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Auf Streife beim Stadtfest

Ein unnötiger Rettungseinsatz, eine Anzeige wegen Körperverletzung und viele Betrunkene. Was Polizisten unterwegs erlebten.

Aussage gegen Aussage: Auf dem Stadtfest nehmen die Streifenpolizisten Doreen Feydt (v. l.), Doreen Scheunemann und Martin Hotzel die Personalien eines Mannes auf, der zwei Besucher attackiert haben soll. Er schildert die Situation jedoch anders.
Aussage gegen Aussage: Auf dem Stadtfest nehmen die Streifenpolizisten Doreen Feydt (v. l.), Doreen Scheunemann und Martin Hotzel die Personalien eines Mannes auf, der zwei Besucher attackiert haben soll. Er schildert die Situation jedoch anders. © René Meinig

Martin Hotzel wartet auf den Rettungswagen, als er plötzlich überrascht wird. Zwei Kollegen der Streifenpolizei arbeiten sich aus der Partymasse am Elbufer und kommen zielstrebig auf ihn zu. Gegen Mitternacht taumeln hier die Ersten. Sie flirten und grölen, sind betrunkene Könige der Stadt. Hotzel dreht sich um. Rechts von ihm hockt eine Frau am Boden. Sie ist umgeknickt und braucht einen Arzt. Links von ihm haben die Kollegen zwei Männer im Schlepptau.

Einer hält sich die Wange. Mit großen Gesten, die Hand zur Faust geballt, berichten die jungen Afghanen leicht aufgepeitscht, was ihnen gerade passiert ist.

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
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Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Weit nachdem Popstern Joris den Theaterplatz mit einer ausgeklügelten Show zum Tanzen gebracht hat, weit nachdem rund 350 Sicherheitsmänner Stadtfest-Besuchern offene Bierflaschen und Taschenrutscher-Schnäpse abgenommen haben, geht es für die Fußstreife auf dem Dresdner Stadtfest richtig los. Martin Hotzel ist nicht das erste Mal im Einsatz. Zusammen mit Doreen Feydt und Doreen Scheunemann dreht er seit Freitag Runden über das Gelände. Sie sind nur ein Team des Polizeireviers Mitte, das am Wochenende mit rund 50 Mitarbeitern präsent ist. Am frühen Samstagabend beschreibt Hotzel seinen Job noch recht entspannt – und mit Humor. „Eigentlich sind wir eine laufende Informationsquelle.“ Wo sind die nächsten Toiletten, wo ist die Frauenkirche, was ist der Unterschied zwischen Polizei und Polizeibehörde – diese Fragen hätten er und seine Kolleginnen während der Open-Air-Sause mehrfach beantwortet. Doch in der Nacht wird auch er ernster.

„Zweimal hat er mit der Faust zugeschlagen. Davor einmal mit der flachen Hand. Warum? Warum passiert so etwas“, fragt der junge Mann und macht große Augen. Ein Security am Einlass der Rummeldisko soll ihn abgewiesen und attackiert haben. Hotzel leuchtet dem Mann mit der Taschenlampe ins Gesicht. „Ja, man sieht was“, kommentiert Kollegin Doreen Feydt die Schwellung. „Ich könnte das zurückgeben, aber das will ich nicht“, erklärt der Mann. Sein Freund macht klar, beide würden an die Polizei glauben. Deshalb hätten sie schnell Hilfe gesucht. Jetzt soll der Security mit dem Vorwurf konfrontiert werden. Der Geschädigte möchte Anzeige wegen Körperverletzung erstatten. Und genau jetzt trifft der Krankenwagen mit Blaulicht ein.

Die Sanitäter kommen herangeeilt, wollen die Verletzte mitnehmen, bieten an, sie ins Krankenhaus zu bringen. Doch die Dresdnerin wehrt ab, kann auf einmal wieder gehen und meint: „So schlimm ist es gar nicht.“ Umsonst ausgerückt.

Feydt und Scheunemann wünschen einen schönen Abend. Ein kurzer Blick zwischen den beiden verrät jedoch, dass sie so ein Verhalten zumindest unglücklich finden. Allerdings: „So was passiert immer wieder. Das ist Alltag“, meint Feydt. Im September ist sie seit 25 Jahren im Dienst – nach all der Zeit sehe sie Dinge anders, könne gelassener mit bestimmten Situationen umgehen. Ihre Rolle beschreibt sie klar: „Wir sind präsent, wir helfen weiter. Wir kommunizieren und sind ansprechbar, wenn es Probleme gibt.“ In der Praxis sieht das häufig freundschaftlich und locker aus, ohne elitäres Auftreten. Die drei führen eine Strichliste der besten und auch sinnfreisten Sprüche. Denn immer wenn sie über das Stadtfest gehen, regnet es Bemerkungen. „Freund und Helfer“ bekommt am Samstagabend den sechsten Strich. Aber auch ein „Danke“ wird notiert. Unter anderem das der beiden Afghanen.

Die Konfrontation verlief sachlich – der Sicherheitsmann behauptet, dass er von beiden angesprungen wurde und sich daher gewehrt habe. Er will Gegenanzeige erstatten. Dann werden die Männer aufs Revier gefahren, um ihre Anzeige zu machen.

Auf dem Rückweg ins Lagezentrum kommt per Funk eine Durchsage: Schlägerei auf der Augustusbrücke, eine Person festgenommen. Hotzel, Feydt und Scheunemann schlendern weiter. Nicht ihr Auftrag. Auf dem Mittelaltermarkt liegt ein Mann am Boden. Sie erkundigen sich, ob alles in Ordnung ist. Ein Freund kommt zu Hilfe, hakt den jungen, gut Betrunkenen unter. Und weg sind sie.

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