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Auf den Spuren Bautzener Vereine

Zum Aktionstag steht beim Archivverbund bürgerschaftliches Engagement im Mittelpunkt – von früher und heute.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

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Bautzen. Normalerweise schlummern diese Akten im Magazin des Archivverbunds Bautzen. Grit Richter-Laugwitz schlägt im Lesesaal einen Ordner auf. In seinem Inneren verbergen sich Unterlagen, manche mit Maschine geschrieben, andere sind Handschriften, zum „Turnverein zu Bautzen“. Die Gruppe gründet sich 1846 als erste Turnvereinigung in der Oberlausitz. Noch älter ist der Verein „Rath und Tath“. „Er geht auf die 1802 gegründete Bautzener Freimaurerloge zurück und entstand 1820 als eine Vereinigung der sozialen Fürsorge“, sagt die Archivverbund-Leiterin.

Mehr Geschichten über den Turnverein und den Verein „Rath und Tath“ gibt es am Sonnabend in der Schloßstraße 10 zwischen 15 und 19 Uhr beim Tag der Archive. In seinem Mittelpunkt steht das Thema „Demokratie und Bürgerrechte“. „Zu den wichtigsten demokratischen Grundrechten gehören die Versammlungsfreiheit und das Vereinsrecht“, sagt Grit Richter-Laugwitz. Allein in Bautzen gebe es derzeit über 300 Vereine, deutschlandweit sind es über 500 000 Gruppen für bürgerschaftliches Engagement. Übrigens, nur die Länder Skandinaviens und die Niederlande weisen eine höhere Vereinsdichte auf als deutsche Vereinsmeier.

Das Vereinsleben geht auf das 18. Jahrhundert zurück, schon vorher gibt es Gilden und Zünfte. Die ersten Allianzen des Miteinanders nennen sich noch „Gesellschaften“ oder „Assoziationen“. In sogegenannten „Lesegesellschaften“ oder „Sprachgemeinschaften“ wird ständeübergreifend über Tagesereignisse, Politik, Philosophie und Literatur geredet. 1848 wird das Recht zur Gründung eines Vereins als Grundrecht durch die Nationalversammlung anerkannt. „Und mit der Industrialisierung setzt dann ein Vereinsboom ein“, sagt die Archivarin. Seinerzeit übernehmen viele Vereine öffentliche Aufgaben, die der Staat nicht erfüllt, wie eben der Bautzener Verein „Rath und Tath“.

Vereine brauchten schon immer Satzungen

Jene Herren gründeten unter anderem die Kinderbewahranstalt und die Kinderarbeitsschule, und übertrugen später die Aufgabe an die Stadt. Um 1900 sind im Verein 420 Mitglieder organisiert. Nur neun Jahre später übergeben sie Paul Arras, Gymnasiallehrer und Bautzens erster, nebenamtlicher Stadtarchivar, ihr Vereinsunterlagenkonvolut. „Die handelnden Personen haben die Bedeutung der Schriftstücke erkannt, sonst wäre der Nachlass vielleicht verschwunden. Ein Archiv bildet ja die Stadtgesellschaft im Ganzen ab“, sagt Grit Richter-Laugwitz. So gehören ihre Überlieferungen zu den Unterlagen von insgesamt 17 Vereinen im Stadtarchiv, die aber nur zum Teil erschlossen sind.

Jenseits dieser vereinsgeführten, nichtamtlichen Schriften liegen im Archivverbund Bautzen, aber auch die amtlichen Überlieferungen der Vereine, wie das Vereinsregister vom Amtsgericht Bautzen samt einer Vereinsregisterakte. „Die Vereine mussten schon früher ihre Satzungen zur Genehmigung bei der Polizeibehörde einreichen“, sagt die Archivarin. Die Führung „Auf den Spuren der Vereine durch das Magazin“ beginnt um 16.30 Uhr, bereits vorher gibt es Vorträge um 15.20 Uhr und 15.40 Uhr zur Vereinsüberlieferung im Archiv und zur Entwicklung des Vereinswesens in Deutschland.

Darüber hinaus sind Interessierte eingeladen, sich über Recherchemöglichkeiten zum Archivunterlagen im Internet zu informieren. „Zwei Drittel der Urkunden des Stadtarchivs sind bereits digitalisiert und finden sich mit Erschließungsinformationen im Netz wie auch die Kataloge unserer Archive“, sagt Grit Richter-Laugwitz. Passend zum Archivtag findet sie auch die Übergabe der Unterlagen zur Bautzener Bahnhofslok von Heinrich Schleppers in Zusammenarbeit mit den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden an den Archivverbund um 17.30 Uhr. Häufig gingen nämlich wichtige Vereinsarchivalien für das Stadtgedächtnis verloren.

Erstmals hat 2001 der „Verband deutscher Archivare“ zum Tag der Archive eingeladen. Seit dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 findet der Tag alle zwei Jahre ganz bewusst an einem Wochenende in der ersten März-Hälfte statt. Dann werden Archivalien, die ansonsten im Magazin schlummern, der Öffentlichkeit präsentiert.

Das komplette Programm gibt es unter

www.bautzen.de/aktuelles.asp