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Aus drei Berufsbildern eines gemacht

Auch in Hoyerswerda startet jetzt die Ausbildung von Pflegefachmännern und -frauen – nicht ganz ohne Hürden.

Diese beiden jungen Männer lassen sich am Seenland-Klinikum noch zu Gesundheits- und Krankenpflegern ausbilden – das Berufsbild verschwindet.
Diese beiden jungen Männer lassen sich am Seenland-Klinikum noch zu Gesundheits- und Krankenpflegern ausbilden – das Berufsbild verschwindet. © Foto: LSK / Gernot Schweitzer

Hoyerswerda. Einen harten Weg nennt Hoyerswerdas Bürgermeister Mirko Pink (CDU) die Gespräche über Kooperationen zur Ausbildung für einen neuen Berufszweig in der Stadt. Der Pflegefachmann beziehungsweise die Pflegefachfrau lösen mit Ausbildungsbeginn am 1. September gleich drei bisherige Berufsbilder ab: den Gesundheits- und Krankenpfleger, den Altenpfleger sowie den Kinderkrankenpfleger. So will es das Pflegeberufereformgesetz.

Ganz praktisch bedeutet das für eine Lehre eine Neuordnung der Ausbildungs-Inhalte. Neben der Theorie sind Praxisstunden in der ambulanten Pflege sowie in der stationären Pflege erforderlich, darunter auch Lehreinheiten in der klinischen Pflege, davon wiederum einige in der Kinderkrankenpflege. Kaum eine der bisherigen Ausbildungsstätten kann alles anbieten, was erforderlich ist. Daher machen sich besagte Kooperationen notwendig.

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Die Diakonie St. Martin etwa schickt ihre Azubis für die schulische Ausbildung in die Berufsschule für Pflegeberufe in Bautzen, während die Praxis im Seniorenheim „Goldener Stern“ in Hoyerswerdas Altstadt sowie in der Diakonie-Sozialstation absolviert wird. Für klinische Pflege und Kinderkrankenpflege soll, so Diakonie-Sprecherin Doreen Lorenz, in den nächsten Tagen ein Kooperationsvertrag mit dem Seenland-Klinikum unterschrieben werden.

Die Arbeiterwohlfahrt, die sowohl stationäre wie auch ambulante Pflege selbst anbietet, hat als Partner das Berufsschulzentrum „Konrad Zuse“ für die Theorie, die Lausitzer Werkstätten für die Behindertenhilfe sowie ebenfalls das Seenland-Klinikum. Insbesondere im Krankenhaus sah man sich mit Kooperations-Wünschen in einer Menge konfrontiert, die schlicht nicht zu stemmen wäre. Erstens braucht das Klinikum Praxis-Plätze für die Lehrlinge der eigenen Medizinischen Berufsfachschule und zweitens müssen auch ausreichend Ausbilder beziehungsweise Praxisanleiter zur Verfügung stehen.

Weil es zu Jahresanfang recht laut knirschte, schaltete sich sogar Landrat Michael Harig (CDU) ein. Die neuen Erfordernisse sorgten vielerorts für Kopfschmerzen. „Das Ganze war eine ziemliche Herausforderung“, sagt Kora Rottgardt, Bereichsleiterin Pflege bei der Awo. Man habe aber schon vor anderthalb Jahren begonnen, sich Gedanken zu machen und Partner zu suchen. Das Berufliche Schulzentrum im WK X, wo schon bisher Altenpfleger-Ausbildung stattfand, hat für den Pflegefachmann extra umgebaut. Wie die zuständige Fachbereichsleiterin Silke Tautz berichtet, ist eigens ein neues Fachkabinett mit unterschiedlichen Funktionseinheiten eingerichtet worden. Und obwohl das nicht unbedingt die Aufgabe des BSZ wäre, hat es für eine Reihe kleinerer Pflegedienste Koordinationsaufgaben übernommen.

Schwierigkeiten für die Kleinen

Auch Birgit Wolthusen, Pflegedirektorin am Klinikum, erzählt, es sei nicht so einfach gewesen, alle nötigen Voraussetzungen zu schaffen. „Das war nicht von heute auf morgen zu machen.“ Ein Beispiel ist das Planen der Kapazitäten. Das heißt, vereinfacht gesagt, dass für einen Ausbildungsverbund genau festgelegt werden muss, welche Azubis auf welche Praxis-Plätze können, wenn andere Lehrlinge gerade in der Theorie sind – und umgekehrt. Die Module der Partner müssen aber auch vom Lehrplan her zeitlich passen.

Insbesondere die kleineren Pflegedienste mit nur einzelnen Lehrlingen haben es schwer, Partner zu finden und Abstimmungen zu planen. Das ist auch die Erfahrung von Torsten Rentsch von der Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe im WK V. Praxis-Partner hat die BMS wegen ihres breiten Spektrums an Ausbildungsgängen eigentlich genügend. Nur halten sich einige ambulante Pflegedienste in Sachen Pflegefachmann-Ausbildung erst einmal zurück. „Viele sagen, «wir gucken uns das erst einmal an»“, berichtet Torsten Rentsch. Die Unsicherheit führt in der Konsequenz dazu, dass die BMS zwar gern mit der Ausbildung des neuen Berufsbildes starten würde, aber momentan noch nicht weiß, ob eine Klasse zusammenkommt.

Interesse bei Azubis ist groß

Birgit Wolthusen vom Klinikum würde sich wünschen, dass die Stadt eine stärkere Moderations- und Koordinationsrolle übernehmen würde – ähnlich, wie sie es in der Bildung tut. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Pflege in Hoyerswerda mit seinem Altersdurchschnitt ein ziemlich bedeutender Faktor des Lebens ist, auch des wirtschaftlichen Lebens. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, aber Birgit Wolthusen ist sicher, dass hier eine vierstellige Anzahl von Menschen in der Pflege arbeitet. Im Grunde müsste es eigentlich auch aus Gerechtigkeitsgründen für alle Anbieter in der Branche möglich sein, auszubilden. 

Die neue Pflegeberufeausbildungsfinanzierungsverordnung legt nämlich fest, dass alle einzuzahlen haben. Und auch an Interessenten mangelt es nicht. Bei der Awo fangen am 1. September gleich zehn künftige Pflegefachfrauen ihre Ausbildung an. Es gab dafür zwanzig Bewerbungen. Im Klinikum beginnen sogar 34 Azubis, so viele wie nie in den letzten Jahren. Aus Platzgründen können zwei nicht einmal in der hauseigenen Berufsfachschule unterrichtet werden. Für die Theorie müssen sie ans BSZ.

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