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Auf den Spuren des Königs

Am 1. Mai eröffnet die Festung Königstein ihre neue Dauerausstellung. Überraschungen sind garantiert.

Von Franz Werfel

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Großer Badespaß in Freitals Freibädern 

Nach vielen Renovierungsarbeiten ist die Badesaison in den Freibädern "Windi" und "Zacke" in vollem Gange. 

Als im Sommer 2012 die Sanierungsarbeiten im Torhaus der Festung Königstein begannen, erwartete die Mitarbeiter eine große Überraschung unter den alten Holzdielen: Da tauchten plötzlich Fayence-Scherben auf, die – denkbar unter Wert – als Füllmasse genutzt wurden. 300 Jahre alte Scherben wertvollster Keramik.

Porzellanrestaurator Stefan Drescher nahm sich des wertvollen Fundes an. Ihm gelang das Unerwartete: Innerhalb von eineinhalb Jahren konnte er die Scherben wieder zu einem kompletten Fayence-Ofen zusammenfügen. Nichts war verloren.

„Damit hätten wir nie gerechnet“, sagt Andrej Pawluschkow, einer von drei Kuratoren der neuen Ausstellung auf der Festung Königstein. Diese wird am 1. Mai eröffnet und trägt den Titel „In lapide regis“, zu Deutsch: auf dem Stein des Königs. Mit diesen lateinischen Worten beginnt die Gründungsurkunde des Königsteins aus dem Jahr 1241. Ein Nachdruck der Urkunde, die König Wenzel I. siegelte, wird sich ebenfalls in der Ausstellung finden. Diese versucht erstmals, die 774-jährige Geschichte der Festung in Gänze abzubilden.

Dementsprechend lange dauerte die Planung. Den Wunsch nach einer großen Dauerausstellung hatte das Team um Geschäftsführerin Angelika Taube bereits 1990. Ein wichtiger Schritt war die Sanierung der Westbebauung in den vergangenen zwei Jahren. Für die historische Bausubstanz der Festung ist der Freistaat zuständig. Er investierte 10,5 Millionen Euro in die Sanierung.

Im Jahr 2008 nahm das Projekt Fahrt auf – „Da hatten wir genügend Exponate zusammen“, sagt Taube. Diese wurden seit 1990 in Auktionen, bei Antiquitätenhändlern und Kunstspezialisten erworben.

Das Torhaus samt Streichwehr eignet sich wegen seiner zentralen Lage und der Gebäudestruktur für die Ausstellung besonders gut. Alles wurde bis ins Detail geplant. „Bis hin zur letzten Steckdose“, sagt Angelika Taube. Dass die Ausstellungskonzeption mit der Gebäudesanierung einherging, begriffen die Museologen als große Chance. So gehen in der Ausstellung – für das Publikum gut nachvollziehbar – Texte zur Festungsgeschichte mit Exponaten und Erzählungen über das Torhaus Hand in Hand. Dabei werden auch die dunklen Kapitel nicht ausgelassen. Während des Deutsch-Französischen Krieges und in den beiden Weltkriegen diente die Festung als Kriegsgefangenenlager. Auch Staatsgefangene mussten auf dem Königstein ausharren, die letzten bis 1920. Von 1949 bis 1955 befand sich auf dem Königstein ein Jugendwerkhof, ein Spezialheim für schwer erziehbare Jugendliche. Die Insassen der Jugendwerkhöfe waren praktisch rechtlos und oft Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt. Angelika Taube: „Vom Jugendwerkhof und den Kriegsgefangenen konnten wir bisher nur in unseren Führungen erzählen. Nun erreichen wir eine breitere Öffentlichkeit.“

Wo einst August der Starke wandelte, befanden sich sechs Jahre lang die Werkstätten des Jugendwerkhofes. Ein unrühmliches, dunkles Kapitel. Auch auf diese Brüche in der Geschichte will die Ausstellung hinweisen. „Die gegensätzliche Nutzung macht ja auch einen großen Reiz dieses Gebäudes aus“, ergänzt Andrej Pawluschkow. Erst durch die direkte Gegenüberstellung werde all dies nun neu erfahrbar. Auf 1 200 Quadratmetern in 33 Räumen mit 450 Exponaten. „Für fast 800 Jahre Geschichte ist das schon wenig Platz“, sagt Taube. Über eine Million Euro investiert die Festungsgesellschaft in die neue Dauerausstellung.

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