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Auf den Spuren von heimischen Vögeln

Eine Winterwanderung mit Ranger Herbert Schnabel führte an die Kolbitzer Teiche im Biosphärenreservat.

Seit rund 20 Jahren hat die Winterwanderung in Steinitz Tradition. Ranger Herbert Schnabel vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft erläuterte den Teilnehmern viel Wissenswertes.
Seit rund 20 Jahren hat die Winterwanderung in Steinitz Tradition. Ranger Herbert Schnabel vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft erläuterte den Teilnehmern viel Wissenswertes. © Foto: Andreas Kirschke

Steinitz. Vogelstimmen dringen aus dem Aufnahmegerät. Der Wittichenauer Herbert Schnabel, seit 1993 Ranger im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, spielt sie an diesem Morgen zusammen mit Junior-Ranger Felix Höhne (15) vor. „Das ist eine Sumpfohreule. Und das ein Uhu“, erläutert er den 24 gespannten Teilnehmern kurz vor dem Beginn der Winterwanderung. Bis aus Hoyerswerda, Weißwasser, Großdubrau und Guttau sind sie gekommen. Die Wanderung zum Thema „Vögel im Winter“ führt vom Steinitzer „Lindeneck“ direkt an die Kolbitzer Teiche.

Seit rund 20 Jahren ist die Tour Tradition. Sie startet stets von Steinitz. Ortsvorsteherin Martina Bartuschk regte die Wanderung ursprünglich an. Vor allem die Kinder sollten ihre Heimat näher kennenlernen. „Es ging schon in alle Himmelsrichtungen“, sagt Herbert Schnabel. Ursprünglich war die Wanderung als Ferienangebot für Kinder gedacht. Inzwischen laufen auch Eltern, Großeltern und Interessierte mit.

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Fressen und gefressen werden

Staunend halten die Teilnehmer unterwegs inne. Mit Ferngläsern sichten sie Graureiher und Silberreiher. Herbert Schnabel erzählt von der früheren Graureiher-Kolonie bei Knappenrode. Über 400 Brutpaare lebten dort. „Das waren in der Brutzeit an die 1000 Tiere ...“, erläutert er. „Der Silberreiher wiederum ist aus dem Mittelmeer-Raum zugewandert. Vor 30, 40 Jahren war er hier eher die Ausnahme. Heute ist er zu hunderten da. Im Teichgebiet sichten wir ihn zur Abfisch-Zeit. Wir sichten ihn auch in der Aue der Kleinen Spree zwischen Hermsdorf und Lohsa.“ Dort sucht er sich Futter, weiß Herbert Schnabel. Silberreiher fressen zum Beispiel Mäuse. Doch sie werden auch selbst gefressen – etwa vom Seeadler oder vom Fuchs.

Am Wegrand entdecken die Wanderer eine alte Weide. Der Stamm ist morsch und ausgehöhlt. Etliche Zweige ragen aus ihm heraus. „Es ist die letzte Weide hier in der Allee. Wir haben sie vor Jahren gerettet“, sagt Herbert Schnabel und betont: „Gerade alte Bäume sind erhaltenswert. Dort leben viele Insekten. Sie haben ihre Berechtigung. Sie tragen zur Arten-Vielfalt bei.“

Fischotter markiert sein Revier

Unter der Brücke, direkt an der Kleinen Spree, sichtet der Ranger kurz darauf Kot vom Fischotter. Dieser markiert damit sein Revier. „Wir nutzen den Kot für Nahrungsanalysen“, erklärt Herbert Schnabel. Er zeigt auch eine Teichmuschel. Diese gehört zur Nahrung des Fischotters.

Die Wanderung führt weiter bis zur Hälter-Anlage Kolbitz. Ein Seeadler steigt von dort auf. „Erkennbar ist er an der weißen Schwanzspitze“, sagt Herbert Schnabel. „Das Weibchen hat eine Flügel-Spannweite bis zu 2,50 Metern ...“

Im Kontrast dazu steht der kleine Eisvogel. Junior-Ranger Felix Höhne entdeckt ihn. Der Eisvogel gilt als Höhlenbauer und Höhlenbrüter. Geschickt erschafft er sich bis zu einem Meter lange Röhren. An deren Ende baut er sich sein Nest wie einen Kessel. Mitunter brütet er auch an entwurzelten Bäumen. Vor allem dann, wenn der Wurzelteller lehmig ist. Eisvögel, so erläutert Herbert Schnabel, bevorzugen Steilwände an Flüssen. Diese dienen ihm als natürlicher Schutz. Eisvögel sind keine Zugvögel. Sie bleiben den Winter über hier. In strengen Wintern gibt es Verluste. „Eisvögel können das wieder ausgleichen, indem sie später zwei, drei Bruten hintereinander haben“, sagt Herbert Schnabel.

Weiter führt die Winterwanderung an die Kolbitzer Teiche. Dort knallt es öfter. Die Schussgeräusche (aus versteckten Anlagen) sollen Kormorane abschrecken und fernhalten. Wenn diese im Schwarm fischen, gehen viele kleine Satzfische verloren – zum Leidwesen der Teichwirte.

Kormorane sind an diesem Vormittag nicht zu sichten. Dafür Graugänse und Höckerschwäne. Immer wieder greifen die Teilnehmer zum Fernglas. Immer wieder sichten sie die Natur. „Wir erfahren viel Wissenswertes. Herbert Schnabel erläutert anschaulich, konkret und mit vielen Beispielen“, meint Katrin Lehmann aus Großdubrau dankbar. Zum dritten Mal nimmt sie an der Winterwanderung teil. Wie sie liebt auch Ruth Blumberg aus Steinitz die heimische Natur. Mit ihren Enkeln Clara Blumberg (9) und Pascal Blumberg (6) sowie deren Cousine Maria-Martha Rötschke (13) aus Halbdorf/Spree nimmt sie an der Winterwanderung teil. „Wir sind gern draußen in der Natur. Erstaunlich ist immer wieder die Artenvielfalt“, meint Ruth Blumberg.

Bestens mit Teichgebieten vertraut

Von den Kolbitzer Teichen führt die Winterwanderung wieder nach Steinitz zurück. „Wir erfahren viel Wissenswertes. Und wir treffen auf interessierte Mitwanderer“, meint Kerstin Robel aus Groß Särchen. Seit 1998 ist sie selbst ehrenamtliche Naturführerin. Ihre Touren führen ins Teichgebiet Koblenz und ins Teichgebiet Wartha. Ferienkinder lädt Kerstin Robel zur Umweltbildung ein. Dabei geht es um Themen wie Spinnen, Grashüpfer und Schwalben. Ihr Leitmotiv heißt stets: „Sehen, suchen, finden, erkennen“. Die Winterwanderung mit Herbert Schnabel will sie nicht missen. „Jeder von den Teilnehmern bringt sein Wissen und seine Erlebnisse ein. So gewinnt jeder Einzelne dabei“, unterstreicht die Groß Särchenerin.

Auffällig viele Schwarzspechte

Für Anfänger in der Vogelkunde eignet sich die Winterwanderung gut als Einstieg. Vogelstimmen sind einzeln vernehmbar. Beobachtungen sind in Ruhe möglich. „Es ist noch nicht so ein Durcheinander wie im Frühling und Sommer“, sagt Herbert Schnabel. „Die Meisen fangen an zu singen. Die Spechte trommeln zur Balz. So viele Schwarzspechte wie in diesen Tagen habe ich noch nie gesehen“, staunt er selbst.

Die Gruppe „Junior-Ranger“ in der Naturschutzstation Friedersdorf unter Leitung von Lorenz Richter und Herbert Schnabel trifft sich mittwochs alle 14 Tage. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Nächster Termin: 6. März von 16 bis 18 Uhr. Kontakt: Herbert Schnabel Tel. 0172 3757565