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Auf der Felge durch Radebeul

Einer Autofahrerin fehlt an ihrem Fahrzeug ein Reifen. Doch ihr fehlt noch mehr. Etwas anderes hat sie dagegen deutlich zuviel.

So ähnlich muss die Felge des Autos der Angeklagten ausgesehen haben. Sie fuhr trotzdem weiter.
So ähnlich muss die Felge des Autos der Angeklagten ausgesehen haben. Sie fuhr trotzdem weiter. ©  Foto: dpa

Meißen/Radebeul. Es ist ein merkwürdiges Geräusch, ein hartes Walzgeräusch, das Polizisten in jener Dezembernacht in Radebeul aufhorchen lässt. Dann kommt mitten auf der Serkowitzer Straße ein VW Lupo angefahren. Er bleibt stehen, weil der Motor abgewürgt wurde. Den Polizisten fallen die Beschädigungen an dem Auto auf. 

Die Räder auf der linken Seite sind durch einen harten Einschlag zerstört, die Reifen platt. Dennoch versucht die Fahrerin immer wieder, das Auto zu starten. Schließlich zieht ein Polizist den Zündschlüssel ab. Er traut seiner Nase nicht. Starker Alkoholgeruch kommt aus dem Fahrzeug. Sie habe nur ein Glas Wein getrunken, sagt die 45 Jahre alte Fahrerin. 

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Es muss ein verdammt großes Glas gewesen sein. Ein Blutalkoholtest in der Klinik wird später einen Alkoholwert von 2,21 Promille ergeben. Auf der Fahrt dorthin randaliert sie im Streifenwagen und beleidigt die Polizisten.

Führerschein fühlt sich komisch an

Die Frau reicht den Polizisten die Fahrzeugpapiere und den Führerschein. Letzterer fasst sich irgendwie komisch an. Erst später und bei Lichte betrachtet wird sich herausstellen, das Dokument ist gefälscht. 

Ihren richtigen Führerschein hat sie schon lange verloren - wegen Trunkenheit im Verkehr. Trotz des hohen Alkoholwertes zeigt die Frau keinerlei Ausfallerscheinungen. „Das war schon erstaunlich“, sagt ein Polizist. Und es zeigt, dass die Frau Alkohol gewöhnt, eine „Berufstrinkerin“, ist.

Nur gut zwei Monate später kommt es erneut zu einem Vorfall auf der Serkowitzer Straße. Ein Zeuge hört, wie der Motor eines Autos ständig abgewürgt wird. Dann kommt es doch angefahren. Am rechten Vorderrad fehlt der Reifen, die Felge ist stark beschädigt. 

„Das Rad drehte sich nicht mehr, es kratzte auf dem Asphalt. Das hat die Fahrerin nicht gestört, sie ist trotzdem weitergefahren“, sagt der Zeuge. Dabei verliert sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug, prallt damit gegen einen geparkten Transporter. Der ist danach nur noch Schrott, der Sachschaden wird auf über 8.000 Euro geschätzt. Das ist mehr als der Wiederbeschaffungswert.

Danach haut die Frau ab, fährt weiter. Was man so fahren nennt auf der Felge. Drei Männer halten die Dresdnerin schließlich auf. Als die Polizei eintrifft, wird schnell klar: Es ist die gleiche Autofahrerin wie im Dezember. Papiere hat sie keine mehr, die liegen schon im Meißner Polizeirevier. Dafür hat sie wieder mächtig Alkohol im Blut. Erneut ist das zwar deutlich zu riechen, aber ihr nicht anzumerken. Diesmal bringt sie es sogar auf 2,27 Promille. 

Da hört der "Spaß" auf

Und das bringt sie nun auf die Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes. Mal wieder. Ihr Vorstrafenregister ist lang. Betrunken und ohne Fahrerlaubnis Auto zu fahren, scheint ihre Spezialität zu sein. Mehrfach wurde sie verurteilt, auch zu Haftstrafen auf Bewährung.

In der Bewährungszeit riss sie sich zusammen, danach zog der Schlendrian wieder ein. Eine Entziehung und Therapie hielten nicht lange an. Kurz danach griff sie wieder zur Flasche. 

Die Taten gibt sie zu, nur den Führerschein will sie nicht gefälscht haben. Den habe sie mal zum Geburtstag „als Spaß“ geschenkt bekommen. Der „Spaß“ hört auf, wenn sie der Polizei ein gefälschtes Dokument unterjubelt. Die Angeklagte hat psychische Probleme, die sie mit Alkohol ertränkt. Danach will sie immer nur noch schnell nach Hause.

 „Da spielt dann eine gewisse Rücksichtslosigkeit mit“, sagt der Verteidiger. Im Gegensatz zu ihm sehen weder Staatsanwältin noch Richterin eine verminderte Schuldfähigkeit. Die Frau wird wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Trunkenheit im Verkehr, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt. Diese wird für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Außerdem bekommt sie einen Bewährungshelfer und muss jeden Wohnsitzwechsel dem Gericht mitteilen. Die Fahrerlaubnisbehörde darf ihr frühestens in zwei Jahren eine neue Fahrerlaubnis erteilen. So weit die Theorie. Praktisch muss sie dafür etliche Nachweise erbringen, beispielsweise, dass sie „trocken“ ist. Das wird wohl schon schwer genug.

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