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Auf Klausenberg wächst jetzt Chardonnay

Das Sörnewitzer Weingut Schuh stellt mit den 2.000 Jungreben weitere Weichen für die Zukunft. Neues zu probieren hat in dem Familienbetrieb Tradition.

Winzerazubi Julian Beckmann vom Weingut Schuh in Sörnewitz pflanzt Chardonnay-Jungreben auf dem Klausenberg.
Winzerazubi Julian Beckmann vom Weingut Schuh in Sörnewitz pflanzt Chardonnay-Jungreben auf dem Klausenberg. © Weingut Schuh

Coswig. Auf gerade einmal 2,02 der insgesamt 511 Hektar Rebfläche im Anbaugebiet Sachsen stand bisher Chardonnay. Jetzt muss das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie seine Statistik ändern. Denn das Weingut Schuh in Sörnewitz hat jetzt nach eigenen Angaben einen weiteren wichtigen Schritt in die Zukunft getan und genau 1.895 junge Chardonnay-Reben gepflanzt. Die Anbaufläche für diese Sorte erhöht sich damit um 0,3 Hektar.

„Bei der Entscheidung für diese Rebsorte hat auch der spürbare Klimawandel eine Rolle gespielt“, sagt Betriebsleiter Matthias Schuh. Als Winzer und Weinbautechniker hat er jede einzelne Rebe und deren Ertragsentwicklung ständig im Blick. „Im 30. Jahr unseres Bestehens haben wir Ende 2019 einen kleinen Teil unseres Goldrieslings gerodet und jetzt durch Chardonnay ersetzt“, so Matthias Schuh. Der Chardonnay steht auf dem wärmsten, sonnigsten und trockensten Teil des Klausenbergs auf leichtem Boden mit hohem Anteil von Syenit-Granit-Gestein rund 60 bis 70 Meter über der Elbe.

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Trauben aus acht Rebsorten

„Tatkräftige Hilfe hatten wir bei unserer Pflanzaktion von Freunden aus Berlin“, freut sich Matthias Schuh. Die Gastronomen aus dem POTS, dem Restaurant im Ritz-Carlton, und vom Carl & Sophie Spree Restaurant hatten wegen der Corona-Pandemie Zwangspause. „Da haben sich die Weinkenner entschlossen, nach Sachsen zu kommen und bei uns eine ganz andere Seite vom Wein in unserem Berg kennengelernt.“

Die Einzellage im Meißner Spaargebirge wird allein vom Weingut Schuh bewirtschaftet, aktuell gedeihen dort Trauben aus acht Rebsorten, darunter auch weiterhin der regionale Goldriesling. Aber auch Rotweine wie der Regent und der Dunkelfelder. Denn der Familienbetrieb zeigte sich auch in der Vergangenheit Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. So beträgt der Anteil der Rotweinsorten im Weingut Schuh 35 Prozent der Anbaufläche, während es sachsenweit nur 18 Prozent sind. Im Jahr 2003 waren es bei den Sörnewitzern sogar fast die Hälfte der Reben gewesen. Doch inzwischen ist der Anbau von roten Rebsorten in Sachsen wieder leicht rückläufig.

Dafür animiert der Klimawandel experimentierfreudige Winzer inzwischen auch zum Pflanzen neuer, bisher vor allem in südlicheren Gefilden verbreiteter Rebsorten. Allen voran der Chardonnay – eine der populärsten Rebsorten der Welt. „Bei der gut 300 Jahre alten Rebsorte Chardonnay haben wir uns bewusst um Ware aus französischen Rebschulen, also der Heimat des Chardonnays, entschieden“, sagt Matthias Schuh.

Große Varietät der Trauben

Die Stecklinge, die in der Rebschule auf Unterlagen gepfropft wurden, stammen aus Massenselektion verschiedener Chardonnay-Reben mit unterschiedlichen genetischen Eigenschaften. „Das garantiert uns eine große Varietät der Trauben“, so der Winzer. „Unser Ziel ist es, leichte und filigrane Weine mit feiner Säure auszubauen und damit unser Sortiment zu ergänzen.“ Zudem eignet sich Chardonnay auch für die Sektherstellung, was eine Alternative in weniger heißen und trockenen Jahren sein kann.

„Eine erste Ernte ist in drei, wahrscheinlich sogar erst in vier Jahren möglich“, sagt Winzer Matthias Schuh. Die Junganlage wird, wie alle anderen Junganlagen im Weingut Schuh, bewässert. Tröpfchenbewässerung wird für immer mehr Weinberge in Sachsen angesichts der zunehmend trocknen und heißen Sommer immer wichtiger werden.

Übrigens hatte Weingut-Gründer Walter Schuh als erster sächsischer Winzer 2003 die Rebenbewässerung am Klausenberg getestet und danach ausgebaut. Damals wurde die Menge der Niederschläge noch mit einem einfachen Glastrichter gemessen. Inzwischen erfasst das Weingut Schuh mit einer professionellen Wetterstation die lokalen Wetterdaten auf dem Klausenberg. „So haben wir sie immer aktuell und digital“, sagt Katharina Pollmer, die für das Marketing verantwortlich zeichnet. Die Daten fließen zudem in die Wettermodelle von Meteomedia des Meteorologen Jörg Kachelmann ein.

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