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Auf den Spuren von Seifersdorf

Über den Ort entsteht eine Chronik. Der verheerende Brand von 1832 spielt ebenso eine Rolle wie das Alltagsleben.

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© privat

Von Thomas Drendel

Es geschah an einem Maitag vor 183 Jahren: Ein Sturm blies über Seifersdorf hinweg, als plötzlich das Dach eines Hauses im Oberdorf an der heutigen Wachauer Straße in Flammen stand. Das Feuer wurde immer größer und griff auf benachbarte Gebäude über. Nach anderthalb Stunden brannten 24 Wohnungen nebst Scheunen und Ställen und um 16 Uhr waren alle Wohnungen des Oberdorfes ein Aschehaufen. Diesen verheerenden Brand von 1832 hat Pastor Hilliger im Seifersdorfer Kirchenbuch beschrieben.

Damit dieses Ereignis und die anderen wichtigen Begebenheiten aus der Geschichte von Seifersdorf in gut lesbarer Form und für alle zugänglich weiter überliefert werden, hat Seifersdorf jetzt ein besonderes Projekt gestartet. In den nächsten anderthalb Jahren soll eine umfassende Chronik des Ortes erarbeitet werden. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten jetzt der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) und der Regionalhistoriker Hans-Werner Gebauer. Letzterer wohnt zwar in Langebrück, hat aber Wurzeln in Seifersdorf. „Meine Vorfahren stammen aus Seifersdorf“, erzählt der 64-Jährige. Als Kind besuchte er in dem Ort öfter die Cousine seines Vaters. Das Buch soll rund 300 Seiten haben und Mitte November 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Zum Inhalt kann ich bereits so viel sagen, dass ich die wichtigsten 20 Daten bis zum Jahr 1500 dokumentiere“, erklärt der Langebrücker. „Auch die wesentliche Geschichte der Ortsverfassung und die Entwicklung der Infrastruktur sowie die Zeit nach der Wende kommen zur Sprache. Das Schloss hingegen wird eine untergeordnete Rolle spielen, da ich vordergründig den Alltag der sogenannten kleinen Leute porträtieren möchte“, sagt er. In diesem Zusammenhang ist Hans-Werner Gebauer auf der Suche nach dem Pass eines Seifersdorfer Originals. „In Seifersdorf gab es einmal einen Maulwurffänger. Sehr gern würde ich dessen Leben und Arbeit in dem Buch beschreiben.“

Ebenso Platz findet mit Sicherheit das Rittergut, aus dem das heutige Dorf hervorging. Die in der Vergangenheit teils hitzig geführte Diskussion um die künftige Entwicklung des Areals ist dem Geschichtsschreiber keineswegs verborgen geblieben: „Ich finde, bereits zu Beginn der 90er-Jahre sind die Weichen falsch gestellt worden. Die komplette Gebäudesubstanz lässt sich auf Dauer bestimmt nicht erhalten. Man sollte vielmehr das bestehenbleibende Ensemble sinnvoll vermarkten“, sagte Hans-Werner Gebauer.

Der Langebrücker Historiker erarbeitet die Chronik nicht alleine. Er wird von einer Arbeitsgruppe unterstützt, die sich zu diesem Zweck extra gegründet hat. Sie wird von Dietmar Scope aus Seifersdorf geleitet. Er und die anderen Initiatoren des Projekts haben inzwischen alle Dorfbewohner aufgerufen, sich an der Ausgestaltung der Chronik zu beteiligen. Wer alte Schriftstücke, Skizzen oder Fotos in seinem Besitz hat, wird gebeten, sich zu melden. Am Montag trifft sich die Arbeitsgruppe erstmalig im Seifersdorfer Schloss. Beginn ist um 19 Uhr. Interessenten sind willkommen. Die Gruppe führt die Arbeit des verstorbenen Werner Gerisch fort, der in der Vergangenheit bereits einige Hefte zur Chronik des Wachauer Ortsteils herausgab. Wer sich für die Arbeit von Hans-Werner Gebauer interessiert, ist heute im Gasthof Hermsdorf willkommen. Um 16 Uhr hält er einen Vortrag unter dem Titel „Karpfenschmaus und Maientanz – Von den Lustbarkeiten im Zeitenlauf der Geschichte“. Der gleiche Vortrag ist heute auch um 14.30 Uhr im Seniorentreff „Am Heiderand“, Ferdinand-Freiligrath-Straße 19, in Radeberg zu hören.