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Aufsichtsrat vertagt Entscheidung zu Asylbewerberheim

Nicht nur bei Bürgern, sondern auch in der gemeindeeigenen Kulturlandschaft Moritzburg gibt es Bedenken gegen den Standort neben dem Campingplatz.

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Von Sven Görner

In der vergangenen Woche wurde in Moritzburg der erste öffentliche Widerstand gegen die geplante Asylbewerberunterkunft im Feriendorf des Kinder- und Jungendvereins „Die Falken“ sichtbar. Asylgegner hatten ihre Meinung mit Farbe am Gebäude und mit Aufklebern an Laternen und Verkehrsschildern entlang der Schlossallee hinterlassen (die SZ berichtet). Die Gemeinde und der Verein erstatteten daraufhin Anzeigen wegen Sachbeschädigung.

Das Thema sorgt im Ort aber auch in anderen Kreisen für Diskussionen. Allerdings wird dabei nicht generell die Aufnahme von Flüchtlingen in Moritzburg infrage gestellt. Bedenken gibt es vielmehr gegen den geplanten Standort in direkter Nachbarschaft des Ferienparks und Campingplatzes Bad Sonnenland. Dieser wird von der gemeindeeigenen Kulturlandschaft Moritzburg GmbH (KLM) betrieben. Der KLM gehört auch das bis 2023 an die „Falken“ verpachtetet Nachbargelände.

Nach SZ-Informationen sorgen sich Mitglieder des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung offenbar um die möglichen Folgen für den Campingplatz. Die seien nur schwer abschätzbar. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die benachbarte Asylbewerberunterkunft negativ auf den Betrieb der Anlage auswirken könnte. Nimmt das gute Image der Anlage Schaden und bleiben daraufhin Besucher aus, müsste für die entstehenden finanziellen Verluste am Ende die Gemeinde Moritzburg als alleiniger Gesellschafter der KLM gerade stehen.

Mit Spannung war daher die konstituierende Sitzung des Aufsichtsrates erwartet worden. Was genau an diesem Abend diskutiert wurde, ist nicht bekannt. Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos), der dem Gremium von Amtswegen angehört, will sich über die Inhalte der Sitzung nicht äußern. „Das war eine nichtöffentliche Zusammenkunft.“ Im Gemeinderat werde er am Montagabend zum Thema Asyl in Moritzburg informieren. Sowohl im öffentlichen als auch später im nichtöffentlichen Teil der Beratung.

In Letzterem könnte es um einen Brief gehen, den die KLM nach SZ-Informationen wohl an das Landratsamt schicken will. Allerdings soll das offenbar erst geschehen, nachdem der Gemeinderat als Entscheidungsgremium des Gesellschafters informiert worden ist. Neben den bereits genannten Bedenken hinsichtlich negativer Folgen für den Betrieb des Campingplatzes gibt es auch andere Sorgen. Kann bei der Lage der geplanten Unterkunft – abseits der Wohnbebauung und unmittelbar im Wald – die Sicherheit der Bewohner gewährleistet werden?

Wie Jörg Hänisch sagte, spielte diese Überlegung auch bei den rund 30 Moritzburgern eine Rolle, die sich zu Wochenbeginn das erste Mal getroffen haben, um zu beraten, wie sie Asylbewerber, die künftig in den Ort kommen, unterstützen können. Insgesamt soll die Gemeinde in diesem Jahr 83 Flüchtlinge aufnehmen. In dem Steingebäude auf dem Gelände der Falken wäre für maximal 32 Platz.

Am Dienstag, 19 Uhr, gibt es im Lindengarten die zweite öffentliche Veranstaltung zum Thema Asyl in Moritzburg.