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Auf ein Jubiläumsbier zu Kmochs in Demitz

Zwei Jahre war der Gasthof Kmoch in Demitz geschlossen, weil sich kein Nachfolger fand. Dann übernahm Volker Kmoch im Dezember 2000 das Haus, in dem über viele Jahrzehnte Steinarbeiter einkehrten. Diesen...

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Von Verena Mann

Zwei Jahre war der Gasthof Kmoch in Demitz geschlossen, weil sich kein Nachfolger fand. Dann übernahm Volker Kmoch im Dezember 2000 das Haus, in dem über viele Jahrzehnte Steinarbeiter einkehrten. Diesen Teil der 110-jährigen Familiengeschichte möchte der 52-Jährige, der zuvor mit einem Geschäftspartner ein Bauunternehmen führte, nicht missen. „Wir Kmochs sind stolz auf unsere Traditionen, die eng mit der Geschichte der Granitindustrie verbunden sind“, sagt er. Über die Jahre hat der geschichtsinteressierte Gastwirt viele Dokumente zur Entwicklung im Dorf und den Steinabbau gesammelt. Sie sind auch nach der Renovierung in dieser Woche wieder in der Gaststube zu sehen.

Kmochs Gasthof ist eine der Gaststätten im Ort, die von jeher von den Steinarbeitern aufgesucht wurden. Sie lag quasi am Heimweg oder verkürzte später das Warten auf den Bus, mit dem die Leute in ihre Heimatorte fuhren. Hier tranken sie ihr Feierabendbier. Nicht immer aus lauter Lust, oftmals auch, um den Frust über die schwere Arbeit im Bruch hinunterzuspülen. Wolfgang Weber hat selbst viele Jahre im Steinbruch gearbeitet. Er weiß aber auch aus den Erzählungen seines Großvaters und Vaters, die auch schon „in die Steine gingen“, viele Episoden, die noch heute am Stammtisch bei Kmochs gelegentlich erzählt werden. „Wir sind so ein Grüppchen, aber nicht nur Steinarbeiter, das sich immer dienstags und freitags am Abend und sonntags auf einen kleinen Frühschoppen trifft.

Dorfpolitik am Stammtisch

Am Stammtisch wird nicht nur über die große Politik geredet, auch die Ortspolitik spielt oft eine Rolle. Vor allem, seit es in Demitz-Thumitz darum geht, das Granitdorf-Projekt lebendig werden zu lassen. „Gut, dass die Sache nun endlich in die Gänge kommt“, sagt Wolfgang Weber. Der 78-Jährige hat 27 Jahre, bis 1992 als Produktionsleiter im Steinbruch gearbeitet. Demitz sei spät dran, die Geschichte der Steinindustrie aufzuarbeiten, sagt er. „Das hätte mindestens zehn Jahre früher beginnen sollen.“

Eine Zeitlang trug Kmochs Gasthof den Spitznamen „Edel“. Warum das so ist – auch darüber zerbrechen sich Wolfgang Weber und Alt-Wirt Heiner Kmoch, der die Gaststätte bis 1998 geführt hatte, am Stammtisch den Kopf. Eine der Wirtsfrauen hätte gern Mokka-Edel, in der DDR ein beliebter Likör, getrunken, erzählt man sich in Demitz. Verbürgt ist das aber nicht. Andere Histörchen gehen oft auf Schabernack zurück, den sich die Steinarbeiter ausdachten, wenn schon ein paar Bierchen im Blut steckten. „Einmal brüstete sich einer damit, dass seine Frau für Sonntag riesige Rouladen brate. Da hat sich einer der Kumpels auf den Weg zur Frau gemacht und ihr erzählt, der Ehemann würde eine Wette verlieren, wenn er nicht mit den Rouladen zu Kmochs käme. Das wollte die Frau nicht. Sie packte zwei Rouladen in ein Gefäß. Als die in der Gaststube präsentiert wurden, war das Gelächter groß. Riesig waren die Fleischportionen nicht“, erzählt Heiner Kmoch. Noch heute lache man in Demitz auch über die Geschichte, nach der einer für einen Kasten Bier mal sonntags von Kmochs bis zur Schule in Unterhosen gelaufen sei, ergänzt Wolfgang Weber die lustigen Begebenheiten, von denen sicher auch die eine oder andere beim Hoffest am Wochenende wieder erzählt wird.

Hoffest bei Kmochs: heute 19 Uhr Tanz mit der Kapelle „Luniks“; Sonntag ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen; dazu spielt die Akkordeongruppe unter Leitung der Beredis. 17.30 Uhr Gastspiel Theater Wölkau mit „War das jetzt schon Sex?“