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Bergbau-Loch lässt Häuserwände reißen

Ein neues Verfahren soll den Augustusschacht in Zittau und zwei darüber liegende Gebäuden stabilisieren. 17 Meter tief, werden Stützsäulen gebaut.

Weil unter diesen zwei Wohnhäusern in der Löbauer Straße in Zittau ein alter Bergbauschacht verläuft, werden die Gebäude jetzt aufwendig und dauerhaft gesichert.
Weil unter diesen zwei Wohnhäusern in der Löbauer Straße in Zittau ein alter Bergbauschacht verläuft, werden die Gebäude jetzt aufwendig und dauerhaft gesichert. © Matthias Weber/photoweber.de

Trotz Corona gehen in Zittau die komplizierten Arbeiten für die Sicherung der beiden Wohngebäude Löbauer Straße 37 und 39 jetzt richtig los. Seit einigen Monaten ist die ehemalige B178 hier am Stadteingang wegen der Baustelle einseitig gesperrt. Die Vorbereitungsarbeiten für ein neues Verfahren zur Gebäuderettung sind nun vorbei. Am Gründonnerstag begann die heiße Phase des Projektes "Augustusschacht". 

So heißt der Schacht, der unter den Häusern verläuft und aus dem einst Braunkohle gefördert wurde. "Deshalb ist der Schacht rechtlich dem Altbergbau zuzuordnen und liegt damit im Zuständigkeitsbereich unseres Amtes", berichtet Oberberghauptmann Bernhard Cramer vom Sächsischen Oberbergamt in Freiberg.

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"Die Lage des Schachtes war ungefähr bekannt. Seine genaue Lage wurde über die Rissbildungen am Gebäude und anschließende Erkundung bestätigt", schildert er. Die Risse an den Häusern zwangen das Oberbergamt zum Handeln. Der Schacht soll nun dauerhaft so stabilisiert werden, dass keine Auswirkungen mehr auf die Grundstücke darüber zu erwarten sind.

17 Meter tiefe Bohrungen unter die Häuser

Das Problem: Der Boden unter den Häusern und im verfüllten Schacht ist sehr weich und instabil. Im Normalfall würde er ausgetauscht und verdichtet. Das geht hier aber nicht, weil über dem Schacht Häuser stehen. Deshalb wird buchstäblich mit Hochdruck gearbeitet. 

Am Gründonnerstag wurden die ersten unterirdischen  Probesäulen hergestellt. Bis auf 17 Meter Tiefe wird dafür unter die beiden Häuser vom Hof des Grundstückes aus gebohrt. "Die Bohrlöcher haben einen Durchmesser von zehn Zentimeter", berichtet Hendrik Martin vom Chemnitzer Bauplanungs- und Überwachungsbüro. Er war am Donnerstag bei den Tests in Zittau dabei.

In die Bohrlöcher wird mit einem Düsenstrahlverfahren ein reines Zement-Wasser-Gemisch mit 200 bis 300 Bar gedrückt. Der Druck ist so groß, dass aus dem zehn Zentimeter Durchmesser großen Bohrloch eine 80 Zentimeter dicke Betonsäule entsteht. 

40 Säulen kommen unter die Häuser

Damit der gewünschte Effekt erzielt wird, werden erst einmal Probesäulen erstellt, um unter anderem den notwendigen Druck zu ermitteln. "Danach bauen wir etwa 40 Säulen unter die Häuser", sagt Hendrik Martin. Sie werden im Abstand von 70 Zentimeter voneinander stehen. 

Sechs bis sieben Meter hoch werden diese Betonkörper sein. Bewusst reichen sie nicht bis zum Fundament der Häuser, erklärt er. Die Arbeiten dauern noch drei bis vier Monate an. "Wir stellen danach das Grundstück so her, wie es vorher war", sagt Hendrik Martin. Für die Bohrungen ist im Hof das Pflaster ausgebaut worden und wird natürlich wieder eingebaut. Während eines der beiden Häuser unbewohnt ist, sollen für die Bewohner des anderen Hauses die Einschränkungen so gering wie möglich sein. 

Verlauf anderer Schächte ist nicht eindeutig bekannt

Der Augustusschacht ist ein vertikaler Grubenbau und einer von vielen Schächten in und um Zittau. Der Schacht wurde Ende des 19. Jahrhunderts zur Gewinnung von Kohle angelegt. Er gehörte zum Braunkohlenwerk E. Neumann des Braunkohlentiefbaues Hasenberg in Zittau-Nord, berichtet Oberberghauptmann Bernhard Cramer.

Etwa zehn Jahre soll im Augustusschacht Braunkohle gefördert worden sein. Seine ursprüngliche vertikale Tiefe betrug 36,5 Meter. Die derzeitige Bausumme für die Sicherung der Gebäude über ihm, beträgt etwa 650.000 Euro. 

"Im weiteren Umfeld sind aus den Altunterlagen Schächte bekannt, deren Lage nicht eindeutig definierbar ist. Ein konkretes Handlungserfordernis im Sinne unserer Zuständigkeit nach der Sächsischen Hohlraumverordnung ist derzeit nicht erkennbar", schildert der Oberberghauptmann.

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