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Aufbruchstimmung auf dem Bauernhof

Mittlerweile sind die ersten Seniorenwohnungen in Leutewitz bezogen – und weitere Neuerungen geplant.

Kaffeekränzchen mit den Bewohnern: Anett Pimmé, Edgar Sauer (beide links) und Annett Kazar (hinten r.) bilden künftig gemeinsam die drei Köpfe im Sonnenhof in Leutewitz. Mit den Mietern der Seniorenwohnungen im Obergeschoss verstehen sie sich sehr gut.
Kaffeekränzchen mit den Bewohnern: Anett Pimmé, Edgar Sauer (beide links) und Annett Kazar (hinten r.) bilden künftig gemeinsam die drei Köpfe im Sonnenhof in Leutewitz. Mit den Mietern der Seniorenwohnungen im Obergeschoss verstehen sie sich sehr gut. ©  Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Der Vormittag beginnt mit einem kleinen Kaffeekränzchen auf der Dachterrasse. Die Tassen und Gläser stehen dicht gedrängt auf einem kleinen Tischchen, ringsherum haben Edgar Sauer und Anett Pimmé schon die Stühle aufgebaut. Von den Plätzen aus haben die Bewohner des Sonnenhofs einen guten Überblick über den Hof. „Auf der Dachterrasse sitzen die Bewohner gerne, treffen sich zum Trinken und um sich zu unterhalten.“ Auch an diesem Vormittag wird viel geflachst und gelacht. Die Stimmung ist gut, die Sonnenhof-Betreiber Sauer und Pimmé sind mit ihren Mietern per Du.

Vor einem reichlichen Jahr war das gesamte Obergeschoss des Sonnenhofs in Leutewitz noch eine Baustelle gewesen. Nun sind die ersten Senioren eingezogen. „Ich habe vorher in Althirschstein gewohnt“, erzählt Renate Herrmann. Anfang Juni war die 82-Jährige nach Leutewitz gezogen. 

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Die Kinder halfen mit, alleine hätte sie es schließlich nicht geschafft. In ihrem Zimmer hat es sich Renate Herrmann mittlerweile gemütlich eingerichtet. Ein Plüschhund sitzt auf dem mintgrünen Sofa, darüber ragen die Holzbalken des Dachbodens durch den Raum. Freiwillig wollte Renate Herrmann nicht noch einmal umziehen, sagt sie.

 „Aber meine alte Wohnung war im zweiten Stock, und ich habe mittlerweile große Probleme mit dem Rücken.“ Im Sonnenhof gebe es einen Aufzug, und zwischenmenschlich klappe es auch super. „Wir verstehen uns alle gut und fühlen uns wohl.“

Kleines Foto: Renate Herrmann zeigt ihr Zimmer. Sie wohnt seit Juni im Leutewitzer Hof. 
Kleines Foto: Renate Herrmann zeigt ihr Zimmer. Sie wohnt seit Juni im Leutewitzer Hof.  ©  Klaus-Dieter Brühl

Mittlerweile sind von den sieben Wohnungen im Sonnenhof die ersten fünf belegt, erklärt Edgar Sauer. „Die Bewohner sind hier zum Teil regelrecht aufgeblüht“, sagt er. Der Landwirt hatte den Hof im Riesaer Ortsteil Leutewitz 2007 gekauft und nach einer sinnvollen Nutzung für die einzelnen Gebäude gesucht. Im vergangenen Jahr öffnete zunächst im Erdgeschoss des ehemaligen Stallgebäudes eine Tagespflege.

 Die bekommt zum Jahreswechsel einen neuen Betreiber, erklärten Edgar Sauer und Anett Pimmé. Zu den Hintergründen wollen sie sich in der Öffentlichkeit nicht weiter äußern. Man gehe eben nun getrennte Wege. 

Mit Annett Kazar steht schon eine neue Betreiberin bereit, und künftig sollen Tagespflege und Pflegedienst als GmbH mit dem Namen „Seniorengut Sonnenhof“ unter einem Dach vereint sein – mit dem Trio Pimmé, Sauer und Kazar an der Spitze. Über den Wechsel soll am Sonntag, 11. August, ab 14 Uhr noch bei einer Veranstaltung im Hof informiert werden.

Neben dieser eher organisatorischen Veränderung haben die Betreiber des Hofs aber noch ganz andere Zukunftspläne. Derzeit wird das nächste Nebengebäude umgebaut. Auch dort will Edgar Sauer Wohnungen einrichten. 

Mittelfristig soll im derzeit noch verhangenen Gebäude gegenüber noch ein Hofcafé entstehen, in dem sich die Senioren aufhalten können und in dem auch Musik gemacht werden kann. „Wir wollen etwas bieten, das anders ist“, sagt Pimmé. In normalen Seniorenheimen bleibe das Zwischenmenschliche oft auf der Strecke, das will die gelernte Erzieherin vermeiden, so gut es geht.

Mit der neuen Pflegedienst-Betreiberin Annett Kazar hoffen Sauer und Pimmé, die Richtige dafür gefunden zu haben. Sie habe schon in ihrem früheren Pflegedienst keinen Dienst nach Vorschrift machen wollen. „Dafür habe ich den Beruf nicht gelernt“, sagt sie. Sie habe sich deshalb auch mal ein paar Minuten für ein Gespräch mit den Senioren genommen, die sie gepflegt hat – auch wenn sie dann Gefahr lief, nicht ganz pünktlich beim nächsten Klienten zu sein.

Ein großes Ziel lautet außerdem Selbstversorgung. Die ersten Hochbeete sind schon aufgebaut, weitere sollen folgen. „Außerdem träume ich davon, dass jeder Bewohner ein eigenes Huhn bekommen kann“, sagt Edgar Sauer und schmunzelt. Ein Backofen fürs eigene Brot ist ebenso angedacht. 

Die älteren Bewohner, die das ländliche Leben kennen, sollen sich möglichst wie früher fühlen und selbstbestimmt ihren Lebenabend verbringen können, sagt Anett Pimmé – und gibt gleich noch ein ehrgeiziges Ziel aus: „Ich will, dass jeder hier mindestens 100 Jahre alt wird.“ Wenn sie die rüstigen Bewohner des Sonnenhofs jetzt betrachte, mache sie sich da eigentlich keine Sorgen.

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