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Aufräumen am Kötitzer Badesee

Die Elbeflut im Juni hatte den Damm eingedrückt. Der Schaden ist groß. Der Natursee wird jetzt flutsicher gemacht.

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© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Der Kötitzer Badesee ist derzeit eine Großbaustelle. Im Viertelstundentakt fahren mit Muttererde beladene Lkw vor. Bagger laden den Sand ab, Männer mit kleinen Walzen verteilen ihn. Gleichzeitig dröhnen die Dieselaggregate von Baumaschinen am anderen Ende des Natursees. Erde wird weggebaggert. Bauarbeiter verschrauben Holzplatten zu Verschalungen. Der Betreiber des Kötitzer Badesees, die Technischen Werke Coswig (TWC), arbeitet an zwei Fronten gleichzeitig in Kötitz. Der Natursee wird flutsicher gemacht.

„Der südliche Damm des Sees wird neu aufgeschüttet und am tiefsten Punkt bekommt er eine Scharte“, erklärt TWC-Mitarbeiter Torsten Meyer. Der Grund für den Aufwand: Wie schon bei der Jahrhundertflut 2002 hielt der Damm auch im vergangenen Juni den Elbefluten nicht stand. Nach der Katastrophe vor elf Jahren wurde der See zwar aufwendig saniert. Sogar zwei dicke Rohre ließ die TWC einbauen, die geöffnet und geschlossen werden können, um den See zu fluten oder zu leeren.

Als die Elbe diesmal kam, funktionierte der Mechanismus aber nicht wie gehofft. „Der Plan war, so von innen ein Gegengewicht zu den von außen auf den Damm drückenden Wassermassen der Elbe zu schaffen, damit der diesen standhält“, sagt Meyer. Doch daraus wurde nichts.

„Das Wasser ist zwar in den See geströmt, aber langsamer, als es vor dem Damm gestiegen ist.“ Deshalb wurde dieser erneut beschädigt. Teile der Böschung rutschten ab, Bäume wurden entwurzelt. Allerdings waren die Schäden nicht so schlimm wie vor elf Jahren. Trotzdem muss der See erneut saniert werden.

Etwa 1 000 Kubikmeter Mutterboden lässt Meyer deshalb auf dem Damm verteilen. Das sind etwa 100 Lkw-Ladungen. Mit Walzen und Rüttelplatten wird der Sand anschließend verdichtet. Der Erdwall wird massiver als je zuvor.

Ob er einer erneuten Flut standhält, ist aber unklar. Darauf ankommen lassen will es der TWC-Mann aber nicht. „Deshalb bauen wir die Scharte ein“, sagt Meyer. Was sich im Ingenieursdeutsch schwierig anhört, ist in Wirklichkeit ein etwa 50 Meter breiter Überlauf in U-Form am tiefsten Punkt des Dammes. Direkt am See wird der Überlauf betoniert. Davor schütten Bauarbeiter Erde und große Steine auf, um den Damm zu befestigen. „Die Scharte liegt dann gut 50 Zentimeter tiefer als der restliche Damm“, erklärt Meyer.

Bis zu einem Elbepegel von 7,70 Metern soll das Bauwerk zukünftig Schutz bieten. Steigt das Wasser jedoch wie im letzten Juni zu schnell an, kann sich die Elbe kontrolliert über die Scharte in den See ergießen. Dadurch soll verhindert werden, dass bei einem erneuten Hochwasser wieder Teile der Böschung abrutschen.

„Bis zum Saisonstart im Mai wollen wir mit der Arbeit fertig sein“, sagt Meyer. Er ist optimistisch, dass der Zeitplan des etwa 380 000 Euro teuren Projektes eingehalten werden kann. „Im Moment stehen Erdarbeiten an, die können wir auch bei Schnee durchführen.“ Der Beton rund um den Überlauf kann jedoch erst bei stabilen fünf Grad Celsius gegossen werden. „Zu lang darf der Winter deshalb nicht werden.“ Im Frühjahr kommen abschließend noch neue Bäume und Sträucher in den Boden. Die sollen mit ihren Wurzeln für zusätzliche Festigkeitsorgen.

Sollten sich die Bauarbeiten dennoch verzögern, ist das für die Badegäste kein Problem. Das Wasser wurde nicht wie bei der Flut 2002 verunreinigt. Mehrfach wurden Proben aus dem See entnommen. Im Wasser konnten keine gesundheitsgefährdenden Stoffe festgestellt werden.