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Auf Wohnungssuche

Soziales. Eine WG fürJugendliche soll möglichst bald im Dresdner Norden entstehen. Benötigt wird dafür eine Vier-Zimmer-Wohnung.

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Von Iris Schmidt

Dresdner Norden. Sie sind schon von Pontius zu Pilatus gelaufen, also von Klotzsche nach Langebrück und Weixdorf, haben mit den Wohnungsgesellschaften und der Kirche, mit privaten Vermietern und den Ämtern geredet. Aber bisher hatten die beiden Mittdreißiger kein Glück. „Wir suchen dringend eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus“, sagt Jeannine Auguszt. Sie und ihr Partner Martin Jetter betreuen unter anderem Kinder und Jugendliche in allen Lebenslagen und -fragen. „Wenn sich zum Beispiel der Abnabelungsprozess sehr schwierig gestaltet, dann ist meist schon viel gewonnen, wenn man ein Ausweichquartier für eine Auszeit anbieten kann“, so Jetter. Natürlich immer einvernehmlich. Man käme durch den Abstand voneinander wieder dazu, stressfrei nachzudenken. Vom Dresdner Jugendamt in die Spur geschickt, wollen sie eine „stationäre Unterbringung“ für drei von etwa 14 Jugendlichen aus dem Dresdner Norden einrichten. Noch sind die Mädchen und Jungen über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Sollte die Wohnungssuche erfolgreich sein, dann könnten sie in ihrer vertrauten Umgebung leben. „Es geht uns darum, dass sich das Leben in der WG so realitätsnah wie möglich gestaltet“, sagt Jeannine Auguszt, mit Rechten und Pflichten. „Also nicht in einer super sanierten Jugendstilvilla“. Aber das Unterfangen scheint schwierig. „Es ist nicht so, dass wir nur auf Ablehnung stoßen. Spenden sind einige eingegangen. Aber bisher hatten wir leider keinen Erfolg mit der Wohnung“, so Jetter. Und daran hängt eben das gesamte Projekt. Dabei sind alle praktischen Fragen wasserdicht geregelt. Der Vermieter bekäme natürlich pünktlich seine Miete, die Obhut für die Jugendlichen ist gewährleistet, auch wenn nicht Tag und Nacht ein Betreuer vor Ort ist. „Bisher gibt es in Klotzsche oder Weixdorf kein Projekt dieser Art“, so die junge Sozialpädagogin. Aber der Bedarf sei durchaus da, ergänzt ihr Partner. „Auch in den wohlsituierten Stadtteilen und in nach außen hin intakten Familien gibt es schwere Probleme“, so Jetter weiter. Gutbürgerliche Familien von Ärzten sind ebenso betroffen, wie die von Hartz-IV-Empfängern. „Der Druck ist so groß, manchmal die Überschuldung so hoch, dass es zu schweren Konflikten kommt“, nicken die beiden. Sie kennen die Unsicherheit in den Familien, die Zukunftsangst. Denn niemand könne heute dafür garantieren, dass das Leben in fünf Jahren noch in den gleichen Bahnen verliefe, wie heute, schätzt Jetter. Das habe Auswirkungen auf die Psyche und das Zusammenleben, ganz klar. Aber um wirksam zu helfen, brauche man eben ein Domizil...