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Auf den Spuren Ludwig Richters in Böhmen

Die Tour über die Rabensteine zum Aarhorst bei Sebuzin ist fast alpin.

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Von Heinz Strohbach

Der Gipfel des Berges Aarhorst ist mit einem Turm versehen, der drei Aussichtsebenen besitzt und so eine optimale Rundsicht erlaubt. Bis es dazu kam, gab es kuriose Vorgänger. Es begann damit, dass man 1891 fünf dicht beieinander stehende Buchen mit Hölzern verband und durch Bohlenauflagen eine Plattform gewann. Die Teplitzer Zeitung schrieb: „Die Rundsicht ist jetzt vollkommen. Die Aussichtswarte ist sehr solide gebaut.“ Doch schon 1902 musste sie aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Nach einer längeren Pause, 1927, legte man den Grundstein für die zweite Aussicht. Ein vier Meter hoher Zementsockel nahm eine zehn Meter hohe Holzkonstruktion auf. Diese zweite Version musste nach 1945 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Erst Anfang der 70er-Jahre konnte mittels Hubschrauber eine in den Chomutover Walzwerken gefertigte Metallkonstruktion mit den erwähnten drei Plattformen auf dem Sockel verankert werden. Diese wurde 2003 noch einmal zusätzlich stabilisiert.

Phantastisch ist der Blick vom zwölf Meter hohen Turm. Im Norden grüßt der Sendeturm auf dem Bukova hora (Zinkenstein). Rechts neben dem Schreckenstein, den Ludwig Richter mit seinem Gemälde berühmt machte, ist die Vysoky Ostrry (Hohe Wostrey), die schon von Richard Wagner erklommen wurde, zu erblicken. Besonders zahlreich sind die Berge im Westen und Süden. Hinter dem Kletecna (Kleiner Milleschauer) ragt der 837 Meter hohe Milleschauer hervor. Anhand einer guten Karte erkennen wir den Lovos (Lobosch) und links daneben die Burgruine Kostial. Mit zwei Türmen grüßt aus der Ferne die Hasenburg. Die Elbe soll man angeblich von der obersten Plattform achtmal sehen können.

Doch schließlich muss man sich doch vom Ausblick lösen und den Abstieg beginnen. Jetzt heißt es aufpassen: Nach nur einigen Schritten bergab biegt unser gelber Weg rechts vom breiten Weg ab (Wegweiser leider hinterrücks am Baum). Nach einem Kilometer haben wir die grüne Markierung erreicht, der Wegweiser nennt nach Sebuzin drei Kilometer. Bald geht es an einer Wiese entlang zu einem Sattel, wo der Weg rechts abwärts führt. Eine kurze Abzweigung erlaubt einen schönen Blick ins Elbtal und zum erwanderten Aarhorst.

Wenn wir Glück haben, können wir ab Mitte Mai am Rand der lichten Laubwälder den seltenen, Kalk liebenden und unter Naturschutz stehenden Diptam mit seinen roten Blühtenkerzen aus der Familie der Rautengewächse entdecken. Wir steigen (grün) weiter in das Tal der Rytina. Bald tritt die gelbe Markierung aus Brna hinzu. Beide Markierungen bringen uns über die Siedlung Kolibov (Kolleben) am Elbhang entlang wieder zur Bushaltestelle bzw. dem Parkplatz in Sebuzin (Sebusein) zurück.

Teil 2, Teil 1 ist am 10. Dezember erschienen.