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Aus den Lommatzscher Nachrichten wird der Anzeiger

Das Blatt erscheint ab Mai in Farbe, dafür aber nur einmal im Monat. Allerdings wird es nicht mehr in Lommatzsch gedruckt.

Von Jürgen Müller

Es schien ein formaler Beschluss: Änderung der Bekanntmachungssatzung der Stadt Lommatzsch stand auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung. Doch der Tagesordnungspunkt mündete in einen handfesten Streit. Dabei scheint der Anlass ein positiver. Das Amtsblatt der Stadt Lommatzsch erscheint ab Mai in Farbe. Dennoch spare die Stadt Geld. Denn statt wie bisher zweimal im Monat, erscheint das Blatt künftig nur noch alle vier Wochen. Bei einer Auflage von 4 200 Stück reduzierten sich die monatlichen Druckkosten von derzeit 424 Euro auf dann 302 Euro. „Das rechnen Sie sich schön“, sagte Marion Schwärig (Freie Wähler). Doch Hauptgrund der Kritik, deretwegen Christine Gallasch (Freie Wähler) den Tagesordnungspunkt zurück in die nichtöffentlichen Ausschüsse verweisen wollte, war ein anderer. Denn mit dem Druck des Mitteilungsblattes wurde die Firma Riedel Verlag & Druck KG aus Röhrsdorf bei Chemnitz beauftragt. Bisher wurde das Amtsblatt in der Lommatzscher Druckpflege hergestellt. Die habe kein Angebot vorgelegt. „Das Amtsblatt ist das Aushängeschild unserer Stadt. Die jetzige Qualität schreit zum Himmel“, so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Bereits im November sei der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt worden. Geschäftsführer Schramm habe geäußert, dass sich die Zeitung für ihn nicht rechne. Zudem könne er keinen Farbdruck anbieten. Und in sieben Jahren habe es die Firma nicht auf die Reihe gekriegt, das Amtsblatt als PDF-Datei ins Internet zu stellen.

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Michael Schramm widerspricht vehement. „Die Zeitung liegt doch eh bei uns im PDF-Format vor. Es gab nie eine Anfrage, diese ins Internet zu stellen“, behauptet er. Allerdings räumt Schramm ein, das die Zeitung defizitär ist. Pro Ausgabe entstünden Kosten von 1 300 bis 1 500 Euro, die Stadt zahle 212 Euro. Die Anzeigenerlöse könnten die Kosten jedoch nicht auffangen. „Pro Ausgabe mache ich 150 bis 250 Euro Miese“, sagt er. Das war früher sogar noch schlimmer. Sein Schwiegervater habe kurz vor der Wende die „Lommatzscher Nachrichten“ aus der Taufe gehoben. Bis 1993 habe die Stadt keinen Pfennig dazubezahlt. Pro Ausgabe sei damals ein Defizit von 5 000 Euro entstanden. „Wir subventionieren die Stadt, damals wie heute“, sagt Michael Schramm. Er hat keine Offset-Druckmaschinen mehr, sondern auf Digitaldruck umgestellt, extra für die LN zwei neue Maschinen angeschafft. Farbdruck sei damit zwar möglich, jedoch nicht bezahlbar. Etwa ein Viertel seines Umsatzes mache er mit der Zeitung. Er sieht die Existenz seines Unternehmens gefährdet. Das sehen auch die Freien Wähler so. „Wenn ein ansässiger Unternehmer wirkliches Interesse hat, dann legt er üblicherweise ein Angebot vor“, entgegnete die Bürgermeisterin. Ein solches habe er gemacht, sagt Schramm, bei dem Gespräch sei er aber gar nicht so weit gekommen, es vorzulegen. „Es stand von vornherein fest, dass ich den Auftrag nicht mehr erhalten soll“, behauptet er.

Weil die Namensrechte „Lommatzscher Nachrichten“ bei der Druckerei lägen, wird das Amtsblatt künftig „Lommatzscher Anzeiger“ heißen. Es erhalte damit seinen alten Namen wieder, so Anita Maaß. Einen „Lommatzscher Anzeiger“ habe es schon im 19. Jahrhundert gegeben. Die Namensrechte seien der Stadt von der Druckerei Kühne erteilt worden. Ab Juni soll das neue Amtsblatt erscheinen.

In die Haushalte wird es weiterhin verteilt. „Wir hatten die Möglichkeit, zu gleichen Kosten das Blatt zweimal im Monat herauszubringen und an Stützpunkten zu verteilen. Oder eben einmal monatlich und direkt an alle Haushalte zuzustellen. Wir haben uns für Letzteres entschieden“, sagt die Bürgermeisterin. Eines wird sich nicht ändern: Das Amtsblatt ist weiterhin kostenlos.

Schramm sieht keinen wirtschaftlichen Grund in der neuen Auftragsvergabe. „Offenbar passt es der Bürgermeisterin nicht, dass im nichtamtlichen Teil Beiträge veröffentlicht werden, auf die die Stadt keinen Einfluss hat und die der Verwaltung nicht gefallen“, vermutet er. Dabei habe die Rathauschefin zu ihrer Amtsübernahme versprochen, dass sie keinen Einfluss auf den nichtamtlichen Teil nehmen werde. Die bleibt dabei: „Unter mir wird es keine Zensur geben.“ Sämtliche Beiträge für den nichtamtlichen Teil könnten direkt per Mail an den Verlag gesendet werden.

Schramm will dennoch nicht aufgeben, will die „Lommatzscher Nachrichten“ weiterhin herausgeben. „Ohne den amtlichen Teil könnte sich das Blatt rechnen“, glaubt er. Voraussetzung wäre allerdings, dass das Anzeigenvolumen mindestens gleich bleibt. Er will das Blatt ins Netz stellen, Print- und Online-Ausgabe vernetzen. „Ich werde es versuchen, habe gar keine andere Wahl“, sagt er.