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Auf der Laola-Welle

Die Großküche mit einer Niederlassung in Niederkaina hat einen neuen Chef. Und eine Großinvestition läuft.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

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Pulsnitz / Niederkaina. Morgens ist „Grüne Welle“ in Pulsnitz angesagt. Nicht an den Ampeln. Nein. Zwischen 8.30 und 10 Uhr schwärmen die grünen Transporter der Zentralküche Laola aus zur Kundschaft. Im Kofferraum die Wärmeöfen für das frisch gekochte Essen mit bis zu 200 Portionen pro Transport, die schnell zur Kundschaft gebracht werden sollen. 70°C ist die Standardtemperatur im Ofen. „Und mit der soll es auch beim Kunden ankommen“, sagt Oliver Lorenz. Der Bischofswerdaer ist der neue Inhaber und Chef der Zentralküche, die auch im Bautzener Ortsteil Niederkaina einen Sitz hat. Die feierte auch noch ein Jubiläum. Auf seinem Schreibtisch liegt die Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer.

Der neue Laola-Chef Oliver Lorenz kommt aus Bischofswerda
Der neue Laola-Chef Oliver Lorenz kommt aus Bischofswerda

Vor 25 Jahren gründete Jens Ulbricht die Firma in Radeberg in der früheren Betriebskantine des DDR TV-Herstellers Robotron, zog dann aber mit dem Geschäft nach Pulsnitz um. Das ist seitdem in der früheren Küche des DDR-Textil-Kombinates Bandtex. Mit einer Handvoll Mitarbeiter startete Jens Ulbricht. Jetzt sind es 120 in einer der größten Küchen des Freistaates.

16 000 Portionen Essen täglich

Als Berater stehe Jens Ulbricht seinem Nachfolger aber noch zur Seite, sagt der neue Chef. Auf der Pulsnitzer Laola-Welle schwimmt der Bischofswerdaer seit drei Jahren. Damals machte er die Bekanntschaft mit dem Firmengründer: „Als Sponsor mit Laola für den Fußball. So sind wir ins Gespräch gekommen“, erklärt er. Die Chemie stimmte. Als Assistent startete er in Pulsnitz. Zuletzt war der studierte Kaufmann Prokurist. So ist die kaufmännische Seite auch die Hauptaufgabe des 31-Jährigen.

Für das Essen sorgen allein 65 gelernte Köche. Insgesamt sind es rund 16 000 Portionen Essen täglich, die sie zubereiten für die hungrige Kundschaft zwischen Löbau und Burgstädt bei Chemnitz sowie Altenberg bis Hoyerswerda. Da werden natürlich andere Töpfe gebraucht, als in der heimischen Küche. Um drei Uhr in der Nacht werden in der Regel die ersten Kessel angeworfen. Vizeküchenchef Marian Tzschütter schrubbt gegen 9 Uhr gerade einen Megakessel. In dem kochten vor ein paar Minuten noch 400 Liter Soße für die goldbraunen Hähnchenschenkel.

Hinter ihm steht eine Galerie kleiderschrankgroßer Kombigeräte. Die garen Gemüse, überbacken Aufläufe und braten sogar zarte Rindersteaks nach Wunsch und auf jeden Fall saftig, erklärt ein Koch. Es sei vor allem die geregelte Arbeitszeit, die den Job in der Großküche attraktiv mache, verrät er. Küchenchef Matthias Hartwig verpackt noch die letzten Essen für die Privat- und Firmenkundschaft.

Dampfende Kartoffelportionen in Kunststoffschalen bekommen auf dem Fließband ihre Foliendeckel. Dazu gibt’s marinierten Hering.

Neue Frischeküche in Dresden

In der Küche für das Schulessen ist aber noch Hochbetrieb. Dort geht es deutlich später los. Dampfendes Sauerkraut schaufeln die Helferinnen in die Wärmebehälter für die Schulen in der Region Pulsnitz. Für die in Dresden nimmt Laola in diesen Tagen eine neue Frischeküche für Dresdner Schul- und Kindergartenkinder in Betrieb. An die wollte das Unternehmen näher ran. Die Küche entstand an der Hamburger Straße. Es ist eine frühere Kantine der Deutschen Bundesbahn. Die haben die Pulsnitzer umgebaut: „Und mit der neuesten Technik ausgestattet“, sagt Lorenz.

Der Hersteller baue die Küche mit den modernsten Geräten als Musterküche auf. Der Hauptvorteil: „Wir können relativ spät produzieren, damit das Essen so frisch wie möglich in die Schulen und Kindergärten kommt und Standzeiten vermieden werden.“ Wasserzufuhr, Temperatur, Zeit – alle solche Dinge werden über ein Touchpad gesteuert. „Das unterstützt die Köche.“

Schulessen aus den Frischeküchen

Aber ohne deren Erfahrung gehe es natürlich nicht. Es soll ja auch schmecken. „ Eine Million Euro investieren wir in die neue Küche“, sagt Oliver Lorenz. Es werde die modernste Großküche Dresdens. Für die Laufkundschaft wird es hier auch Frühstück und Mittagessen in der Kantine geben.

Die Dresdner ist die dritte Frischeküche in der Region. Eine gibt es noch in Großschirma bei Siebenlehn und eine Weitere in Bautzen. Die wurde als erste 2014 in Betrieb genommen. In diesen drei Küchen werde ausschließlich Schulessen für die Kinder ab 7 Uhr frisch gekocht: Gemüse geputzt und geschnippelt, Kartoffeln per Hand geschält, Fleisch zubereitet ... Oliver Lorenz will zugleich mit Gerüchten über Großküchen aufräumen: „Es gibt keine Tütensuppe, keine Brühwürfel. Auch den Fonds für Soßen setzen wir selbst an.“

Zwei bis drei Essen haben die Kinder dann zur Auswahl. „Hier rollt kein Auto vor 10 Uhr vom Hof“, verspricht der Chef. 75 Touren mit ebenso vielen Transportern sind täglich insgesamt zwischen Chemnitz und Löbau unterwegs – seit Kurzem in Grün. Passend zum Frischekonzept, so Lorenz. Er hat sich vorgenommen, den Service zu verbessern – von der Registrierung als Kunde bis zur Reklamation.

Das Laola-Logo hat zum Jubiläum schon eine Frischekur erhalten: Immer noch blau mit dem Teller im Zentrum, aber moderner, offener, freundlicher, betont Lorenz. Er selbst liebe Eintöpfe, am besten Linsen. Wenn der Duft durch die Küche zieht: „Dann werde ich schwach“, sagt er. Inzwischen ist der Hof fast leer, die Grüne Welle durch. Aber richtig Ruhe zieht erst gegen 18 Uhr in die Küche ein, wenn auch der letzte Aufwasch durch ist.