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Auf der Suche nach mehr Kies

Der Baustoffkonzern Holcim sucht rund ums ehemalige Waldbad Röderau nach neuen Abbaustätten. Dabei gibt es doch schon ein Kieswerk.

Von Antje Steglich

Langsam arbeiten sich die Raupen über das matschige Feld zurück auf den Weg. Dass es an diesem Montagmorgen regnet, scheint Enrico Herre von der Landsberger Bohr- und Brunnenbau GmbH nicht zu stören. Und auch der Lärm der Maschine lässt den jungen Mann in der mittlerweile schlammbespritzten, blauen Arbeitskluft anscheinend kalt. Geduldig läuft er neben dem orangefarbenen Gefährt her und navigiert es mit routinierten Handgriffen über den spärlichen Bewuchs. Im nächsten Jahr soll hier, auf dem Feld der Agrargenossenschaft nahe des ehemaligem Röderauer Waldbades, der Raps wachsen. Perspektivisch könnte an dieser Stelle aber auch ein riesiger neuer Baggersee entstehen. Denn Enrico Herre und sein Kollege erkunden hier im Auftrag des Baustoffkonzerns Holcim die Kiesvorkommen.

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Bis zu 41 Meter tief haben sie den nur etwa 20 Zentimeter breiten Bohrer bereits in die Erde getrieben, ihn wie einen überdimensionalen Korkenzieher langsam immer tiefer bis zur Lehm- und Tonschicht gedreht, die für Holcim nicht mehr interessant ist. Zwischendurch werden immer wieder Proben genommen, die fein säuberlich auf einer Plastikplane aufgereiht und später von Geologen untersucht werden.

Aus Kies wird Beton

Dass es hier hochwertigen Kies gibt, steht dabei außer Frage, sagt Thomas Steglich, Geschäftsführer der Holcim Kieswerk Zeithain GmbH & Co. KG. Schließlich wird der Rohstoff in dieser Region schon seit Ende der 1960er Jahre abgebaut, die ersten Erkundungen wurden sogar schon ein Jahrzehnt früher durchgeführt. Allerdings will es Holcim genauer wissen und mit den Bohrungen mehr Informationen über die Qualität und die Quantität des Vorkommens erhalten. Daraus könne man dann ein Lagerstättenmodell für diese Fläche entwickeln sowie die künftige Abbautechnologie bestimmen, so Thomas Steglich. Bei der jetzigen Abbaugeschwindigkeit wird man im aktuellen Kiesfeld nur noch etwa acht Jahre abbauen können, denn viel weiter Richtung Norden dürfe man nicht arbeiten. Zwar hat sich Holcim auch dort längst die Lagerstätten gesichert, doch der Schutz der Gohrischheide schiebt den Absichten des Konzerns hier einen Riegel vor.

Aktuell holt der Schwimmbagger mit seinem großen Greifer eine bis eineinhalb Millionen Tonnen Kies und Sand jährlich vom Grunde des Baggersees, die dann über eine insgesamt zwei Kilometer lange Bandstraße zur Aufbereitung transportiert werden. Alles bis zu einer Größe von zwei Millimetern gilt als Sand, bis 32 Millimeter ist es Kies. Hauptabnehmer von beidem seien Betonhersteller, erklärt Thomas Steglich. Ein Teil gehe aber auch in den Straßenbau oder würde an private Hände abgegeben.

Der rundliche Elbekies gilt als qualitativ hochwertig, sagt der Geschäftsführer, weshalb man in Zeithain die Lagerstätten auch gern „komplett abbauen“ möchte. Die Abbaugenehmigung vom Sächsischen Oberbergbauamt liege auch für das Areal zwischen Gohliser Straße, Bahnhof Röderau und Am See bereits vor, die unterirdischen Lagerstätten gehören schon dem Unternehmen. Nur die Grundstücke selbst noch nicht. Doch darum wird sich das Unternehmen erst kümmern, wenn die Ergebnisse der Bohrungen vorliegen.

Neue Seen für Röderau

Sind die Vorkommen besonders reichhaltig, könnte sogar über eine Verlegung der Gasleitungen oder der Straße nachgedacht werden, schaut Thomas Steglich voraus. Aktuell sei jedoch geplant, den aktuellen Firmensitz inklusive Aufbereitungstechnik beizubehalten und nur die Förderbänder entsprechend zu verlegen.

Der jetzige See, der zu einem Teil von der Forellenzuchtanlage Zeithain mit genutzt wird, soll später renaturiert werden. Dass gleich nebenan ein oder später sogar mehrere neue Seen entstehen sollen, wird vielleicht einige Anwohner stören, vermutet der Holcim-Geschäftsführer Steglich auch mit Blick auf die Lärmbelastung. Schließlich arbeitet sein Betrieb mit den 18 Mitarbeitern durchweg von Sonntag, 22 Uhr, bis Freitag, 22 Uhr. Ändern könne man das allerdings nicht: „Wir müssen den Kies dort abbauen, wo ihn der liebe Gott hingelegt hat. Und das wird irgendwann immer schwieriger.“

Drei Bohrungen haben die Männer von der Landsberger Bohr- und Brunnenbau GmbH inzwischen bereits geschafft, ein viertes und fünftes Loch sollen bis Ende der Woche noch folgen, sagt Enrico Herre und fährt das orangefarbene Gefährt langsam zum nächsten Standort ans Ufer des ehemaligen Waldbades. Der Bohrer selbst folgt auf dem Lkw.