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Auf den Trümmern des brennenden Roms

Anderthalb Wochen sind es noch bis zur Oberbürgermeisterwahl in Hoyerswerda.

Die nötigen Masken waren keine Maulkörbe: Die Zuschauer machten vom Angebot, Fragen zu stellen, rege Gebrauch.
Die nötigen Masken waren keine Maulkörbe: Die Zuschauer machten vom Angebot, Fragen zu stellen, rege Gebrauch. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Am Montag hatten Hoyerswerdaer Tageblatt und Lausitzer Rundschau die fünf Kandidatinnen und Kandidaten zum Gespräch in das Lausitz-Center eingeladen. Das Interesse war groß. Das Center hatte 200 Stühle aufgestellt, die dann nicht reichten. Center-Manager Dieter Henke schätzt, dass sich 300 Leute die Bewerber ansehen wollten. Es gab zunächst sieben Fragen der Gastgeber Sascha Klein und Uwe Schulz, dann 19 aus dem Publikum.

Viele Besucher wollten wohl wissen, ob sie mit ihrer Wahl-Entscheidung richtig liegen würden. Denn auf die anfängliche Frage, wem denn schon klar sei, wo das Kreuz am 6. September hin soll, gingen ziemlich viele Arme nach oben. 

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Frank Lehmann meldete sich nicht. Der Lautaer Bürgermeister ist bis 2022 gewählt und war sozusagen als interessierter Nachbar gekommen. Er habe, sagt er, einen Favoriten aus seiner Sicht als Verwaltungsmann und einen anderen aus emotionaler Sicht. Um wen es sich handelt, behielt das (parteilose) Stadtoberhaupt für sich. Etwas Diplomatie gehört sicher zum Amt.

Peter Studier war, so weit zu sehen, nicht im Center. Es gibt aber Leute, die nach seinem Job trachten. Marco Gbureck jedenfalls will die Ausgaben für, wie er sagte, den „Chauffeur“ des OB wegsparen. Dorit Baumeister meinte, Frauen bräuchten so etwas ohnehin nicht, und Claudia Florian nickte dazu. Im Stellenplan steht Studiers Arbeit als „Kraftfahrer der Verwaltung“. Der Mittfünfziger hat Erfahrung noch seit Zeiten des Landratsamtes. Er fährt den Oberbürgermeister zu Terminen, während dieser auf der Rückbank die Zeit zum Telefonieren, E-Mails-Schreiben und Aktenlesen nutzen kann. So ist das Auto eher ein rollender Schreibtisch. Andererseits hat der Fahrer auch organisatorische Aufgaben im OB-Büro und dient als Kurier.

Träume von Jugend in der Stadt

Dirk Nasdala hatte am Montag vielleicht ein Déjá-vu. Zumindest war er bei seiner letztlich gescheiterten OB-Kandidatur im Jahr 2013 auch mit Katrin Kiefel als Mitbewerberin konfrontiert. Nun meldete sie sich aus dem Publikum und fragte nach besserem Personennahverkehr, der Ansiedlung von Bundes- oder Landesbehörden in Hoyerswerda und einer stimmberechtigten Vertretung der Stadt im Konvent des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien. Ohnehin hatten die Hoyerswerdaer spannende Fragen an ihre OB-Aspiranten: Wie bekommt man genügend Fachärzte in die Stadt? Welche Rolle kann das Lautech bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielen? Oder: Wie wäre es mit längerem gemeinsamen Lernen während der Schulausbildung? Für kurze Zeit träumte man sogar ein bisschen Zukunft, als Gastronom Robert Gbureck (Schoko & Luise), Marco Gburecks Cousin und Dorit Baumeisters Wahlkampfhelfer, wissen wollte, was denn die Studenten der viel diskutieren Außenstelle der TU Dresden wohl so wollen würden: „Ins Wasser springen reicht ja sicher nicht.“ Und wenn abends etwas länger Betrieb auf dem Markt sei, gebe es schon mal Beschwerden. Ja, meinte die Verwandtschaft vom Podium, über die Jahre sei das Nachtleben schon stark zurückgegangen. Bars und Diskotheken seien für den akademischen Nachwuchs nötig, denkt Claudia Florian. Dorit Baumeister sieht da planerisch kein Problem, will sich aber für eine Willkommenskultur einsetzen. „Das junge Leben gehört in die Stadt“, ist auch Torsten Ruban-Zeh sicher. Dirk Nasdala bemerkte, da Hoyerswerda eine Stadt des ständigen Umbruchs sei, wäre er da optimistisch.

Im Center stand am Montag auch der Amtsinhaber. Stefan Skora muss sich mitunter gefühlt haben, als wäre er Nero auf den Trümmern des brennenden Roms. Es sei bisher nicht viel passiert. Ein Weiter so dürfe es nicht geben. Die Verwaltung sei zu wenig Dienstleister und Ermöglicher. Die Gewerbesteuer sei viel zu hoch, und das Stadtmarketing lasse zu wünschen übrig.

Ein öffentliches Amt ohne Kritik ist eben nicht möglich. Ob alle Kandidaten darauf eingestellt sind? Einer dieser Kritiker ist Engelbert Merz, der die nötigen Unterschriften für eine OB-Bewerbung nicht zusammenbekam. Er wollte am Montag gern wissen, wo denn jede und jeder nach der Wahl als erstes sparen würde. Hätte es einen Preis für die schlagfertigste Antwort des Abends gegeben, wäre er bestimmt an Dirk Nasdala gegangen. „An meiner Freizeit“, antwortete er. Oberbürgermeister ist eben auch ganz sicher kein Acht-Stunden-Job. Zumindest ist er das bisher nicht gewesen. Und auch, wenn anfänglich die angejahrte Tontechnik ein wenig Sperenzchen machte, dürften die meisten Besucher klüger wieder nach Hause gegangen sein. Zumindest hoben nach zwei Stunden und 50 Minuten prozentual gesehen auf die Frage nach der getroffenen Wahlentscheidung nicht weniger Leute im Auditorium den Arm als anfangs.

Die Kandidatinnen und Kandidaten werden am Donnerstag ab 19 Uhr am Jugendclub Bröthen (Neue Straße) befragt und am Freitag ab 16 Uhr auf Einladung des Jugendstadtrates im Bürgerzentrum Braugasse 1.

Claudia Florian (CDU)

Das Wahlkampfmotto der 55-Jährigen lautet „Mit Stolzfür Hoyerswerda“.

geboren in: Hoyerswerda
lebt in: der Altstadt
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
erlernter Beruf: Verkäuferin für Büro- und Papier
bedarfunternehmerische Erfahrung:
führte mit ihrem Ehemann von 1990 bis 2004 ein Fachgeschäft für Elektrowaren
aktuelle Tätigkeit: Geschäftsführerin des Landesverbandes der Vertriebenen
Stadträtin seit: 2009
Stimmen bei der Stadtratswahl im vergangenen Jahr: 641
Mitglied in: Verwaltungsausschuss, Finanzausschuss, Sozialausschuss,
Aufsichtsrätin bei der Verkehrsgesellschaft und der Breitband Hoyerswerda GmbH
nominiert von: Christlich Demokratische Union Deutschlands, Stadtverband HY
Erwähnungen im Tageblatt-Archiv: 170 (erstmals im Jahr 2003)
ehrenamtlich engagiert: vor allem in der Gemeinde
der katholischen Kirche „Heilige Familie“
Zitat: „Ich verfüge über hohe kommunalpolitische Kompetenz und Erfahrung.“

Dirk Nasdala (Freie Wähler)

Mit dem Slogan „Gemeinsam für Hoywoj“ 

tritt der 54-Jährige nun zum zweiten Mal an.

geboren in: Berlin
Hoyerswerdaer seit: 1997
lebt in: Dörgenhausen
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
erlernter Beruf: Volljurist
unternehmerische Erfahrung: Teilhaber einer Anwaltskanzlei von 1997 bis 2019
aktuelle Tätigkeit: Wahlkämpfer (zuletzt Leiter des Hauptamtes der Gemeinde Ottendorf-Okrilla), Referent WKB Sachsen
Stadtrat seit: 2004 (mit Unterbrechung)
Stimmen bei der Stadtratswahl im vergangenen Jahr: 2.170
Mitglied in: Verwaltungsausschuss, Stadtentwicklungsausschuss, Sorbenbeirat
Kandidatur: ermöglicht von 124 Hoyerswerdaern per Unterstützungsunterschrift
Erwähnungen im Tageblatt-Archiv: 319 (erstmals im Jahr 2002)
ehrenamtlich engagiert: vor allem in der evangelischen Johanneskirch-Gemeinde,
aber auch im örtlichen Rotary-Club, Mitglied des Gewerberings Stadtzukunft,
Ehrenritter des Johanniterordens
Zitat: „Ich habe mein Ohr jederzeit am Bürger.“

Torsten Ruban-Zeh (SPD)

Der Anspruch des 57-Jährigen lautet dieser Tage: „Torsten, unser Chef für Hoy“.

geboren in: Dresden
Hoyerswerdaer seit: 2000 (mit Unterbrechung von 2007 bis 2010)
lebt in: der Altstadt
Familienstand: verheiratet, vier Kinder (zwei eigene, zwei angeheiratet)
erlernter Beruf: ursprünglich Maschinen- und Anlagenmonteur
unternehmerische Erfahrung: ab 1996 Geschäftsleiter und Geschäftsführer bei Globus (in HY ab 2000), seit 2011 Geschäftsführer der örtlichen Arbeiterwohlfahrt
Stadtrat seit: 2019
Stimmen bei der Stadtratswahl im vergangenen Jahr: 604
Mitglied in: Technischer Ausschuss, Finanzausschuss, Seniorenbeirat, Aufsichtsrat bei Lausitzbad und Verkehrsgesellschaft
nominiert von: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Ortsverein HY
Erwähnungen im Tageblatt-Archiv: 325 (erstmals im Jahr 2002)
ehrenamtlich engagiert: Präsident des Sportclubs Hoyerswerda
Zitat: „Ich bin der Kandidat, der Hoyerswerda zu alter Stärke führt.“

Marco Gbureck (AfD)

Der 43-Jährige bewirbt sich um Stimmen mit dem Spruch

„Besser Hoy-te als morgen!“.

geboren in: Hoyerswerda
lebt in: der Altstadt
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
erlernter Beruf: Bäcker, danach Orthopädiemechaniker
unternehmerische Erfahrung: leitete von 2009 bis 2013 ein Sanitätshaus
aktuelle Tätigkeit: laut Wahlbehörde Freiberufler, vermietet nach eigenen Angaben einige Wohnungen
Stadtrat seit: 2009 ( zunächst für die CDU, seit 2018 für die AfD)
Stimmen bei der Stadtratswahl im vergangenen Jahr: 3.129
Mitglied in: Technischer Ausschuss, Aufsichtsrat bei der Lausitzbad GmbH,
bei der Wohnungsgesellschaft, bei den Städtischen Wirtschaftsbetrieben
sowie im Seenland-Klinikum
nominiert von: Alternative für Deutschland, Regionalgruppe HY
Erwähnungen im Tageblatt-Archiv: 88 (erstmals im Jahr 2009)
ehrenamtlich engagiert: lokalpolitisch
Zitat: „Ein Weiter so wird es mit mir nicht geben.“

Dorit Baumeister (parteilos)

Die 57-Jährige sieht Hoyerswerda im Moment als eine „Stadt im Aufbruch“.

geboren in: Lübz (Mecklenburg)
aufgewachsen: seit 1968 in Hoyerswerda-Neustadt (WK VIII / WK IX)
lebt in: der Altstadt
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
erlernter Beruf: Baufacharbeiterin, danach Bauingenieursstudium, Fernstudium Denkmalschutz
unternehmerische Erfahrung: führte von 2004 bis 2017 ein Architekturbüro
Planung: u. a. Bürgerzentrum, Foucault-Gymnasium, Grundschule „An der Elster“
aktuelle Tätigkeit: Altstadt(City)managerin, freiberufliche Innenarchitektin
nominiert von: Linkspartei, Bündnis 90/ Die Grünen sowie Wählervereinigung Aktives Hoyerswerda
Erwähnungen im Tageblatt-Archiv: 299 (erstmals im Jahr 1996)
ehrenamtlich engagiert: vor allem in der KulturFabrik (24 Jahre im Vereinsvorstand)
Projekt-Initiatorin und Mitverantwortliche bei: Superumbau (2003), Hier bin ich geborn ... (2005), Brückenschlag (2018),
Zitat: Ich bin eine leidenschaftliche Kämpferin für diese Stadt.“

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