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Aufstand der Industriepark-Gegner

Die Dohnaer sind die schärfsten IPO-Kritiker. Das äußern sie am Dienstag sehr lautstark und provozieren damit die Planerin.

Mit diesem Plakat äußerten einige Teilnehmer der Versammlung ihre Kritik am Industriepark.
Mit diesem Plakat äußerten einige Teilnehmer der Versammlung ihre Kritik am Industriepark. © Sabel

Knapp eine Stunde hören die Dohnaer am Dienstagabend in der Cafeteria der Schule aufmerksam zu. Drei Vorträge stellen ihnen den seit fast zwei Jahren diskutierten Industriepark Oberelbe (IPO) am Feistenberg und dem Autobahnzubringer vor. Als nach den Referaten in vier Räumen thematisch weiterdiskutiert werden soll, ist es mit der Ruhe vorbei.

„Keine Einzelräume“ wird gerufen, „Wir wollen hierbleiben“ und „Teile und herrsche“. Planerin Martina Kasparetz-Kuhlmann verteidigt das Prinzip der Runden Tische, das sich bei einer ähnlichen Veranstaltung in Pirna bewährt habe. Wer dagegen sei, wolle sich nur profilieren, sagt sie. Dohnas Bürgermeister Ralf Müller (CDU) schlägt vor, die Fragen aufzunehmen und den Räumen zuzuordnen. Obwohl laut „nein“ gerufen wird, wird es genau so gemacht, woraufhin einige der IPO-Kritiker beschließen, die Veranstaltung zu verlassen. Bürger halten ein Plakat mit der Überschrift „Sinn oder Unsinn?“ hoch. Sie fordern den Erhalt der Kulturlandschaft zwischen Heidenau, Dohna und Pirna. Die Stimmung ist aufgeregt, angeheizt. Als es in die Räume gehen soll, ruft ein Mann: „Alle bleiben sitzen.“ Einige tun das, andere gehen nach Hause, die meisten suchen sich dann doch einen der Räume, weil sie Informationen wollen von den IPO-Planern.

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Mit ihnen wird über eine Stunde diskutiert. Mal sind es wie bei Christian Flörke, dem Chef der Pirnaer Stadtentwicklungsgesellschaft, nur zwei Leute am Tisch, mal über 20. Der Tenor ist kritisch. Nach über einer Stunde wird in der Cafeteria zusammengefasst. Christian Flörke fühlt sich angegriffen. „Die Diskussion in Dohna ist sehr einseitig“, sagt er, und: „Die schweigende Mehrheit ist für den Industriepark. Doch die Fakten interessieren offenbar nicht wirklich.“ Planerin Martina Kasparetz-Kuhlmann geht noch weiter. Ihr Resümee: Sie habe so etwas wie in Dohna noch nicht erlebt und stehe deshalb für derartige Veranstaltungen nicht mehr zur Verfügung. Die nächste findet am 19. März in Heidenau statt. Dann tatsächlich ohne die Planerin?

Die wichtigsten Aussagen:

Grundstückskäufe: Sie gehören zu den Risiken. Kann der IPO-Zweckverband die notwendigen Grundstücke nicht kaufen, hat er ein Problem. Aber: „Es wird keine Enteignung geben“, sagt Dohnas Bürgermeister Müller auf mehrmaliges Nachfragen.

Investoren: Es gibt laut Müller fünf Dohnaer Interessenten für kleinere Gewerbeflächen. Große Investoren für Industrieflächen entscheiden sich erst, wenn Baurecht vorliegt.

Regenwasser: Derzeit wird eine Simulation erstellt, die darstellt, wie viel Wasser aktuell von den Feldern abfließt und wie sich dies mit einer Bebauung ändern würde. Dabei gilt: Es darf nicht schlechter werden. Im Gegenteil, man will die Situation für Krebs noch verbessern.

Versiegelung: Flächen gehen durch den Industriepark als Acker- und Grünland verloren. Das kann nicht wegdiskutiert werden, sagt der Planer. 28 Hektar der insgesamt 140 Hektar sollen unversiegelt bleiben, Bauern Alternativen angeboten werden.

Arbeitsplätze: Von rund 3 000 wird gesprochen. Dass Leute, die derzeit aus der Region woandershin zum Arbeiten fahren, zurückkommen, bezweifeln viele. Zudem haben viele Firmen schon jetzt Probleme, Arbeitskräfte zu finden. Arbeitgeber werden nicht umhinkommen, darauf mit höheren Löhnen zu reagieren, wird argumentiert.

Bauzeit: Der IPO werde kein Berliner Flughafen, sagt der für die Finanzen im Zweckverband zuständige Manfred Elsner. Es wird derzeit von 140 Millionen Euro Erschließungskosten gesprochen, die Hälfte davon als Förderung. Elsner: „Ohne Förderung kein Industriepark.“ Ansiedlungen könnten ab 2028 erfolgen. Ob die Refinanzierung innerhalb von acht bis zehn Jahren klappt, wird von Gegnern kritisch gesehen. (SZ/sab)

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