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Auf Holz klopfen hat ihm großes Glück gebracht

Sie haben hier gelebt, sind aber oft schon vergessen. SZ erinnert an historische Berühmtheiten, die in der Region gewirkt haben.

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Von Alexander Müller

„Alles was ich geworden bin, nahm in Niesky seinen Anfang.“ Dieses Kompliment machte der weltberühmte Architekt Konrad Wachsmann Niesky im hohen Alter, als er schon viele Jahre in Amerika lebte.

Dabei hatte Wachsmann gar nicht lange in Niesky gelebt und gewirkt. Lediglich die Jahre 1925 bis 1928 verbrachte er als Chefarchitekt der damals in Niesky ansässigen Firma Christoph & Unmack.

Konrad Wachsmann war 1901 in Frankfurt an der Oder geboren worden, als Sohn eines jüdischen Apothekers. Nach der Lehre des Tischlers und Zimmerers studierte er an der Kunstgewerbeschule in Berlin und in Dresden bei Heinrich Tessenow. Zurück in Berlin wurde er Meisterschüler des Architekturprofessors Hans Poelzig.

Unruhe treibt ihn nach Niesky

Dieser spürte auch die Unruhe Wachsmanns und dessen Unzufriedenheit an der Universität. Und so riet er ihm: „Geh zu Christoph und Unmack nach Niesky“. Das Unternehmen der zwei Dänen war 1887 gegründet worden und verdiente sein Geld mit der Herstellung zerlegbarer transportabler Baracken für das preußische Militär. Außerdem baute es Waggons und Stahlkonstruktionen und avancierte zum größten und bedeutendsten Holzhausproduzenten Europas.

In Niesky entstanden viele der verwirklichten Bauten Wachsmanns. Er entwickelte Holzhäuser, die industriemäßig gefertigt wurden. Er entwarf auch Hallenkonstruktionen für Bahnhöfe, außerdem Industriebauten, Hotels, Krankenhäuser, Schulen und Privathäuser. Bis heute sind die von ihm geschaffenen Bauten in der Region präsent. In Niesky gibt es noch immer 85 erhaltene Holzhäuser. Im sächsisch-brandenburgisch-schlesischen Raum weitere Hunderte historisch wertvolle Gebäude. Das in Niesky bekannteste ist das Wachsmannhaus, das ab 2007 von Grund auf saniert wird und der Erinnerung des großen Architekten dienen soll.

Das weltweit wahrscheinlich berühmteste fertiggestellte Projekt Wachsmanns steht allerdings im brandenburgischen Caputh. Albert Einstein hatte zu seinem 50. Geburtstag von der Stadt Berlin ein Grundstück geschenkt bekommen. Einstein wünschte sich ein Holzhaus darauf und Wachsmann verwirklichte 1929 den Auftrag.

Mit der Machtergreifung der Nazis endete Wachsmanns Zeit in Deutschland. Nach einem Studienjahr in Rom 1932 kehrte er nicht mehr zurück. Er hielt sich in Spanien und Frankreich auf und reiste 1938 in die USA aus. Dort traf er Walter Gropius, mit dem er 1941 eine Fertighausfabrik gründete.

Kurz vor Tod noch in der DDR

1949 wurde Wachsmann Professor am „Institute of Design“, später an den Universitäten Illinois, Salzburg und Los Angeles.

Der Staatsführung der DDR gelang es 1979, Wachsmann doch noch einmal in die Heimat zu holen. Der bewahrte jedoch Distanz und seinen Humor. „Die Majestäten in diesem Land scheinen die Kellner zu sein“, resümierte er nach einem Hotelaufenthalt in Dresden.

Konrad Wachsmann starb am 26. November 1980 in Los Angeles. Begraben ist er in seinem Geburtsort Frankfurt an der Oder.