am Wehr hergestellt werden. In die Planung einbezogen sind die Naturschutz- und Wasserbehörde des Landkreises sowie ein Fischsachverständiger. Ein Planungsbüro hat die Vor- und Entwurfsplanung erstellt. Momentan wird die Planung mit den Behörden abgestimmt. Die Arbeiten vor Ort sollen „so schnell es geht“ beginnen. Zuvor sind aber noch Planungs- und Genehmigungsschritte abzuschließen. Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit den Arbeiten zu beginnen.

Der Nabu widerspricht Vorwürfen, er habe sich nicht um die Muscheln gekümmert. Mitglieder des Anglerverbandes suchten Anfang Dezember 2018 im hohen Schlamm den Teich nach Muscheln und Fischen ab.
Der Nabu widerspricht Vorwürfen, er habe sich nicht um die Muscheln gekümmert. Mitglieder des Anglerverbandes suchten Anfang Dezember 2018 im hohen Schlamm den Teich nach Muscheln und Fischen ab. © Wolfgang Oldorf

Susanne Kleiber widerspricht dem Eindruck, der Nabu habe den Teich im vergangenen Jahr abgelassen. „Der Teich war bereits im Hitzesommer 2018 ausgetrocknet. Ursächlich hierfür waren neben den fehlenden Niederschlägen die fehlende Wasserzufluss durch die trockengefallene Röder sowie die maroden Teichbauwerke. In Absprache mit dem projektbegleitenden Ingenieurbüro wurde nach dem Trockenfallen des Teiches darauf verzichtet, den Teich angesichts der geplanten Baumaßnahmen wieder komplett anzustauen“, sagt sie. Als sich der Teich nach der Sommertrockenheit 2018 wieder begann mit Wasser zu füllen, wurde er kontrolliert abgelassen. Durch sachkundige Ehrenamtliche, vor allem der Nabu-Ortsgruppe Bischofswerda, und mehrere Mitglieder vom Angelverein wurde der Teich abgefischt und nach dem Trockenfallen mehrfach abgesucht. Fische und Teichmuscheln wurden in die anderen Großharthauer Teiche des Nabu umgesetzt. „Die im Frühjahr sichtbaren Teichmuscheln, waren im November nicht erkennbar, da sie tief im Schlamm steckten. Erst durch das Abtrocknen des Schlammes im Frühjahr ist der Schlamm auf etwa 50 Prozent der ursprünglichen Höhe zusammengesackt und so wurden die Muscheln freigelegt“, sagt die Landesgeschäftsführerin.

Zur Kritik des Bürgermeisters, wonach die Gemeinde in die bisherigen Absprachen nicht bezogen war, erklärte sie: Die Vor-Ort-Termine dienten der Abstimmung zwischen Planungsbüro, Genehmigungsbehörden und Auftraggeber und waren deshalb nicht öffentlich. Sobald ein verbindlicher und von den Fachbehörden genehmigter Planungsstand erreicht ist, werde der Naturschutzbund Anwohner und Interessierte bei einem Vor-Ort-Termin über die geplanten Maßnahmen informiert. „Mit dem Großharthauer Bürgermeister möchten wir zeitnah, unabhängig vom Genehmigungsstand, ins Gespräch kommen“, sagt Susanne Kleiber.

Freistaat fördert Sanierung

Jens Krauße informierte Ende März einen Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt über die verendeten Muscheln. Dort wurde der Hinweis als Anzeige aufgenommen. Ob der Nabu deswegen mit Konsequenzen rechnen muss, ist offen. Der Fall wird noch geprüft, sagte Frances Lein, Pressesprecherin des Landratsamtes. Doch so viel steht bereits fest: „Das Abstauen eines Teiches allein, was die bisher einzige Maßnahme an den Röderteichen war, ist Teil einer regulären Teichbewirtschaftung und bedarf keiner Genehmigung“, fügt die Sprecherin hinzu.

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Die Finanzierung des Vorhabens ist gesichert. Der Freistaat Sachsen fördert die Sanierung zu 100 Prozent. Ursprünglich sollte sie bis Oktober 2019 abgeschlossen und abgerechnet sein. „Eine begründete Verlängerung, zum Beispiel aufgrund von Verzögerungen in Planung oder Bauablauf, ist möglich“, sagte Karin Bernhardt, Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Laut Landratsamt haben sich erste planerische Vorstellungen für die Teichsanierung als nicht genehmigungsfähig erwiesen.

Geschützte Muschel

Die Teichmuschel ist ein Bodentier. Sie verankert sich mit ihrem Fuß im weichen oder sandigen Boden. Mithilfe des Fußes kann sie sich langsam fortbewegen. Sie wühlt den Bodengrund auf und saugt den hochgewirbelten Bodensatz auf, um Nahrung aufzunehmen.

Ihre Bedeutung für die Umwelt ist enorm. Als Filtrierer reinigt sie das Wasser. Pro Tag kann eine Teichmuschel 40 Liter Wasser filtern.

Sie ist gefährdet. Hauptgrund ist die Gewässerverschmutzung. Deshalb steht sie unter Naturschutz.

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