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Mittelsachsen verstärkt Corona-Tests

DRK und Gesundheitsamt testen Hunderte am betroffenen Regenbogen-Gymnasium und in Pflegeheimen. Noch ist der Ausbruch lokal begrenzt.

Am Freitag wird ein Massentest am Gymnasium in Augustusburg durchgeführt.
Am Freitag wird ein Massentest am Gymnasium in Augustusburg durchgeführt. © haertelpress

Augustusburg. Die Tests in Augustusburg gehen weiter. Auf Wunsch der Stadtverwaltung werden  am Freitag sowie am Montag auch die Mitarbeiter der beiden Senioreneinrichtungen der Stadt getestet. Darüber informierte am Freitag Bürgermeister Dirk Neubauer. "Wir haben darum gebeten", äußerte er sich. Die Tests würden prophylaktisch durchgeführt. 

Bereits am Freitag sind im städtischen Seniorenhaus die meisten der 69 Mitarbeiter getestet worden, wie Geschäftsführerin Ines Trinks sagt. Die, die am Freitag nicht erreicht worden sind, werden am Montag noch getestet. Abstriche bei den Bewohnern gebe es nur, wenn es auch positive Fälle beim Personal gibt. 72 Senioren leben derzeit in der Einrichtung. In der kommenden Woche wollte Trinks eigentlich die Regelungen für die Besuch der Bewohner lockern. Diese können sich derzeit nur in zwei Besucherhäuschen durch eine Glasscheibe sehen. Doch die Planungen habe Trinks nun wieder verworfen. 

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Gänzlich wieder für Besucher geschlossen hat die private Pflegeeinrichtung "Am Bottichberg" der Lifetime Seniorenzentrum GmbH in der Stadt. In dieser Woche hatte das Haus mit 33 Bewohnern für Besucher unter den entsprechenden Hygieneauflagen wieder geöffnet. "Das haben wir nun wieder komplett rückgängig gemacht", sagt Geschäftsführerin Ines Heydenreich. Zwar bestehe kein Verdacht, dass über Mitarbeiter oder deren Kinder ein Bezug zu den Fällen im Gymnasium bestehe, getestet werde das Personal am Montag aber trotzdem. Durchgeführt werden dann 34 Abstriche. 

Bürger sollen sich an Hotline wenden

Neue Ergebnisse lagen bis Freitagmittag noch nicht vor. Neubauer rechnet am Samstagnachmittag mit weiteren Testergebnissen. Bis dahin bittet er weiter darum, keine Panik aufkommen zu lassen. Mehrere hundert Anrufe von besorgten Bürgern sind bisher schon bei der Stadtverwaltung eingegangen. Er legt den Bürgern nahe, sich bevorzugt an die Corona-Hotline des Landkreises zu wenden.

Wie stark das Virus die Stadt getroffen hat, werde sich erst am Montag oder Dienstag zeigen, wenn die weiteren Testergebnisse auch aus den Seniorenhäusern vorliegen, sagt Neubauer. Die für Dienstag geplante Sitzung des Stadtrates hat Neubauer vorsorglich auf den 30. Juni verschoben. 

Lehrer sind gesund

Eine gute Nachricht hatte Dirk Neubauer am Donnerstagabend noch für seine Stadt. Die Tests, die bei den knapp 20 anderen Lehrern des Regenbogen-Gymnasiums durchgeführt worden sind, waren alle negativ. 

Trotzdem ist die Lage in der Stadt weiter angespannt. Neubauer ermahnt seine Bürger angesichts der aktuellen Situation, besonders jetzt auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu achten. Erst vor kurzem habe er jemanden ohne Mund-Nasen-Schutz gesehen. "Das geht im Moment gar nicht."

Von 200 Tests liegt das Ergebnis inzwischen vor: Demnach sind 25 Personen  in Verbindung mit dem Gymnasium positiv auf das Coronavirus getestet worden: Die Lehrerin, zwei Erwachsene und  22  Schüler, die aber symptomfrei seien, so Kreissprecher André Kaiser am Freitagnachmittag.  Am Montag würden die Tests fortgeführt. Wie Amtsärztin Dr. Annelie Jordan sagte, seien manche der Kontaktpersonen unsicher, wann und wie intensiv das letzte Treffen mit den Kindern und Jugendlichen stattfand. Deshalb werde großzügig getestet. 

Gesundheitsamt und DRK testen weiter

Am Freitag unterzogen sich laut Kreissprecher André Kaiser weitere etwa 300 ermittelte Kontaktpersonen  dem Abstrich. Diese führten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sowie Mitglieder des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen durch.

Von Seiten des DRK sind fünf Ehrenamtliche aus dem Bereich Katastrophenschutz im Einsatz, informierte René Illig, Leiter Soziale Dienste beim DRK. Während der Untersuchung der Verdachtspersonen tragen sie Vollschutz. Schutzausrüstung sei genügend vorhanden.

"Das ist schon eine besondere Aufgabe, die wir nicht jeden Tag haben", sagte Illig. Doch das Team sei gut auf diese vorbereitet. "Wir haben uns schon vor Wochen mit dem Thema beschäftigt", erklärte Illig. 

Die Abläufe vor Ort würden vom Gesundheitsamt organisiert. Am Donnerstag seien die Betroffenen zeitlich terminiert getestet worden. Durchgeführt wird bei den zu Testenden ein Rachenabstrich. "Das ist unkompliziert und geht schnell", erklärt Illig. 

Landrat Matthias Damm zeigt sich dankbar für die Hilfe des DRK-Kreisverbandes. "Ein solcher Testumfang wäre mit eigenem Personal nicht zu stemmen", sagte er. "Wir haben einen lokalen Ausbruch und möchten ihn mit allen Mitteln minimieren", so Amtsärztin Jordan.

Bürger sind verunsichert

Viele Bürger in der Stadt sind offenbar verunsichert und melden sich sowohl beim Bürgermeister als auch beim Landratsamt über die Corona-Hotline. Bei der Stadtverwaltung habe es viele Anrufer gegeben, die meinten, auch sie hätten Kontakt zu den Betroffenen gehabt. 

Doch Neubauer beruhigte in seiner Videoansprache am Donnerstagabend: "Wenn ihr nicht vom Gesundheitsamt kontaktiert worden seid, dann seid ihr nicht dabei. Das Gesundheitsamt ermittelt sehr aufwendig die relevanten Kontakte." 

Vergleichbare Fälle in Pflegeheimen

Einen Fall wie in Augustusburg hat es bisher in Mittelsachsen noch nicht gegeben. Sachsenweit seien ähnliche Vorfälle in Pflegeheimen unter Bewohnern und Personal zu verzeichnen gewesen, sagte Andreas Friedrich, Sprecher des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

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Bei 24 Schülern und Erwachsenen am dortigen Gymnasium ist das Coronavirus bereits nachgewiesen worden. Am Freitag gibt es weitere Tests.

Mit dem mittelsächsischen Gesundheitsamt sei vereinbart worden, dass die Kontaktpersonen ermittelt und bei ihnen Testungen durchgeführt werden. "Das Gesundheitsministerium stimmt sich bei allen Maßnahmen eng mit dem Gesundheitsamt, dem Landratsamt und dem Bürgermeister ab", erklärte Friedrich. 

Konsequenzen für den Freistaat soll der Ausbruch in Augustusburg zunächst nicht haben. "Es handelt sich um einen lokalen Ausbruch in einer Schule einer kleinen Stadt", bewertet Andreas Friedrich die Lage. 

Die Chronologie der Ereignisse am Regenbogen-Gymnasium in Augustusburg 

Montag, 15. Juni 2020

Eine Lehrerin des Regenbogenbogen-Gymnasiums Augustusburg ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie informiert die Schulleitung. Daraufhin werden alle Schüler, die an diesem Tag vor Ort sind, nach Hause geschickt.

Dienstag, 16. Juni 2020

Das Gesundheitsamt ordnet Tests für die Schüler an, die von der Lehrerin unterrichtet worden sind. Es wird damit begonnen die insgesamt 75 betroffenen Fünft-, Siebt- sowie Neuntklässler zu untersuchen. Die Schule schließt zunächst freiwillig.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Die ersten positiven Testergebnisse der Tests der Schüler liegen vor. Wie das Landratsamt am späten Nachmittag bekannt gibt, sind weitere zwölf Personen positiv auf das Virus getestet worden. Das Gesundheitsamt ordnet auch behördlich die Schließung der Schule an. 

Donnerstag, 18. Juni 2020

Am Gymnasium werden 80 weitere Schüler und Lehrer sowie weitere Mitarbeiter des Gymnasiums getestet. Am frühen Nachmittag informiert das Landratsamt, dass acht neue positive Tests von Schülern vorliegen sowie zwei von Erwachsenen.

Freitag, 19. Juni 2020

Das Gesundheitsamt lässt am Gymnasium weitere Tests durchführen. Nach Angaben von Kreissprecher André Kaiser werden mehrere hundert Personen erwartet, die vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen ermittelt worden sind. Im Lauf des Tages werden weitere Testergebnisse erwartet. 

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