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Auf Wachstumskurs

Die Freitaler Glashütte hat ein neues Lager eröffnet. Das ist der Start für eine Mega-Investition – und neue Arbeitsplätze.

© Karl-L. Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Für die riesige Halle, in der Hans-Bernhard Führ steht, könnte man sich viele Nutzungen vorstellen – ein Fußballfeld zum Beispiel oder eine Go-Kart-Halle. Doch der Geschäftsführer der Freitaler Glashütte mit Sitz an der Dresdner Straße hat keine Zeit für solche spielerischen Gedanken. Die neue Lagerhalle, die jetzt gerade fertig geworden ist, dient klar zwei unternehmerischen Zielen: Sie soll Tausenden Flaschen und Gläsern einen trockenen und lichtgeschützten Platz bieten – und die Voraussetzung dafür schaffen, dass die Glashütte mächtig wachsen kann.

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Etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld und rund zehn Meter hoch ist die neue Lagerhalle. Bis zu 5 000 Paletten befüllt mit Tausenden Flaschen und Gläsern haben hier Platz. Rund eine Million Euro hat Führ in die Bauarbeiten, die im Mai begonnen haben, investiert.

Der Bau war zum einen nötig geworden, weil die Produktpalette in den vergangenen Jahren stetig erweitert wurde. Mittlerweile werden in dem Werk rund hundert verschiedene Flaschen und Gläser hergestellt – und das in drei verschiedenen Farben. Bei also rund 300 Produkten müssten die Maschinen, die das flüssige Glas in Form bringen, auch 300-mal umgebaut werden. Das aber wäre umständlich und unwirtschaftlich. Deswegen wird auf Vorrat produziert, was wiederum ein großes Lager nötig macht. Zum anderen plant Führ eine Kapazitätserweiterung. „Deswegen ist die Lagerhalle auch jetzt noch nicht komplett gefüllt“, sagt er.

Im kommenden Jahr, so der Plan, will der 69-Jährige einen weiteren Ofen für die Glasschmelze zusätzlich zu dem bestehenden aufbauen. Hinzu kommen zwei Maschinenbänder, wo Gläser und Flaschen in Form gebracht werden. Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag will Führ dafür ausgeben. „Damit werden wir unsere Produktion verdoppeln“, sagt er. Statt wie heute 75 Millionen Gläser und Flaschen pro Jahr sollen es künftig bis zu 150 Millionen Stück sein, die in Freital vom Band laufen.

„Wir können den Bedarf nicht mehr decken“, gibt Führ als Grund für die Investition an. Die Freitaler Glashütte bezeichnet sich selbst als kleinste Glashütte Europas – und hat daraus in den vergangenen Jahren eine Marke gemacht. Bei Massenproduktionen kann das Werk, was den Preis angeht, nicht mit den Großproduzenten mithalten. Bei relativ kleinen Serien sieht das schon wieder anders aus. Weil die Maschinen klein sind, ist ein Umbau mit neuen Formensätzen schneller machbar und kostet weniger als bei großen Einheiten. Die Glashütte ist also flexibler als andere – auch, weil das Unternehmen unabhängig arbeiten kann. Seit 2013 gehört das Unternehmen nicht mehr zur in Wilsdruff ansässigen Preiss-Daimler-Gruppe, der größten konzernunabhängigen Unternehmensgruppe in Sachsen.

Trend zu individuellen Flaschen

„Der Trend geht mehr zu individuellen Flaschen“, sagt Führ. In Flaschen mit dem Markenzeichen GHF wird beispielsweise edles französisches Mineralwasser abgefüllt – oder Hochprozentiges aus Südamerika. Zu den Kunden gehört schon seit Längerem die Winzergenossenschaft Meißen. Seit 2015 produziert die Glashütte unter anderem die sogenannte Sachsenkeule – eine bauchige Flasche – auf Wunsch eines Winzers nicht für Korken-, sondern für Schraubverschluss. Zuletzt hatte sich auch der Nudossi-Hersteller, die Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren aus Radebeul, entschieden, eine Edel-Variante der Haselnusscreme in Freitaler Gläsern statt im Plastebecher zu verkaufen. Solche und andere Unternehmen setzen auf die Glashütte und ihr Angebot. „Es gibt eine erhebliche Nachfrage“, sagt Führ.

Wenn ein Kunde eine Idee für einen bestimmten Flaschentyp hat, dann setzt er sich mit dem Designer der Glashütte zusammen. Dieser entwickelt dann einen Entwurf, der per 3-D-Druck auch plastisch dargestellt wird. Entscheidet sich der Kunden für diesen Entwurf, wird mit einer Musterform eine erste Glasflasche produziert. Wenn der Kunde anschließend sein Okay gibt, bestellt die Glashütte die Formensätze, die Maschinen werden umgebaut und die Produktion der Flaschen kann beginnen. Drei bis vier Monate dauert dieser Prozess.

Führ hofft, dass die Erweiterung im kommenden Jahr über die Bühne gehen kann. Die Anträge für den Aufbau des neuen Ofens und den Betrieb der neuen Anlagen seien gestellt. Nun prüft die zuständige Landesdirektion unter anderem, ob sie zum Beispiel allen umweltschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen. Läuft alles nach Plan und produziert die Glashütte ab Ende 2018 doppelt so viele Gläser und Flaschen, rechnet Führ auch mit deutlich mehr Arbeitsplätzen im Werk. Derzeit sind dort 86 Menschen beschäftigt. Der Geschäftsführer schätzt, dass nun 30 bis 35 Arbeiter zusätzlich gebraucht werden – vor allem Schichtarbeiter, aber auch Elektriker und Schlosser.