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Auf großer Fahrt mit dem unbekannten Nikolaus

Der heilige Mann ist gestern mit der Kleinbahn ins Gebirge gefahren und hat dabei mit einem Vorurteil aufgeräumt.

Von Holger Gutte

Da staunte gestern Sankt Nikolaus nicht schlecht. Teodor Hess ist extra aus der Schweiz bis nach Zittau gekommen, um den heiligen Mann mit der guten alten Zittauer Schmalspurbahn ins Gebirge zu fahren. Obwohl Teodor Hess in der Nähe von Zürich Zuhause ist, kennt der Eisenbahnfan die Strecke genau. Er fährt sie auch nicht zum ersten Mal. Der Urschweizer ist Ehrenlokführer bei der Zittauer Schmalspurbahn. „Das ist jedes Mal ein wunderschönes Erlebnis“, sagt er. Und sicherheitshalber stehen an seiner Seite im Führerhaus ja auch noch die eigentlichen Lokführer, Roland Schulz und Tobias Nicht.

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Sankt Nikolaus braucht sich also um seine Sicherheit keine Sorgen machen, als er kurz vor 9 Uhr am Zittauer Bahnhof in die Lok der Kleinbahn einsteigt. Im vergangenen Jahr hat er das zum ersten Mal gemacht. Und weil die Kinder von ihm so begeistert sind, hält ihn gestern an seinem Tag auch das stürmische Wetter nicht davon ab. Der Zug ist noch nicht mal losgefahren, da wird der heilige Mann gleich richtig gefordert. Die vier leuchtenden Kinderaugen, die ihn anstrahlen, wissen genau, wer er ist. Nur verstehen können die beiden ihn nicht. Auf seine alten Tage muss er wohl noch Tschechisch lernen. Aber die junge Mutti kann englisch. Und so ist sein Auftritt gerettet. Für jedes Kind, das an diesem Tag mitfährt, hat Sankt Nikolaus einen Schokoladenweihnachtsmann dabei. Es ärgert ihn ein wenig, dass er nirgendwo als Schokoladenfigur für die Kinder zu haben ist. Er nimmt es locker. Schließlich ist der bärtige Geselle sein bester Freund.

„Ich habe leider festgestellt, dass mich in der Oberlausitz nur wenige Kinder erkennen“, sagt der Nikolaus. Viele würden denken, der Nikolaus sieht aus wie der Weihnachtsmann. Aber dann könnte der ja gleich zweimal zu den Kindern kommen. Wenn er aber in den Grenzbahnhöfen auf Kinder aus unseren beiden Nachbarländern trifft, ist das anders. „Egal, ob ich mit dem Zug in Zittau, Görlitz, Sebnitz oder Bad Schandau einfahre, die tschechischen und polnischen Kinder erkennen mich sofort“, erzählt er. Sie können mit dem heiligen Mann sofort etwas anfangen. Das sollen nun bald auch die Oberlausitzer Kinder.

Und weil der Nikolaus nicht überall sein kann, ist bei der Soeg halt Alfred Simm nicht nur für das Marketing zuständig, sondern auch für die Vertretung des Nikolaus. Schließlich macht er das für die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde in Löbau schon seit der Wende. „Meine Tochter ist eigentlich schuld daran“, sagt er. Als sie ihn 1989 fragte, ob der Nikolaus und der Weihnachtsmann ein und derselbe Mann ist, wich er zunächst noch einer Antwort gekonnt aus.

Aber glücklicherweise ist auch Obercunnersdorfs Pfarrer Daniel Huth Mitglied im Verein der Eisenbahnfreunde. Und der griff die Frage gleich als Thema für die Jugendgruppe seiner Kirchgemeinde auf. „Ich bin stolz, dass ich jetzt wie ein richtiger Nikolaus aussehe“, sagt Alfred Simm. Am liebsten tritt er gemeinsam mit dem Weihnachtsmann auf. Da können die Kinder gleich den Unterschied zwischen beiden sehen. Der Nikolaus trägt keinen Mantel, sondern einen Umhang, und hat auch eine andere Kopfbedeckung. Sein geschwungener Bischofsstab zeigt gleich an, dass er ein heiliger Mann ist. Seit gestern wissen das auch wieder ein paar Kinder mehr in der Oberlausitz.

Immer wieder winkt Sankt Nikolaus gestern auf der Fahrt von Zittau nach Jonsdorf und nach Oybin den Menschen entlang der Strecke zu. Die meisten winken zurück. Überall freuen sich die Kinder, ihn gesehen zu haben. Eine Mutti schafft es schnell noch ein Foto zu schießen. Beim ehemaligen Zittauer Schlachthof fühlt sich eine junge Mutti ertappt, als sie über die Gleise eine Abkürzung wählt. Ihre kleine Tochter winkt aber begeistert.

Während sich trotz des prominenten Fahrgastes am Vormittag die Zahl der Mitreisenden noch in Grenzen hält, sieht das am Nachmittag schon ganz anders aus. Edda Mauermann, die Hortnerin des Kinderhauses in Jonsdorf kennt die Telefonnummer vom Nikolaus. „Sie hat extra gefragt, ob ich in diesem Jahr wieder mit dem Zug nach Jonsdorf fahre“, sagt er. Im vergangenem Jahr hätten sich die Kinder so sehr gefreut, als sie ihn dort am Bahnhof sahen. Deshalb haben sich die Hortner diesmal hier etwas Besonderes für sie einfallen lassen. Als die Kleinbahn kurz vor 15 Uhr von Jonsdorf wieder in Richtung Zittau fährt, durften sie den heiligen Mann nicht nur begrüßen, sondern mit ihm bis zum Bahnhof Bertsdorf fahren. Gleich gegenüber gab es für sie dann in der Gaststätte „Bahnhof Bertsdorf“ Kakao, Stollen und Pfefferkuchen. Sankt Nikolaus wird sie auch im nächsten Jahr wieder begrüßen, wenn er mit dem Zug am 6. Dezember wieder ins Gebirge fährt. Schließlich sollen ihn noch möglichst viele Kinder kennenlernen.