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Auf dem Wochenmarkt war Eier-Razzia

Mitte Dezember 1911 näherten sich Schutzleute von allen Seiten dem Görlitzer Wochenmarkt. Zeitgleich begann am frühen Vormittag von allen Seiten eine Razzia. Die Polizeibehörde hatte sie angeordnet, denn es galt hart durchzugreifen.

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Mitte Dezember 1911 näherten sich Schutzleute von allen Seiten dem Görlitzer Wochenmarkt. Zeitgleich begann am frühen Vormittag von allen Seiten eine Razzia. Die Polizeibehörde hatte sie angeordnet, denn es galt hart durchzugreifen. Es ging – um Hühnereier.

Damals war Vorschrift, dass Eierhändler ihre Ware mit „Frische Eier“ oder „Kisteneier“ zu kennzeichnen hatten. Letztere waren freilich billiger. Dagegen hatten die so genannten Eierproduzenten (also direkte Hühnerhalter) keine Kennzeichnungspflicht, weil man bei ihnen frische Ware voraussetzte. Ende 1911 aber hatte sich ein übler Trick dieser Produzenten bis zur Polizei herumgesprochen: Die Hühnerhalter kauften bei den Eierhändlern noch nicht beschriftete „Kisteneier“, um diese dann als frische Ware teurer anzubieten.

Um diesen Manipulationen begegnen zu können, hatten eine Woche zuvor bereits Beamte in Zivil an sieben Ständen angeblich frische Eier gekauft und diese dann untersuchen lassen. In allen sieben Fällen handelte es sich um „Kisten-, oder Kalkeier“, wie man damals sagte. Auch die Razzia brachte solche Eiergaunereien ans Tageslicht. Wie der „Neue Görlitzer Anzeiger“ am 22. Dezember 1911 zu berichten wusste, mussten nach dieser Razzia jedenfalls mehrere Eierverkäufer mit einer Vorladung vor das Amtsgericht rechnen. (SZ/rs)