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Auf der Jakobstraße 4a hat die Augenoptik in Görlitz eine fast 100-jährige Tradition

Seit 20 Jahren führtThomas Wünsche das ehemalige Geschäft von Optiker Steinert fort.

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Von Ralph Schermann

Rund hundert Jahre alt ist das Görlitzer Haus Jakobstraße 4a. Seit rund hundert Jahren kümmert man sich in ihm um gutes Sehen. Viele Jahrzehnte befand sich hier bis in die 1950er Jahre eine Augenarztpraxis, und zeitweise zierte den Namen Dr. Mehlhose sogar der Zusatz „Klinik“. Noch länger indes besteht in der Jakobstraße 4a die Tradition optischer Feinheiten.

Begründet wurde sie von Augenoptiker Hans Steinert. Dieser Name wurde über Jahrzehnte zu einem Begriff. Er wurde beibehalten, auch wenn die Inhaber wechselten. Noch in den 1980er Jahren firmierte Inhaber Staude unter dem Namen Steinert, so wie auch Optikermeister Gottfried Wünsche in der Straßburg-Passage sich nicht von dem traditionsreichen Schild „Brillen-Trabs“ trennte.

Auch Wünsches Sohn Thomas arbeitete nach seiner Lehre noch unter dem Trabs-Schild mit. Von hier aus ging er zum Studium nach Jena, um selbst Optikermeister zu werden. Als es in Görlitz 1989 darum ging, die Steinertsche Ära auf der Jakobstraße 4a weiterzuführen, griff Thomas Wünsche zu. Da Optiker rar waren, gaben die DDR-Oberen – damals hieß das Örtliche Versorgungswirtschaft – ohne Probleme die Gewerbegenehmigung.

20 Jahre ist das jetzt her, und Dank dieser Geschäftsübernahme im Oktober 1989 hat die Jakobstraße 4a mit die älteste ungebrochene Optikertradition in Görlitz. Zwar heißt das Geschäft jetzt nach dem Inhaber, doch Steinertsche Spuren sind immer noch zu entdecken. Sei es als Werbeschrift auf einem Thermometer im Laden, oder sei es in der Werkstatt. Hier gibt es noch einen Handschleifstein von etwa 1930, der ab und an sogar mit genutzt wird. „Sonst aber hielt natürlich die modernste Technik Schritt für Schritt Einzug“, betont der 46-jährige Thomas Wünsche. Ihm zur Seite stehen mit Martina Seidel und Olaf Queisser zwei Mitarbeiter, die er gleich nach der Wende von der damaligen Optik-HO Berliner Straße übernahm. Birgit Sidoff war sein erster Lehrling. Dass dieses Kollektiv fast von der Geschäftsgründung an noch immer zusammen ist, dürfte in der Firmenlandschaft ungewöhnlich sein. Und dass auch die familiäre Optikertradition schon in die nächste Generation weitergetragen wird zeigt sich in Martin Wünsche, einem der beiden Söhne des Inhabers: Er ist zurzeit hier Lehrling.

Das Trabs-Geschäft indes übernahm Gottfried Wünsches zweiter Sohn Volker und zog beim Umbau der Passage auf den Postplatz 11. So haben jetzt beide Wünsche-Brüder dicht nebeneinander das gleiche Gewerbe. „Doch der Bedarf ist da, wir kommen uns nicht ins Gehege“, schmunzelt Thomas Wünsche, der sich mit dem Bereich Vergrößerung und Licht auch ein kleines Spezialgebiet erobert hat.

www.optik-wuensche.de