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Auf die richtige Technik kommt es an

Im Budo-Garten gibt es jetzt einen Selbstverteidigungskurs für Frauen. Unsere Autorin hat mitgemacht.

Von Sarah Grundmann

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Wenn ich abends nach Hause gehe, ist es meistens schon dunkel. Etwas mulmig ist mir manchmal schon dabei, der Weg zu meiner Wohnung ist nur spärlich beleuchtet. Über einen Selbstverteidigungskurs habe ich trotzdem noch nie nachgedacht. Ehrlich gesagt, bin ich da auch eher skeptisch. Kann ich wirklich einem kräftigen, männlichen Angreifer die Stirn bieten? Umso gespannter bin ich auf den Schnupperkurs im Budo-Garten. Der Verein auf der Könneritzstraße, der nach einer Kampfkunsttechnik für Kinder benannt ist, bietet jetzt jeden Freitagabend einen Kurs speziell für Frauen an. Am vergangenen Freitag war ich dabei. Ich habe aufwendige Techniken erwartet, mit denen ich meinen Gegner auf die Bretter schicken kann. Doch es kam anders.

Von außen nehme ich den Budo-Garten fast gar nicht wahr, der Verein liegt in einem Plattenbau voller Büros. Am Eingang wird klar: Hier bin ich richtig. „Ich bin Bernd“, begrüßt mich der Trainer in einem typischen Karateanzug. Das Duzen sei wichtig fürs Vertrauen – schließlich greifen wir uns in den nächsten Stunden gegenseitig an. Viele Namen muss ich mir allerdings nicht merken. Denn außer mir sind nur zwei weitere Neugierige gekommen. Miriam und ihre 15-jährige Tochter kommen extra aus Bühlau, sie haben durch einen SZ-Artikel von dem Angebot erfahren und wollten so etwas schon immer mal versuchen.

Gleich zu Beginn des Schnupperkurses bremst Bernd meine Erwartungen. „Kampfkunsttechniken lernt ihr hier nicht, schon gar nicht in der ersten Stunde“, sagt der 56-Jährige. „Die müssen jahrelang geübt werden.“ Bei den späteren der zwölf Treffen würden die Teilnehmer zwar ein paar einfache Tricks lernen, am Ende sogar Bretter mit einem gekonnten Handkantenschlag zerschmettern. In der ersten Stunde gehen wir es aber etwas langsamer an. „Selbstverteidigung fängt auch schon früher an, es geht auch darum, Gefahren zu meiden und sich erst einmal mit Worten zu verteidigen“, so der Kampfsportler. Ein bisschen Theorie ist also auch dabei. Ein paar Minuten später wird es dann aber doch praktisch. Zwar darf ich erst einmal niemanden zu Boden schleudern. Aber mich aus dem Griff eines Angreifers – meinem Trainer Bernd – befreien.

Ob mir das wohl gelingt? „Der ist aber ganz schön kräftig“, schießt es mir durch den Kopf, als er mich am Handgelenk packt. Aber eines lerne ich ganz schnell: Es kommt nicht auf die Kräfte an, ideenreich muss man sein. „Ablenkung ist alles“, erklärt Bernd. „Wenn ich den Gegner irritiere, lockert sich sein Griff und ich kann mich aus dem Griff befreien. Ich muss mich einfach nur zu der Seite drehen, wo die Faust geöffnet ist.“

Bei der Ablenkung gilt: Spucken, Beißen, Treten – egal, Hauptsache irritierend. Ein paar Techniken wie ein Stich in die Kehlgrube oder Bewegungen zum Gesicht sollen aber besonders gut funktionieren. So weit zur Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Irgendwie kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass ich mich aus dem festen Griff des geübten Kampfsportlers lösen kann. Eine gefühlte Ewigkeit denke ich über das beste Ablenkungsmanöver nach. Schließlich entscheide ich mich für einen Fingerstich in die Kehlgrube. Doch so richtig traue ich mich nicht, ich kann doch nicht einfach zustechen. „Nur Mut“, ermuntert mich Bernd. Ich fasse mir ein Herz, pikse zu, drehe mich zur Seite und – ich kann es kaum fassen – bin tatsächlich frei.

Ein paarmal üben wir das Ganze, und ich bin wirklich überrascht, dass das so gut funktioniert. Doch so richtig kann ich mich von meinem Wunsch noch nicht lösen, gern würde ich jemanden zu Boden werfen. Schließlich gibt Bernd nach – eine Technik zeigt er mir. Die Ausgangssituation ist gleich. Aber diesmal packe auch ich Bernds Handgelenk und drehe mich um die eigene Achse. Mein Trainer verliert den Halt und landet auf der Matte. Die zwei Stunden vergehen wie im Fluge. Als ich nach dem Kurs nach Hause gehe, ist es schon längst dunkel. Auf dem spärlich beleuchteten Weg zu meiner Haustür ist mir heute aber ein bisschen weniger mulmig. Schließlich weiß ich ja jetzt: Auf die richtige Technik kommt es an.

freitags, 19 bis 21 Uhr, Könneritzstraße 25, 50 Euro für alle Termine, Anmeldung online.

www.budo-garten-dresden.de

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