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Auf Tuchfühlung mit Fischotter und Biber

Die Teichwirtschaft Zschorna will einen Naturlehrpfad einrichten – sie bekam dafür einen Preis beim Heidebogen-Ideenwettbewerb.

Hier soll eine Station des Zschornaer Naturlehrpfades entstehen: Betriebsökonom Erik Angermann am Westufer des Brettmühlenteiches.
Hier soll eine Station des Zschornaer Naturlehrpfades entstehen: Betriebsökonom Erik Angermann am Westufer des Brettmühlenteiches. © Anne Hübschmann

Zschorna. Hobby-Ornithologen und Camper wissen es seit langem: Das Zschornaer Teichgebiet ist ein kleines Naturparadies. Hier kann man Gänse- und Entenschwärme beobachten, die auf dem Vogelzug Rast machen. An den Wasserläufen baut der Biber seine Burgen, geht der Fischotter auf Jagd. Selbst einzelne Wölfe wurden schon gesichtet. Dabei ist die Gegend eine Kulturlandschaft, die schon seit Jahrhunderten für Ackerbau, Viehzucht und Binnenfischerei genutzt wird. „Das muss kein Widerspruch sein“, sagt Erik Angermann von der Zschornaer Teichwirtschaft. „Viele Biotope sind ja erst durch die Anlage von Teichen oder Wiesen entstanden.“

Menschliches Wirken kann die Natur nicht nur schädigen, sondern durchaus positive Entwicklungen mit sich bringen. Diesen Zusammenhang will der Fischwirtschaftsbetrieb mit einem Naturlehrpfad durch die Teichlandschaft verdeutlichen. Der Rundweg soll von Zschorna aus nach Kleinnaundorf und wieder zurück führen – insgesamt knapp elf Kilometer mit zehn Stationen. Mit der Idee hat der AVD Angelservice-Teichwirtschaft Zschorna den dritten Platz beim Ideenwettbewerb des Dresdner Heidebogenvereins zur Landschaftspflege belegt und ein Preisgeld von 2.000 Euro bekommen.

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An den Stationen sollen Schulklassen, Familien mit Kindern, aber auch die Naherholungssuchenden vom Zschornaer Campingplatz über teichwirtschaftliche, ökologische und naturschutzfachliche Zusammenhänge aufgeklärt werden. Eine davon wird bei der Biberfamilie sein, die mit ihren Dämmen den Auwald überflutet. „Die Tiere fällen und verwerten zum Beispiel die jungen Weiden, die wir sonst an den Teichrändern beseitigen müssten“, erklärt Erik Angermann. „Und sie vergraulen die Nutrias, die die Uferbereiche untergraben.“ Das sei für die Teichwirte eine sehr nützliche Form der Kooperation.

Teichkontrollrunde als Rundweg

Angermann und seine Kollegen habe genaue Vorstellungen, was an den einzelnen Stationen gezeigt werden und wo diese eingerichtet sollen. Schließlich entspricht der Verlauf des Rundweges in etwa der Teichkontrollrunde, die die Binnenfischer täglich abfahren. Auf Schautafeln soll das Leben der Fischotterfamilien, der Lurche und Reptilien, die Rothirschbrunft erläutert werden. Eine Station wird sich den verschiedenen Pilzarten widmen – schließlich gilt Zschorna als bestes Sammelgebiet der Region. Die Wasservögel im Vogelschutzgebiet werden natürlich eine zentrale Rolle spielen, aber auch der seltene Juchtenkäfer im Eichenwald bekommt seine Würdigung. Ebenso die Wasserkraftanlage am Kleinnaundorfer Springbach, wo grüne Energie gewonnen wird.

Die Kosten für Schautafeln und Wegebeschilderung, die ausschließlich auf Betriebsgelände stehen werden, veranschlagt die Teichwirtschaft auf 25.000 Euro. Neben dem Preisgeld sollen dafür Fördermöglichkeiten genutzt und Eigenmittel investiert werden. Bekanntgemacht soll der Naturlehrpfad über verschiedene Wanderportale im Internet. Weil Zschorna quasi vor den Toren Dresdens liegt und durch den Campingplatz in der Landeshauptstadt eine gewisse Bekanntheit hat, hofft Erik Angermann auf reges Publikumsinteresse. 

So könnte der Rundwanderweg durchs Zschornaer Teichgebiet aussehen.
So könnte der Rundwanderweg durchs Zschornaer Teichgebiet aussehen. © AVD Angel Service

Das Projekt der Teichwirtschaft war eine von insgesamt 27 eingereichten Wettbewerbsideen zur Landschaftspflege. Die ersten beiden Plätze belegten grüne Schulprojekte aus Königsbrück und Schwepnitz. Als weitere Platzierte wurden mit 1.000 Euro prämiert: Natur- und Heimatverein Kraußnitz e. V. für die Neugestaltung der Parkanlage Kraußnitz als Blühparadies für Bienen und Insekten; Norbert Sauer aus Großenhain für die Reaktivierung von Sachsens ältestem Freilichtmuseum; Heimatverein Kalkreuth e. V. für die Renaturierung und touristische Erschließung der Schafbrücke sowie Stadtverwaltung Großenhain für die grüne Mitte in Weßnitz.

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