merken
PLUS

Auf dem Wasserweg

Grundschüler lernen, wie das Trinkwasser zu ihnen nach Hause kommt. Auch eine Wasseruhr gibt’s zum Anfassen.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

Weinböhla ist zweigeteilt. Zumindest, was die Trinkwasserversorgung angeht. Oberhalb der Berliner Bahnlinie liefert das Wasserwerk Rödern, aus dem Großteich Zschorna. Unterhalb das Wasserwerk Coschütz, aus der Talsperre Klingenberg.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

„Wo wohnt ihr denn?“, will Katja Haegner vom Eigenbetrieb wissen. Und hat die volle Aufmerksamkeit der vier Mädchen und fünf Jungen aus der Klasse 3a der Grundschule Weinböhla, die da im Rathaus vor ihr sitzen. Jeder lässt sich gern noch mal ganz direkt – sozusagen persönlich – sagen, was er da bekommt beim Hahnaufdrehen. Für die meisten stammt das Wasser aus dem Erzgebirgsvorland. Anja vom Badeweg macht eine Ausnahme. So weit weg vom Ortszentrum gibt es keine Leitung. Hier hilft ein Brunnen. „Den müsst ihr immer ordentlich kontrollieren lassen“, sagt Katja Haegner.

Pfui beim rostigen Rohr

Einmal im Jahr kommen die Drittklässler ins Rathaus. Zu einem ganz speziellen Thema. Mitarbeiter des Gemeinde-Eigenbetriebs Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (WAW) sprechen über ihre ureigensten Aufgaben. Und knüpfen dabei geschickt an das an, was die Schüler in ihrem Alltag, in ihrer Umgebung erleben.

Jetzt fragt Katja Haegner in die Runde, wo der baulich sehr prägnante Zwischenspeicher auf dem nächsten Bild steht. Das kennt ihr, ermutigt sie die Zuhörer. Am Friedensturm, weiß eines der Kinder. Richtig. Die junge Frau freut sich über ihr aufmerksames Publikum.

Die Wasseruhr haben die Schüler schon genau betrachtet. Zügig geht es über Hauptversorgungsleitung und Hausanschluss zum Reparieren. Der Grund dafür ist oft ein verrostetes Rohr. Marlies Sorokin hat auch davon eins auf Lager. Natürlich nur auf dem Foto. Kein schöner Anblick. Ihh, pfui, ein Albtraum – die Mädchen und Jungen sind sich da mal einig.

Seit 2007 gibt es die Wasser-Projekttage für die dritten Klassen. Der Weltwassertag war ein Anstoß, der gute Draht zur Grundschule ein weiterer, sagt Katja Haegner. Was ihr und ihren Kollegen dabei wichtig ist: Wir wollen nicht nur allgemein über die Wasserver- und Abwasserentsorgung reden, sondern das ganz konkret an Weinböhla festmachen. Dafür will der Eigenbetrieb auch mal eine andere Umgebung als die Schule nutzen.

Einen Vormittag lang ist jede der fünf dritten Klassen im Rathaus zugange. Und nicht nur dort. Denn die eine Hälfte der 18 Schüler geht gerade mit Abwassertechniker Hartmut Kupka und Klassenlehrerin Simone Härtwig durch den Ort. Die Praxis zur Theorie. Die Erkundungstour führt auch über die Bachgasse und an viele Wasser-Zeichen: Hydranten, Schilder zu den einzelnen Leitungen. Die werden leider oft zerstört, sagt Hartmut Kupka.

Deshalb will er den Kindern klarmachen, was da für ein Schaden entstehen kann, wenn jemand ein solches Schild abreißt. Die Feuerwehr findet den Hydranten nicht. Der Monteur sucht beim Rohrbruch den Absteller vorm Haus vergeblich.

Jetzt macht sich der andere Teil der Klasse bereit für den Gang durchs Dorf. Klassenlehrerin Simone Härtwig ist selbst ganz begeistert von der Wasserrunde. Und freut sich natürlich darüber, dass die bei ihren Schützlingen so gut angekommen ist. Als die Kinder gehört haben, dass ein Teil der Kanäle begehbar ist, wären sie am liebsten gleich reingekrochen, erzählt sie und schmunzelt.

Auch Katja Haegner vom Eigenbetrieb ist froh, dass die Tour an der frischen Luft solche Zustimmung findet. „Das haben wir zum ersten Mal so gemacht, da wird es noch anschaulicher.“