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Auferstehung der Mumien

Nach vier Jahren öffnet die Riesaer Gruft wieder. Ein einmaliges Erlebnis – Gänsehaut garantiert.

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Eine besondere Attraktion wird von der Riesaer Klosterkirche in den Monaten August und September wieder angeboten. Erstmalig nach vier Jahren können die mittelalterlichen Mumien in den Grüften der Klosterkirche wieder besichtigt werden. Seit 2009 blieb der Öffentlichkeit der mystische Anblick der in Leinen und Tücher gehüllten Toten verborgen. Schuld waren die fortwährenden Bauarbeiten an der Klosterkirche, die einen Zugang verhinderten – doch es gibt auch andere Gründe.

„In der Gruft wurden zuletzt Vorbereitungen getroffen, der Putz ausgebessert, die Schutzscheibe überprüft und auch die Beschriftungen erneuert“, sagt Andreas Wolf von der Gemeinde. Ab Sonnabend, dem 31. August, werden dann wieder Gruftführungen möglich sein. Die Führungen werden jedes Wochenende – manchmal an beiden, manchmal nur an einem Wochenendtag – stets von 14 bis 18 Uhr stattfinden. Der letzte Blick in die Gruft kann am Sonnabend, dem 28. September, erhascht werden. Danach wird die Gruft wieder für lange Zeit geschlossen bleiben – die Kirchenbesuche mit speziellem Gruseleffekt werden dann wieder auf sich warten lassen. „Es handelt sich hierbei um eine historische Grabstätte und nicht um ein öffentliches Museum. Die Totenruhe wollen wir nicht stören“, so Andreas Wolf.

Die in ihrer Totenruhe verweilenden Mumien wurden erstmals 1811 entdeckt. Eine amtliche Untersuchung von verschiedenen Fachleuten fand 1828 in der Gruft unter dem Altar statt. Dabei wurde festgestellt, dass sich knapp 30 Tote in der Gruft befinden, von denen jedoch nicht alle der Öffentlichkeit gezeigt werden können – aus ästhetischen und ethischen Gründen. Die Mumien sind 150, 200 oder 300 Jahre alt. Alle Toten der Klosterkirchen-Gruft wurden durchweg ausgetrocknet und auf natürlichem Wege mumifiziert. Erstmals gezeigt wurden sie in den 70er Jahren und Mitte der 80er Jahre. Dann bestand der damalige Pfarrer auf Totenruhe und unterband das Ausstellen der Ahnen.

Dass die Riesaer Mumien auch heute noch nur selten für die Öffentlichkeit zugänglich sind und in Zukunft auch nicht touristisch vermarktet werden sollen, wurde bereits 2010 von der Kirchgemeinde verdeutlicht. Ein Dauerzugang stehe nicht zur Debatte, wie Pfarrer Johann Stein im Juni 2010 erklärte. Eine beständige Schließung und nur gelegentliche Öffnung der Gruft sei abgesehen von der Totenruhe zwingend nötig, um den Wert der Mumien zu erhalten und nicht zu viel Luftzirkulation und -feuchte zuzulassen. Stein räumte aber auch ein, dass es von außerhalb durchaus des Öfteren Ideen und Anstöße gebe, die Riesaer Mumien als Gästemagnet einzusetzen. Auch seitens der Rathausspitze habe es schon sanfte Vorstöße gegeben.

Bekannt sind die Ahnen aus Riesas Gruft trotzdem über Sachsens Grenzen hinaus. Zwei Kindermumien aus Riesa waren bereits Teil der Sonderausstellung „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ im Kasseler Museum für Bestattungskultur. Von November 2009 bis April 2010 wurden die Mumien in Kassel gezeigt. „Wegen eines ständig kühlen Luftzuges in der Gruft sind die Riesaer Mumien nicht verwest und auch die Kleidung der Toten und Grabbeigaben wie Blumen, Schmuck, Bücher und Kreuze sind in gutem Zustand“, erklärte Reiner Sörries, der Direktor des Kasseler Museums. Und genau diese gut erhaltenen Mumien und ihr einmaliger, wenn auch ziemlich gruseliger Anblick werden nun wieder für wenige Wochen zu sehen sein – wer weiß wann diese Chance wiederkommt. Rückfragen unter 03525 62010.

Kevin Schwarzbach