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Auf dem Weg zum Musterschüler

Kodersdorf will Energiespargemeinde werden. Dazu werden Holzhackschnitzel verfeuert und Heizungen intelligent.

© Jens Trenkler

Von Frank-Uwe Michel

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Kodersdorf. Die Gemeinde Kodersdorf will dem Ausstoß von Kohlendioxid künftig einen Riegel vorschieben. Gelingen soll dies mit der Beteiligung an einem Aufruf des Sächsischen Umweltministeriums, das die Umsetzung innovativer Komplexvorhaben in den Kommunen des Freistaates fördert. Der Gemeinderat hat dazu beschlossen, Bürgermeister René Schöne zu ermächtigen, dem nach einer Ausschreibung wirtschaftlichsten Anbieter den Auftrag zu erteilen, die Planung der angedachten Vorhaben zu konkretisieren. Der Freistaat unterstützt die Weiterentwicklung der Projektidee zur Projektskizze mit 4000 Euro. Die Höhe der voraussichtlichen Gesamtkosten des Planungsbüros veranschlagt die Gemeinde mit 15000 Euro. Eingereicht werden muss die Skizze bis Juni 2018. Wenn die Unterlagen zur Zufriedenheit des Ministeriums ausfallen, könnte im Februar 2019 die Förderung durch Mittel der Sächsischen Aufbaubank in Höhe von 280000 Euro erfolgen, mit denen dann voraussichtlich bis Dezember 2020 das so genannte „Komplexvorhaben Freiwillige Feuerwehr und Verwaltungssitz Kodersdorf“ umgesetzt werden soll.

Inhaltlich geht es dabei um objektbezogene Baumaßnahmen zur Minimierung des in der Gemeinde ausgestoßenen Kohlendioxids. Konkret soll die Nachtspeicherheizung im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr ersetzt und an die Wärmeversorgung der Gemeindeverwaltung angeschlossen werden. Die wird schon jetzt mit einer kohlendioxidneutralen Hackschnitzelfeuerungsanlage betrieben. Auch eine perspektivisch in dem Bereich geplante neue Kinderkrippe soll mit der hier erzeugten Wärme versorgt werden. Außerdem will man auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses eine Photovoltaikanlage installieren, die zur Eigenversorgung dient und im Sommer mit Hilfe einer Wärmepumpe Heizenergie für das Verwaltungsgebäude liefert. Das historische Gemäuer muss wegen seiner speziellen Bausubstanz ganzjährig beheizt werden. Schließlich soll die Heizung insgesamt intelligenter geregelt werden. „Hierbei werden Daten erfasst, wie
oft und wie lange sich Mitarbeiter im Gebäude aufhalten. Daraus resultierend wird nur soviel Energie verbraucht, wie tatsächlich benötigt wird“, so der Bürgermeister.

Die Liste der konkret auszuführenden Maßnahmen ist lang. René Schöne betont deshalb, dass es ohne die Förderung des Freistaates überhaupt nicht funktionieren würde. Als einer der wichtigsten Punkte soll die bestehende Hackschnitzelfeuerungsanlage mit einer höheren Leistung ausgestattet werden, die dann 105 Kilowatt beträgt. Auch eine neue Verbrennungstechnologie und ein verändertes Entaschungssystem kommen zum Einsatz. Mit einem zentralen Pufferspeicher will man die Energie aus den drei dann vorhandenen Systemen Hackschnitzelheizung, Wärmepumpenheizung und Gastherme bündeln und „geschickt in Schichten“ lagern, wie es in der Projektbeschreibung heißt. In den Bestandsgebäuden soll mit unterschiedlichen Maßnahmen der Wärmebedarf reduziert werden. Beispiele dafür sind der Austausch elektrischer Fußbodenheizplatten im alten Schloss sowie dezentrale Lüftungsgeräte für Standesamt und Büros, wodurch die jetzt noch erforderliche Zwangslüftung im Winter wegfällt. Auf dem Gelände des Bauhofes soll eine solar betriebene Hackschnitzeltrocknungsanlage entstehen, mit der die im Holz befindliche Feuchtigkeit gemindert und dadurch die Brennstoffmenge reduziert werden kann. All dies soll dazu beitragen, etwa 7500 Kilo Kohlendioxid im Jahr einzusparen.

Ziel der Aktivitäten ist es, auf dem Weg zur Anerkennung als Energiespargemeinde nach den Richtlinien des European Energy Award (eea) ein gutes Stück voranzukommen. Seit 2014 nimmt die Gemeinde daran teil und erhofft sich 2019 zum ersten Mal die Zertifizierung. Der Gemeinderat hatte bereits 2015 ein Arbeitsprogramm beschlossen, das bis 2020 gilt. Abgeleitet daraus versucht die Kommune, jedes Jahr bestimmte Punkte abzuarbeiten. Da im Rahmen des eea-Zertifizierungsprozesses sämtliche Grunddaten zu Energieverbräuchen, zur Situation in den öffentlichen Gebäuden, der Abwasserbeseitigung und der Straßenbeleuchtung erhoben wurden, weiß man nach jeder Maßnahme genau, wo man steht. „Wir sind auf einem sehr guten Weg zur eea-Gemeinde. Diese Anstrengungen sind wir einer sauberen Umwelt schuldig“, ist Schöne überzeugt.