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Auf den Spuren des Blaudrucks in Schlesien

Was gibt es Neues im Schlesischen Museum? Nach der dichten Folge von Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Exkursionen seit der Eröffnung des Hauses im Dezember 2001 richten sich die Anstrengungen...

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Von Dr. Martina Pietsch

Was gibt es Neues im Schlesischen Museum? Nach der dichten Folge von Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Exkursionen seit der Eröffnung des Hauses im Dezember 2001 richten sich die Anstrengungen der Museumsmitarbeiter seit einiger Zeit verstärkt nach innen: auf den Aufbau der Dauerausstellung im Schönhof. Erste Gestaltungsentwürfe wurden bereits diskutiert, vor allem aber muss schon jetzt die Auswahl der Exponate geplant werden.

Viele Fundstücke auf

der Suche nach Schlesien

Noch fehlt manches Objekt, und die Mitarbeiter sind weiterhin auf intensiver Suche nach materiellen Spuren der schlesischen Geschichte. Auf welche Funde sie dabei stoßen, können Besucher seit dem 1. August im Museum verfolgen. In einer neuen kleinen Ausstellungsreihe unter dem Titel „Im Blickpunkt“ stellen die Mitarbeiter die Neuerwerbungen vor. Am Anfang steht die Präsentation des Nachlasses des schlesischen Blaudruckers Gerhard Stein aus Steinau a. d. Oder (heute Scinawa).

Stein absolvierte bis 1914 eine Ausbildung an den Kunstakademien in Breslau und Dresden und führte ab 1938 mit der Übernahme der Blaudruckwerkstatt seines Onkels in Steinau die über 300-jährige Familientradition fort. Neben der Herstellung von Blaudrucken beschäftigte sich Stein mit der Anfertigung neuer Druckmodel, entwarf neue Muster im traditionellen Stil und begann, die Geschichte des ehemals weit verbreiteten Handwerks zu dokumentieren.

Nach seiner Flucht 1945 baute er in Pulsnitz wieder eine neue Werkstatt auf und konnte schnell an die geschäftlichen Erfolge vor dem Krieg anknüpfen. Daneben setzte er die Forschungen über sein Handwerk fort. Der Nachlass des 1972 verstorbenen Stein umfasst Manuskripte sowie mehrere hundert Fotos und Zeichnungen, die seine intensive Sammeltätigkeit belegen. Vor allem aber wird sichtbar, dass Stein den Blaudruck als ein Handwerk verstand, mit dem er zeitlos schöne Stoffe mit traditionellen Motiven herstellen, zugleich aber neue Motive und bisher unbekannte Anwendungsbereiche für den Blaudruck erschließen konnte. In der DDR traf man auf Steins Handwerkskunst auch bei modischer Kleidung oder Bezugsstoffen für Sitzmöbel.

Blaudruck in der

Nacht der Museen

Einen Blaudrucker in Aktion können die Besucher im Schlesischen Museum am 20. September während der „Langen Nacht der Muse(e)n“ erleben: Alfred Thieme, der heutige Inhaber der Werkstatt Steins, wird das Drucken der Muster auf den Stoff demonstrieren und die Unterschiede zur maschinellen Produktion erklären.

Selbst schon über 30 Jahre in dem Beruf tätig, kann er viel dazu erzählen, wie mit „Papp“, Modeln und Indigo die schönen weißen Muster entstehen, die den Blaudruck bis heute so beliebt machen. Wer Produkte aus dieser traditionsreichen Werkstatt erwerben möchte, wird schon jetzt im Museum fündig.

Unsere Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schlesischen Museum.