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Auf den Spuren des Großvaters

Bei der Einweihung des neu erbauten Torbogens in Linz war eine Frau im Rollstuhl der Ehrengast.

Der Linzer Ortschronist Frank Schneider legt die Plastehülse mit Zeitdokumenten in den von der Kraußnitzer Firma Förster rekonstruierten Torbogen hinein. Jetzt ist auch eine Fotokopie eines der vier Erbauer darin enthalten. Fotos: Kristin Richter
Der Linzer Ortschronist Frank Schneider legt die Plastehülse mit Zeitdokumenten in den von der Kraußnitzer Firma Förster rekonstruierten Torbogen hinein. Jetzt ist auch eine Fotokopie eines der vier Erbauer darin enthalten. Fotos: Kristin Richter © Foto: Kristin Richter

Schönfeld/Linz. Der Linzer Ortschronist Frank Schneider ist aufgeregt. Nicht nur, weil er eine Ansprache vorbereitet hat. Nein, es ist auch ein ganz besonderer Gast zur Neueinweihung des Torbogens erschienen. Es ist die 79-jährige Helga Böttger.

Bis vor einem Jahr kannte er sie nicht. Dann las ein Neffe von ihr im Mai 2018 einen Artikel in der Sächsischen Zeitung Großenhain über eine Flaschenpost, die bei der ersten Zerstörung des Friedhofeingangs am 27. November 2007 gefunden wurde. Es war ein vergilbter Zettel, auf dem sich die Erbauer verewigten. Darauf stand: „Dieser Thorweg wurde gebaut im Jahre 1898, dem 9. Mai, durch die Maurer Wilhelm Heintz und Hermann Bärmann aus Burkersdorf bei Ortrand, Emil Tennert aus Zochau und Arbeiter Wilhelm Kirste aus Lindenau.“

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Für Schneider ein Glücksfall. „Wenn der Torbogen nicht eingestürzt wäre, hätten wir diese Botschaft nicht gefunden“, sagt er. Und wäre er auch nicht Helga Böttger begegnet. Sie ist die Enkelin von Hermann Bärmann und wohnt heute immer noch im nahen Ortrand.

Bürgermeister Hans-Joachim Weigel begrüßte Helga Böttger als Ehrengast bei der Einweihung des Torbogens.
Bürgermeister Hans-Joachim Weigel begrüßte Helga Böttger als Ehrengast bei der Einweihung des Torbogens. © Foto: Kristin Richter

Gleich nachdem sie den Artikel gelesen hatte, kontaktierte sie Schneider, um eventuell mehr über ihren Großvater zu erfahren. Denn er starb bereits 1923, weit vor ihrem Geburtsjahr 1939. Zusammen mit ihrer Tochter Sylvia Bäter, die sie am Montag zur Torbogeneinweihung gefahren hat, erzählt sie, dass ihr Großvater ein sogenanntes Mündelkind war. Hermann Bärmann wurde seiner leiblichen Mutter, die vermutlich minderjährig war, weggenommen. Er wuchs bei Fremden auf und soll keine schöne Kindheit erlebt haben. Umso mehr gab er seine Liebe an seine Frau und seine Kinder weiter. Die Liebe der Großmutter zu Hermann Bärmann muss so stark gewesen sein, dass sie ihm nach seinem Tod treu blieb. Trotz Rezession und Weltwirtschaftskrise heiratete sie nicht wieder und starb 1940. Da war Helga Böttger noch nicht mal ein Jahr alt.

Hermann Bärmann brachte es anscheinend als Maurer zu einem guten Einkommen und gutem Ruf. Wohl auch deshalb wurde er für den Torbau am herrschaftlichen Friedhof beauftragt. Sylvia Bäter hat ein Foto kopieren lassen, das ihre Urgroßeltern zur Silberhochzeit zeigt. Diese Fotokopie ist eine der neuen Zugaben, die Ortschronist Frank Schneider am Montag zusammen mit anderen Zeitdokumenten in die Plastehülse steckte. Auch die aktuelle SZ und die Zeitung vom 11. Mai 2018, die ihn und Helga Böttger zusammenbrachte, sind nun im Torbogen eingemauert. Als Botschaft für die Nachwelt.