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Auf Reschkes nebulösen Spuren

Der frühere Bürgermeister ist im Gefängnis gestorben. Aus Anlass seines 200. Geburtstages darf er das sogar noch einmal verlassen.

© André Braun

Von Heike Heisig

Leisnig. Obwohl er schon fast 170 Jahre tot ist, fällt der Name Sigismund Reschke in Leisnig noch täglich, mehrfach. Wen wundert das. Reschke ist Namensgeber der Leisniger Grundschule. Aus diesem Grund begeben sich die Mädchen und Jungen in der kommenden Woche auf Spurensuche. Den Anlass dafür bietet der 200. Geburtstag Reschkes am 10. Juni.

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Auf den bereiten sich Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Leisnig schon seit Monaten vor. Sie haben einige Anstrengungen unternommen, um mehr über Reschke zu erfahren. Doch die Ausbeute ist spärlich, wie Vereinsvorsitzender Uwe Reichel dem Döbelner Anzeiger erzählt. Stadt- und Burgarchiv geben wenig her. Nicht einmal in Kirchenbüchern in Markneukirchen im Vogtland, wo Reschke geboren worden sein soll, gibt es angeblich noch Unterlagen. Manchem Heimatfreund habe sich bei den Recherchen der Eindruck aufgedrängt, dass die Lückenhaftigkeit der Papiere ihren Grund hat. „Reschke galt lange Zeit als Staatsfeind. Wahrscheinlich deshalb bleibt vieles im Dunkeln“, mutmaßt Uwe Reichel.

Von Sigismund Reschke ist überliefert, dass er sich als Kämpfer für Demokratie in der Freiheitsbewegung engagiert hat. Nach dem Fehlschlagen der Deutschen Revolution 1848/1949 kam er ins Amtsgerichtsgefängnis, was sich auf Burg Mildenstein befand. In den Museumsräumen hat Reschke inzwischen seinen Platz gefunden – in nachdenklicher Pose, den Blick nach unten gerichtet. Ob der ehemalige Leisniger Bürgermeister wirklich so ausgesehen hat, wie es die Requisite vermittelt, ist völlig offen. Denn von Sigismund Reschke gibt es kein Bildnis.

Schon damals war Reschke umstritten. Von Anhängern und persönlichem Hass seiner Feinde schreiben die Geschichtsbücher wie „Leisnig in 900-jähriger Geschichte“. Hinter Gittern soll Reschke widerrufen und damit Mitkämpfer verraten haben. In den 1960er-Jahren wird der Schule in Leisnig der Name aberkannt. Auslöser dafür, erzählt Uwe Reichel, soll eine Doktorarbeit und deren Empfehlung gewesen sein, Reschke nicht mehr zu ehren, weil er nicht revolutionär genug gewesen sei.

Noch heute gibt es unterschiedliche Meinungen zu Sigismund Reschke. „Doch wir vom Heimatverein wollen keine dreckige Wäsche waschen“, sagt der Vorsitzende. Reschke habe unumstritten Verdienste. Dazu gehöre die Mitbegründung des Leisniger Turnvereins 1848. Auch das werden die Leisniger Grundschüler beim Wandeln auf Reschkes Spuren gewiss herausfinden.

Über ihre Recherchen berichten die Kinder am Freitag, 8. Juni, ab 9 Uhr in einer Feierstunde in der Aula der Grundschule. Ihr Schulnamensgeber wird sich das anschauen – die Figur, die im Gefängnis auf Mildenstein sitzt, darf für diese Zeit in der Aula Platz nehmen. Für 10.30 Uhr ist das symbolische Pflanzen eines Lindenbaumes geplant. Der soll zunächst im Container weiterwachsen, bis der Lindenplatz vor den Leisniger Schulen neu gestaltet wird. Bereits um 7.30 Uhr kommen die Mädchen und Jungen auf dem Friedhof zusammen. Dort befindet sich auf der Ostseite ein Ehrenmal. „Das werden wir bei einem Arbeitseinsatz am Sonnabend um 9 Uhr wieder freischneiden und zugänglich machen“, kündigt Uwe Reichel an. Helfer seien da sehr willkommen. Bisher hat sich der Kulturbund um die Grabstelle gekümmert.

Folgen soll eine weitere Veröffentlichung im „Neuen Mildensteiner Erzähler“. Darüber hinaus lässt der Heimatverein mit Zuwendungen aus der Charlotte-Weiß-Stiftung eine Tafel anfertigen. Die soll an der Schule hängend in wenigen Sätzen etwas über Reschke „sagen“.

Termine rund um Reschke: 2. Juni: 9 Uhr, Friedhof Leisnig, Arbeitseinsatz; 8. Juni: ab 7.30 Uhr Projekttag für die Mädchen und Jungen der Grundschule mit öffentlichem Baumpflanzen um 10.30 Uhr am Lindenplatz