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Aus Dornröschenschlaf geweckt

Das Haus Weigangstraße 3 ist von den Spuren der Jahrzehnte gezeichnet: Seit etlichen Jahren unbewohnt, hatte die Natur bereits von ihm Besitz ergriffen, indem sie eine kleine Birke aus der Dachrinne wachsen...

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Von Carmen Schumann

Das Haus Weigangstraße 3 ist von den Spuren der Jahrzehnte gezeichnet: Seit etlichen Jahren unbewohnt, hatte die Natur bereits von ihm Besitz ergriffen, indem sie eine kleine Birke aus der Dachrinne wachsen ließ. Neben der Hauseingangstür ist noch immer die Inschrift „LSR“ für „Luftschutzraum“ zu erkennen, wie sie in den letzten Kriegswochen an die Häuser gepinselt wurde. Doch jetzt sind endlich die Bauarbeiter angerückt, um das Gebäude, welches um 1900 errichtet wurde, aus seinem Dornröschenschlaf zu reißen. „Nässe von oben und von unten hat der Substanz arg zu schaffen gemacht“, berichtet Frieder Müller aus Dresden, Bauleiter und Vertreter der Eigentümergemeinschaft.

„Das Dach war so undicht, dass es bis unten durch regnete.“ Gegen die Bodenfeuchtigkeit sind bereits Abdichtungsmaßnahmen ergriffen worden. In den nächsten Tagen wird die Bekämpfung des Hausschwammes in Angriff genommen, der infolge der ständigen Nässe leichtes Spiel hatte. Die große Trockenheit der letzten Tage war dagegen eine Wohltat für die Absichten der Bauleute.

Trotz der relativ ungünstigen Ausgangssituation ist Bauleiter Müller von seinem Schützling sehr angetan. „Die Weigangstraße mit ihrer Jugendstilbebauung war schon vor hundert Jahren eine gute Adresse - und das soll sie auch für unser Haus wieder werden!“ Die entstehenden Wohnungen sollen in ihren Grundrissen und mit ihrer Gesamtfläche von rund 130 Quadratmetern sehr großzügig gestaltet und später als Eigentumswohnungen an den Mann gebracht werden. Anstelle von bislang fünf wird das Haus nur noch drei Wohnungen beherbergen - in jeder Etage eine.

Da das Gebäude mit einem Flachdach ausgestattet ist, hat auch die obere Wohnung keine schrägen Wände. Vielmehr kann sich ihr Eigentümer über eine eigene Dachterrasse freuen. Deren Eingrenzung mit Schmuckziegeln wird denkmalgerecht erneuert, ebenso wie die vier dekorativen Sandsteinvasen, welche die Dachterrasse verzieren. Während zwei der Vasen reiner Blickfang sind, verbergen sich hinter den anderen beiden Abzugsschornsteine.

Den Belangen des Denkmalschutzes wird auch mit der Gestaltung der Türen und Fenster Rechnung getragen. Sie werden originalgetreu nachgebaut. Da das Haus in der zurückliegenden Zeit dem Vandalismus preisgegeben war, sind leider die schönen alten Kachelöfen nicht mehr zu retten, sonst hätten sie als Dekorationselemente stehen bleiben können. Selbstverständlich wird ein modernes Heizungssystem auf Erdgasbasis eingebaut.

„Leider stand uns bei der Sanierung überhaupt kein Bildmaterial zur Verfügung“, bedauert Frieder Müller. „Die Denkmalbehörde hat daher für die Außenfassade einen beige-bräunlichen Anstrich festgelegt.“ Wie der Metallzaun einmal ausgesehen haben könnte, bleibt allerdings im Ungewissen. Der Bauleiter denkt, dass die Sanierung im März nächsten Jahres abgeschlossen sein könnte.